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Startseite Urgent Actions 2022 10 Missouri execution set for 2005 murder
UA 093/22
USA (Missouri)
Abgeschlossen am 29. November 2022

Drohende Hinrichtung stoppen!

AI-Index: AMR 51/6166/2022

Kevin Johnson soll am 29. November 2022 im US-Bundesstaat Missouri hingerichtet werden. Er war Ende 2007 wegen des Mordes an einem Polizeibeamten zum Tode verurteilt worden. Der zum Tatzeitpunkt 19-Jährige hatte bereits jahrelange Entbehrungen sowie sexualisierte und körperliche Gewalt erlebt. Die Tat ereignete sich im Juli 2005 nur wenige Stunden, nachdem Kevin Johnsons damals 12-jähriger Bruder unerwartet an Herzversagen gestorben war. Kevin Johnson leidet seit langem an psychischen Erkrankungen. Dennoch wurden den Geschworenen vor der Urteilsfindung keine ärztlichen Gutachten vorgelegt zu den Auswirkungen, die der Tod seines Bruders oder seine eigene traumatische Kindheit und geistigen Einschränkungen auf Kevin Johnson gehabt haben könnten.

Der Afroamerikaner Kevin Johnson soll am 29. November 2022 hingerichtet werden, nachdem die Geschworenen ihn Ende 2007 wegen des am 5. Juli 2005 an einem weissen Polizeibeamten der Stadt Kirkwood begangenen Mordes zum Tode verurteilt hatten. Die Straftat geschah am selben Tag wie der unerwartete Tod des 12-jährigen Bruders von Kevin Johnson. Kevin Johnson hatte eine traumatische Kindheit und lebt mit psychosozialen (geistigen) Einschränkungen.

Am 5. Juli 2005 hatte eine Polizeistreife in Meacham Park nahe der Stadt Kirkwood das Auto von Kevin Johnson bemerkt. Der damals 19-Jährige war nach einem früheren Vergehen auf Bewährung frei, es lag gegen ihn aber ein Haftbefehl wegen Verstosses gegen seine Bewährungsauflagen vor. Die Polizeikräfte durchsuchten sein Auto, als Kevin Johnsons Grossmutter aus ihrem angrenzenden Haus geeilt kam und um Hilfe rief: Kevin Johnsons 12-jähriger Bruder war plötzlich zusammengebrochen und ohnmächtig geworden. Kevin Johnson sah mit an, wie ein*e Polizeibeamt*in seine Mutter aus dem Haus zerrte und sie dann davon abhielt, zurück hinein zu ihrem bewusstlosen Sohn zu eilen. Kevin Johnsons Bruder wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er an Herzversagen starb.

Am Nachmittag des 5. Juli 2005, dem Todestag seines kleinen Bruders, traf Kevin Johnson ein weiteres Mal auf einen Polizeibeamten derjenigen Streife, die zuvor am Haus seiner Grossmutter gewesen war. Kevin Johnson warf dem Polizeibeamten vor, seinen kleinen Bruder getötet zu haben und feuerte anschliessend mehrere Male auf den Polizisten. Dieser überlebte, verlor aber die Kontrolle über seinen Streifenwagen, welcher die Strasse runterrollte und gegen einen Baum prallte. Der Polizist konnte sich aus dem Auto befreien und Kevin Johnson feuerte daraufhin ein weiteres Mal auf ihn. Von den insgesamt sieben von Kevin Johnson abgefeuerten Schüssen war einer tödlich. Kevin Johnson gab später an, «ausgeflippt» zu sein und sich mental «wie in Trance» gefühlt zu haben.

Es wurde Anklage wegen Mordes gegen Kevin Johnson erhoben. Während der ersten Gerichtsverhandlung Anfang 2007 konnten sich die Geschworenen nicht einstimmig auf ein Strafmass einigen: sie stimmten 10 zu 2 für einen Schuldspruch wegen Totschlags, nicht aber wegen Mordes. Ende 2007 kam es dann zu einer zweiten Gerichtsverhandlung in dem Fall, dieses Mal lautete die Anklage erneut auf Mord.

Kevin Johnson leidet seit seinem 6. Lebensjahr unter akustischen Halluzinationen und schweren Depressionen. Als Teenager versuchte er sich im Alter von 13 oder 14 Jahren das Leben zu nehmen. Während der zweiten Gerichtsverhandlung legte seine Verteidigung keine Expert*innengutachten bezüglich Kevin Johnsons Geisteszustand zum Zeitpunkt des tödlichen Schusswaffeneinsatzes vor.

2016 war ein Neuropsychologe zu dem Schluss gekommen, dass die Kombination aus psychischen Erkrankungen und gestörter Funktionsfähigkeit des Frontallappens des Gehirns dazu geführt hätte, dass Kevin Johnsons «moralischer Kompass quasi nicht vorhanden» gewesen sei, als er auf den Polizisten schoss. Eine solche medizinische Information «hätte im Gerichtsverfahren vorgebracht werden können, um mildernde Umstände und Kevin Johnsons moralische Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt zu prüfen».

Laut der Verfassung der USA muss die Todesstrafe «auf diejenigen Straftäter*innen beschränkt bleiben, … deren besondere Schwere der Schuld die Todesstrafe verlangt» (Roper vs. Simmons, 2005). Kevin Johnson war zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt. In seiner Kindheit hat er Entbehrungen, Vernachlässigung und sexualisierte und körperliche Gewalt durchlebt. Er lebt mit geistigen Einschränkungen, die seine Fähigkeit beeinflusst haben könnten, zum Tatzeitpunkt eine überlegte Entscheidung zu treffen. All dies sollte berücksichtigt werden, wenn entschieden wird, ob Kevin Johnson tatsächlich die laut US-Verfassung vorgeschriebene besonders schwere Schuldhaftigkeit aufwies und ob somit die Todesstrafe angemessen ist.

Während der 27-jährigen Berufszeit der*s Staatsanwält*in, der*die für Kevin Johnsons Fall zuständig war, gab es insgesamt fünf Fälle im Polizeidistrikt St. Louis County, bei denen Polizist*innen ums Leben kamen. In vier dieser Fälle waren die Angeklagten afroamerikanischer Herkunft, und in all diesen Fällen forderte die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe. Im fünften Fall war die angeklagte Person weiss – hier forderte die Staatsanwaltschaft für die Tat nicht die Todesstrafe.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich und ohne Ausnahme ab, ungeachtet der Art und Umstände des Verbrechens, der Schuld oder Unschuld der Person oder der Hinrichtungsmethode, und setzt sich in allen Fällen für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

In diesem Jahr gab es bereits zwölf Hinrichtungen in den USA. Seit der Verabschiedung der neuen Todesstrafengesetzgebung durch den Obersten Gerichtshof der USA im Juli 1976 sind in den USA insgesamt 1.552 Todesurteile vollstreckt worden, 92 davon in Missouri. In 80% dieser Fälle waren die Opfer weiss.

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