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Startseite Urgent Actions 2022 07 Activist sentenced to four years in prison
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Russland
Aktiv seit 29. Juli 2022 | Noch 37 Tage Laufzeit

Aktivist zu vier Jahren Haft verurteilt

AI-Index: EUR 46/5906/2022

Am 15. Juli wurde der Aktivist Andrej Piwowarow (Andrei Pivovarov) vor einem Gericht in Krasnodar im Süden Russlands zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihm werden gemäss einer Gesetzesbestimmung, die den menschenrechtlichen Verpflichtungen Russlands zuwiderläuft, «Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation» vorgeworfen. Der Menschenrechtler ist der ehemalige Leiter der nun aufgelösten Organisation Open Russia, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzte. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Flughafen Sankt Petersburg festgenommen und inhaftiert. Andrej Piwowarow hat keine international als Straftat anerkannte Handlung begangen und wird allein deshalb festgehalten, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat. Er hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

Der Aktivist Andrej Piwowarow ist wegen mutmasslicher «Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation» (Artikel 284.1 des russischen Strafgesetzbuchs) zu vier Jahren Haft verurteilt worden, wogegen er Rechtsmittel eingelegt hat. Andrej Piwowarow hat lediglich in den Sozialen Medien Beiträge über die friedlichen und rechtmässigen Aktivitäten der von ihm geleiteten NGO Open Russia geteilt. Er wurde am 31. Mai 2021 festgenommen und in Krasnodar in Untersuchungshaft genommen, was weit von seiner Heimatstadt entfernt liegt. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Strafverfolgung und Verurteilung des Menschenrechtlers willkürlich sind.

Andrej Piwowarow stammt aus Sankt Petersburg und ist dort ein bekannter politischer Aktivist und Menschenrechtsverteidiger. Er setzt sich seit mehr als 15 Jahren für Demokratie und Menschenrechte in Russland ein, wobei er niemals Gewalt angewendet oder befürwortet hat. Die Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit ist kein Verbrechen. Vielmehr sind diese Rechte in der russischen Verfassung und im Völkerrecht verankert.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Andrej Piwowarow ist der ehemalige Leiter der mittlerweile verbotenen Organisation Open Russia. Gegründet wurde Open Russia mit der Hilfe von Michail Chodorkowskij (Mikhail Khodorkovsky), einem ehemaligen Geschäftsmann und gewaltlosen politischen Gefangenen, der nun in Grossbritannien lebt. Open Russia unterstützte unabhängige Journalist*innen und half sowohl Oppositionskandidat*innen bei Kommunalwahlen als auch Personen, die aus politischen Gründen strafverfolgt wurden. Zudem organisierte die NGO friedliche Proteste und führte weitere ähnliche Aktivitäten durch.
Am 26. April 2017 stufte die Generalstaatsanwaltschaft zwei britische NGOs mit ähnlichen Namen willkürlich als «unerwünschte Organisationen» ein: Otkrytaya Rossia und das Open Russia Civic Movement. Grundlage ist ein repressives russisches Gesetz, das die Beteiligung an Aktivitäten von Organisationen, die als «ausländische Organisationen» betrachtet werden, verbietet. Zwar beteuerten die Behörden eingangs, dass diese Massnahme Open Russia als inländische Organisation nicht betreffen würde; dies änderte sich jedoch später, als Open-Russia-Aktivist*innen doch ins Visier der Behörden gerieten. Darunter befanden sich z. B. Anastasia Shevchenko und Mikhail Iosilevich, die beide von Amnesty International als gewaltlose politische Gefangene anerkannt wurden.
In allen bekannten Fällen erhielten die Beschuldigten Geldstrafen und später auch strafrechtliche Sanktionen, nur weil sie auf irgendeine Weise Verbindungen zu Open Russia hatten oder Material der Organisation weitergegeben hatten. Es liegen keine Nachweise darüber vor, dass Open Russia für Gewalttaten oder sonstige international als Straftat anerkannte Handlungen verantwortlich ist.
Im März 2021 wurde unter Paragraf 20.33 des Gesetzbuches über Ordnungswidrigkeiten («Durchführen von Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation») ein Verfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet. Dies stand in Verbindung mit dem Kongress der Moskauer Gemeindeabgeordneten, welcher laut Angaben der Polizei von der «unerwünschten» Organisation Open Russia Civic Movement organisiert wurde. Im April 2021 wurde gemäss demselben Paragrafen ein Verwaltungsverfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet, welches sich auf Aktivitäten des Jahres 2020 bezog, als er während der Corona-Pandemie eine Ambulanz in Sankt Petersburg mit persönlicher Schutzausrüstung belieferte. Nach Angaben der Behörden habe er damit «im Namen der ausländischen Nichtregierungsorganisation Open Russia gehandelt».
Am 27. Mai 2021 kündigte Open Russia an, angesichts der drohenden Verschärfung der Gesetze über «unerwünschte Organisationen» und der Verfolgung ihrer Aktivist*innen ihre Aktivitäten einstellen zu wollen. (See more details: Russia: Open Russia movement forced to dissolve while its members face severe reprisals) Am 29. Mai 2021 wurde gemäss Paragraf 284 des Strafgesetzbuches («Durchführen von Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation») ein Strafverfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Rollfeld des Flughafens Sankt Petersburg aus einer Maschine mit Ziel Warschau festgenommen und willkürlich inhaftiert. (see more details here: Russia: Immediately release Open Russia leader detained after being hauled off flight)

Ihm wurde vorgeworfen, am 12. August 2020 von Krasnodar aus Informationen auf Facebook gepostet zu haben, die sich auf Oppositionskandidat*innen im lokalen Wahlkampf bezogen. Die Behörden führten an, dies sei eine Aktivität für die «unerwünschte» Organisation Open Russia gewesen. Andrej Piwowarow befindet sich seither in Krasnodar im Gewahrsam. Bis zu Beginn seines Gerichtsverfahrens gegen Ende 2021 waren seine Kommunikationsmöglichkeiten mit der Aussenwelt stark eingeschränkt und Familienbesuche nicht gestattet.
Am 11. Oktober 2021 aktualisierte die Ermittlungsbehörde die Anklageschrift gegen Andrej Piwowarow und nahm 30 Facebook-Beiträge und einen geteilten Post mit auf, in denen es u. a. um die Proteste in Chabarowsk, Unterstützung für inhaftierte Protestierende und Kritik an Verfassungsänderungen ging.
Am 15. Juli 2022 verurteilte das Bezirksgericht Leninsky in Krasnodar Andrej Piwowarow zu vier Jahren in einer Strafkolonie. Sein Rechtsbeistand hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.

  • Werden Sie in den sozialen Medien aktiv: Infos (in English) siehe gelbes Feld rechts.

  • Bitte schreiben Sie vor dem 23. September 2022.

  • Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder in Ihrer eigenen Sprache.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt

Ich wende mich heute an Sie, um für die Freilassung von Andrej Piwowarow einzutreten.

Am 15. Juli wurde der Aktivist Andrej Piwowarow vor einem Gericht in Krasnodar im Süden Russlands zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihm werden gemäss einer Gesetzesbestimmung, die den menschenrechtlichen Verpflichtungen Russlands zuwiderläuft, «Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation» vorgeworfen. Der Menschenrechtler ist der ehemalige Leiter der nun aufgelösten Organisation Open Russia, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzte. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Flughafen Sankt Petersburg festgenommen und inhaftiert. Andrej Piwowarow hat keine international als Straftat anerkannte Handlung begangen und wird allein deshalb festgehalten, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat. Er hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

Bitte lassen Sie die Anklagen gegen Andrej Piwowarow fallen, stellen Sie das Strafverfahren gegen ihn ein und lassen Sie ihn umgehend und bedingungslos frei.

Hochachtungsvoll,

 

Appelle an

Igor Victorovich Krasnov
Prosecutor General of the Russian Federation
15a Bolshaya Dmitrovka street
Moscow 125993
Russian Federation

Kopien an

Botschaft der Russischen Föderation
Brunnadernrain 37
3006 Bern

Fax: 031 352 55 95
E-Mail: rusbotschaft@bluewin.ch

 

→ Weltweite Briefzustellung - Allgemeine Info:
Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich.
Bitte prüfen Sie vorher auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie, für die Zustellung Ihres Appells andere Kommunikationskanäle zu nutzen (E-Mail, Fax oder soziale Medien) und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Social media guide

As Facebook and Instagram are now designated as extremist and Twitter is blocked in Russia, the Prosecutor General’s office actively uses the official Russian social media accounts on Telegram https://t.me/genproc (also on Russian social media VK, Odnoklassniki)

But the accounts on Twitter and Facebook still exist, they can be used to tag the General Prosecutor’s office and share information on their pages.

#FreePivovarov
#FreeAndreiPivovarov

Messages:

Release Andrei Pivovarov!

Freedom of association is a human right and should not be a crime!

 

Andrei’s supporters have their own online channel on Telegram where they share all relevant updates on his case https://t.me/freepivovarov
It is only in Russian but may be useful.

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