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Startseite Urgent Actions 2022 05 Venezuelan photographer arbitrarily detained
UA 045/22
Venezuela
Aktiv seit 20. Mai 2022 | Noch 15 Tage Laufzeit

Venezolanischer Fotograf willkürlich inhaftiert

AI-Index: AMR 53/5643/2022

Der venezolanische Fotograf Carlos Debiais wurde am 12. November 2021 festgenommen. Am 12. April wurde eine Anordnung für seine Freilassung ausgestellt. Freigelassen wurde er jedoch nicht. Seither ist er willkürlich in Caracas inhaftiert. Carlos Debiais war gerade bei Filmaufnahmen im Bundesstaat Falcón, als er von Sicherheitspersonal der staatlichen Erdölunternehmens PDVSA befragt und später von Angehörigen der militärischen Spionageabwehr DGCIM inhaftiert wurde. Berichten zufolge sagen die Gefängnisbehörden, der Entlassungsbefehl könne auf Anweisung der Ministerin für Strafvollzugsangelegenheiten nicht ausgeführt werden. Amnesty International fordert seine Freilassung.

Carlos Debiais, ein venezolanischer Fotograf, wird trotz einer am 12. April 2022 auf seinen Namen ausgestellten Anordnung zur Freilassung weiter willkürlich im Gefängnis El Rodeo II festgehalten.

Es ist höchst besorgniserregend, dass sich die Strafvollzugsbehörden offenbar auf Anweisung der Ministerin für Strafvollzugsangelegenheiten weigern, die besagte Anordnung auszuführen, obwohl bekannt ist, dass ein Gerichtsbeschluss von der Exekutive nicht ignoriert oder blockiert werden kann.

Darüber hinaus wurde Carlos Debiais unter sehr schlechten Bedingungen festgehalten, ohne Zugang zu natürlichem Sonnenlicht, bei eingeschränkter oder unzureichender Nahrungsmittelversorgung und unter Überwachung der Kommunikation mit seiner Familie und seinen Rechtsbeiständen. All das verstösst gegen internationale Menschenrechtsstandards. Bedenklich ist auch, dass sein Schicksal und sein Verbleib seit der Inhaftierung mehrfach nicht bekannt waren.

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Carlos Debiais ist ein in Bogota lebender venezolanischer Fotograf. Er kam nach Venezuela zurück, um seinen Reisepass verlängern zu lassen, und traf am 8. November 2021 in seinem Heimatbundesstaat Falcón ein. Am 12. November 2021 filmte er gerade mit seiner Drohne in der Bucht von Amuay in der Nähe der im Besitz des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA befindlichen Erdölraffinerie, als er von Angehörigen des Sicherheitspersonals von PDVSA befragt wurde, zu denen sich später Angehörige der Nationalgarde gesellten. Kurz darauf tauchten Angehörige der militärischen Spionageabwehr (DGCIM) auf, um sein Fahrzeug und seine Sachen zu durchsuchen. Sie fanden seine Kameraausrüstung, darunter eine Drohne, sowie US-Dollar und ein wenig Marihuana für den persönlichen Gebrauch. Daraufhin wurde Carlos Debiais in die Büros der DCGIM in der Raffinerie von Amuay gebracht und weiter befragt.
Schicksal und Verbleib von Carlos Debiais waren vom 12. bis 15. November 2021 nicht bekannt. Dann wurde seine Familie darüber informiert, dass er sich im DGCIM-Hauptquartier in Boleíta Norte in Caracas befinde, rund 558 km entfernt vom Ort seiner Festnahme. Am gleichen Tag wurde er vor das Antiterror-Gericht gestellt und wegen «Terrorismus», der Verabredung zu Straftaten, der Störung der öffentlichen Ordnung (Incumplimiento al régimen de la nación) und wegen Drogenkonsums angeklagt. Die Staatsanwaltschaft legte weder innerhalb der gesetzlichen Frist von 45 Tagen noch innerhalb der 15-tägigen Verlängerungsfrist Beweise vor. Bei der vorläufigen Anhörung am 10. Februar 2022, drei Monate nach seiner Festnahme, wurde er formell wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Drogenkonsums angeklagt. Obwohl nur Bilder von der Bucht und keine Bilder von der Raffinerie oder andere kriminelle Inhalte gefunden werden konnten, wurde Carlos Debiais für schuldig befunden und zu 4,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Unter der Auflage, sich alle zwei Monate bei Gericht zu melden, wurde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt.
Seiner Familie zufolge gab es vom 15. November bis zum 5. Dezember 2021, als Carlos Debiais ein Telefongespräch mit seiner Familie erlaubt wurde, erneut keine Informationen über sein Schicksal und seinen Verbleib. Auch vom 5. bis 15. Dezember 2021 war ihm kein Kontakt mit seiner Familie oder seinen Rechtsbeiständen gestattet. Am 23. März 2022 wurde er in das Gefängnis El Rodeo II in Caracas verlegt, wo er sich seither befindet. Seine Familie war über die Verlegung nicht informiert worden.
Am 12. April ordnete ein erstinstanzliches Gericht zur Kontrolle des Strafvollzugs (Juzgado Décimo de Primera Instancia de Ejecución de Caracas) die Freilassung von Carlos Debiais an, verbunden mit einer bedingten Aussetzung seiner Strafe für einen Zeitraum von drei Jahren. Die Gefängnisbehörden begründen seine weitere Inhaftierung offenbar damit, dass der Entlassungsbefehl ohne eine entsprechende explizite Anordnung der Ministerin für Strafvollzugsangelegenheiten, Mirelys Contreras, nicht ausgeführt werden kann.
Diese willkürliche Inhaftierung erfolgt im Kontext massiver Menschenrechtsverletzungen in Venezuela. Die Regierung von Nicolás Maduro betreibt eine Politik der Repression, und das vor dem Hintergrund einer komplexen humanitären und menschenrechtlichen Krise, die dazu geführt hat, dass mehr als 6,1 Millionen Menschen bereits aus dem Land geflohen sind, um im Ausland Schutz zu suchen. Das Justizsystem, dem es an Unabhängigkeit fehlt, wird der unabhängigen internationalen Ermittlungsmission für Venezuela zufolge von den Behörden dazu missbraucht, Menschenrechtsverbrechen und Verbrechen nach dem Völkerrecht zu begehen, von denen einige Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.

  • Werden Sie in den sozialen Medien aktiv: Infos (in English) siehe gelbes Feld rechts.

  • Bitte schreiben Sie vor dem 14. Juli 2022.
  • Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch.

Modellbrief

→ Modellbrief auf Spanisch s. unten / Modelo de carta en español véase abajo


Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt

Mit grosser Sorge habe ich erfahren, dass der Fotograf Carlos Debiais trotz einer gerichtlichen Anordnung zu seiner Freilassung weiterhin inhaftiert ist. Er befindet sich bereits seit November 2021 in Haft, ohne dass Beweise für eine Straftat vorgelegt wurden. Die Haftbedingungen sind extrem schlecht. Er erhält zum Teil nicht genug Nahrung und ihm wird natürliches Licht verweigert. Zudem war er in dieser Zeit wiederholt ohne Kontakt zur Aussenwelt. Dies gibt weiteren Anlass zu Bedenken hinsichtlich seiner rechtsstaatlichen Behandlung in Haft.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Carlos Debiais entsprechend der am 12. April auf seinen Namen ausgestellten Anordnung freigelassen wird und dass seine persönliche Integrität gewahrt bleibt, solange er sich in staatlichem Gewahrsam befindet.

Hochachtungsvoll,

 

Modellbrief auf Spanisch hier öffnen / Aqui modelo de carta en español

Estimado Fiscal General Tarek William Saab,
Le escribo por motivo de la detención arbitraria de Carlos Debiais, fotógrafo venezolano que actualmente se encuentra detenido injustamente en la cárcel Rodeo II a pesar de tener una orden de libertad a su nombre desde el 12 de abril de 2022.
Es profundamente preocupante que supuestamente las autoridades penitenciarias se niegan a ejecutar dicha orden de libertad por órdenes de la Ministra del Servicio Penitenciario, a pesar de que una orden judicial no puede ser ignorada o bloqueada por el Poder Ejecutivo.
Además, Carlos Debiais ha estado recluido en pésimas condiciones sin acceso a luz solar natural, alimentación limitada e insuficiente y sus comunicaciones con su familia y abogados vigiladas, todo lo cual viola los estándares internacionales de derechos humanos. También es alarmante que su paradero haya sido desconocido en varias ocasiones.
Le hacemos un llamado para que garantice la liberación inmediata de Carlos Debiais en cumplimiento de su boleta de excarcelación emitida el 12 de abril y que se garantice su integridad personal mientras se encuentre bajo la custodia del Estado.
Atentamente,

 

Appelle an

GENERALSTAATSANWALT
Tarek William Saab

Avda. México, Manduca a Pelelojo, Edif. Sede Fiscalía General de la República, La Candelaria, Caracas, VENEZUELA
→ Briefpost nach Venezuela ist zu vermeiden

c/o Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Postfach 237
3097 Liebefeld

Twitter: @TarekWilliamSaab
→ Die beste Möglichkeit, Ihre Zielperson zu erreichen, ist Twitter

Mit Kopie an (Zweite Zielperson):

Minister for Penitentiary Affairs
Mirelys Contreras
Twitter: @mirelct

Kopien an

Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Postfach 237
3097 Liebefeld

Fax: 031 371 64 69
E-Mail: embajada.suiza@mppre.gob.ve

 

 

→ Weltweite Briefzustellung - Allgemeine Info:
Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich.
Bitte prüfen Sie vorher auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie, für die Zustellung Ihres Appells andere Kommunikationskanäle zu nutzen (E-Mail, Fax oder soziale Medien) und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Social media guide

Tags:

@TarekWiliamSaab (Attorney General)
@mirelct (Minister Contreras)
@oveprisiones (NGO supporting the case)

Suggested messaging:

#URGENTE: Llamamos al Fiscal General de #Venezuela, @TarekWiliamSaab, a garantizar la libertad inmediata de #CarlosDebiais, con boleta de excarcelación desde el 12 de abril supuestamente denegada por la Ministra Mirelys Contreras @mirelct sin siquiera tener competencia para ello.

#Venezuela: Fiscal General @TarekWiliamSaab: hace más de un mes que #CarlosDebiais debía haber sido liberado por orden de un tribunal. Su libertad está supuesta y erróneamente negada por @mirelct. ¿Para qué sirve una boleta de excarcelación entonces?

#URGENT: We call on Venezuelan Attorney General @TarekWiliamSaab to ensure the immediate release of #CarlosDebiais. Carlos has a release warrant to his name since 12 April which is reportedly being denied by Minister for Penitentiary Affairs @mirelct, without powers to do so.

5 Briefe verschickt  
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