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Startseite Urgent Actions 2022 05 Quash whistleblower’s death sentence Whistleblower activist’s conviction upheld
FI 043/22-2
Algerien
Aktiv seit 18. Oktober 2022 | Noch 6 Tage Laufzeit

Urteil gegen Whistleblower-Aktivisten bestätigt

AI-Index: MDE 28/6128/2022

Mohamed Benhlima ist ein Aktivist, ehemaliger Militärangehöriger und Whistleblower, der die Korruption hochrangiger algerischer Militärs aufgedeckt und im Internet darüber berichtet hat. Er floh 2019 von Algerien nach Spanien aus Angst, wegen seiner Teilnahme an einer friedlichen Protestbewegung gegen die algerische Regierung von den Behörden verfolgt zu werden. 2021 wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. In drei anderen Verfahren bestätigte ein Berufungsgericht in Algier am 4. September 2022 die Schuldsprüche wegen «Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung» und «Veröffentlichung von Falschnachrichten, die die nationale Einheit untergraben» und verurteilte Mohamed Benhlima zu insgesamt zwölf Jahren Gefängnis. Laut Angaben eines ihm nahestehenden Familienmitglieds laufen gegen Mohamed Benhlima noch weitere Verfahren. Mohamed Benhlima sitzt zurzeit in Einzelhaft in einem Militärgefängnis.

Der 33-jährige Whistleblower Mohamed Benhlima ist seit dem 28. April 2022 im Militärgefängnis von El-Blida inhaftiert. Der ehemalige Militärangehörige befindet sich weiter in Einzelhaft, die er täglich nur für zehn Minuten verlassen darf. Ihm wird jeglicher Kontakt zu anderen Gefangenen versagt. Beamt*innen des Militärgefängnisses in El-Blida haben es ihm darüber hinaus verboten, Essen, Kleidung oder gar Bücher von seiner Familie zu erhalten.

Das Todesurteil gegen Mohamed Benhlima wegen Spionage und Desertion erging 2021 in Abwesenheit, als er sich noch als Asylsuchender in Spanien aufhielt. In drei anderen Verfahren wurden am 4. September 2022 die Schuldsprüche wegen «Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung» und «Veröffentlichung von Falschnachrichten, die die nationale Einheit untergraben» bestätigt, und Mohamed Benhlima wurde zu insgesamt zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Am 19. Juni sagte er vor dem Gericht in Kolea aus, dass er nach seiner Abschiebung nach Algerien am 24. März 2022 tagelang von Angehörigen des militärischen Sicherheitsdienstes im Geheimdienstzentrum S'hawla in Algier gefoltert und misshandelt worden sei. Unter anderem soll er nackt ausgezogen und mit eiskaltem Wasser übergossen worden sein. Die algerischen Behörden haben öffentlich keine Nachweise einer offiziellen Untersuchung der von Mohamed Benhlima vorgebrachten Vorwürfe der Folter und Misshandlung vorgelegt. Eine solche Untersuchung war aber von seiner Familie am 25. Juni in einem Schreiben an die algerischen Behörden gefordert worden.

Das Verhalten der Gefängnisverwaltung gegenüber Mohamed Benhlima und seiner Familie ist zudem diskriminierend: Die Gefängnisverwaltung lässt die Familie warten, bis die offizielle Besuchszeit fast vorüber ist und alle anderen Familien ihren Besuch beendet haben, bevor sie Mohamed Benhlimas Familie erlaubt, diesen weniger als zehn Minuten und unter Anwesenheit von Wachpersonal zu sehen. Seine Familie berichtet auch, dass mehrmals versucht wurde, sie einzuschüchtern. Die Familie gab an, dass unnötige Befragungen durch das Gefängnispersonal des Militärgefängnisses von El-Blida nach jedem Besuch bei Mohamed Benhlima stattfänden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Mohamed Benhlima ist algerischer Staatsbürger und hat sowohl in Spanien als auch in Frankreich Asyl beantragt. Er ist ein ehemaliger Angehöriger des algerischen Militärs und Whistleblower, der auf einem YouTube-Kanal die mutmassliche Korruption hochrangiger algerischer Militärs aufgedeckt hat. Ausserdem hat er an den friedlichen Massenprotesten gegen die algerischen Behörden teilgenommen, die 2019 in Algerien begannen.
Nach der Abschiebung nach Algerien haben die algerischen Behörden die «Inhaftierung» von Mohamed Benhlima in den Medien breitgetreten und sein Recht auf Privatsphäre sowie sein Recht auf ein faires Verfahren schwer verletzt, insbesondere sein Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen: Im staatlichen Fernsehen wurde ein Video ausgestrahlt, in dem Mohamed Benhlima «gesteht», sich gegen den Staat verschworen zu haben, und beteuert, dass er in Haft nicht schlecht behandelt werde. Mohamed Benhlima selbst hatte vor seiner Abschiebung nach Algerien ein Video aus dem Haftzentrum im spanischen Valencia veröffentlicht, in dem er davor warnt, dass solche Videos nicht echt seien und vielmehr zeigen würden, dass er «von Geheimdiensten schwer gefoltert wurde».
Anfang 2021 beantragte er in Spanien Asyl und erhielt von den spanischen Behörden eine Aufenthaltsgenehmigung, die er verlängern liess und die bis zum 5. November 2021 gültig war. Am 23. August 2021 erhielt er eine Vorladung der Polizei in Bilbao. Aus Angst vor einer möglichen Auslieferung nach Algerien floh er kurz darauf nach Frankreich. Diese Befürchtung gründete auf einem ähnlichen Fall, bei dem der ehemalige Militärangehörige und Asylsuchende Mohamed Abdellah am 20. August 2021 von Spanien an Algerien ausgeliefert wurde.
Mohamed Benhlima wurde später in Frankreich festgenommen und nach Spanien zurückgebracht. Am 14. März 2022 eröffneten die spanischen Behörden ein Ausweisungsverfahren wegen Verstosses gegen Paragraf 54.1.a. des Einwanderungsgesetzes 4/2000, in dem sie Mohamed Benhlima vorwarfen, er habe an «Aktivitäten teilgenommen, die der öffentlichen Sicherheit zuwiderlaufen oder den Beziehungen Spaniens zu ausländischen Staaten schaden können». Konkret rechtfertigten sie die Eröffnung des Ausweisungsverfahrens mit der angeblichen Verbindung von Mohamed Benhlima zur politischen Oppositionsgruppe Rachad, die am 6. Februar 2022 von Algerien als terroristische Vereinigung eingestuft wurde. Die spanischen Behörden gaben an, Rachads Ziel sei es, radikale Jugendliche in die algerische Gesellschaft einzuschleusen, um gegen die algerische Regierung zu protestieren, und kamen zu dem Schluss, dass der Aktivist Mitglied einer terroristischen Vereinigung sei. Die spanischen Behörden legten jedoch keine Beweise für die Anwendung von Gewalt, die Aufstachelung zum Hass oder andere Aktionen des Aktivisten vor, die als «Terrorismus» im Sinne der von der UN-Sonderberichterstatterin für den Schutz der Menschenrechte bei der Bekämpfung des Terrorismus vorgeschlagenen Definition angesehen werden könnten. Die spanischen Behörden scheinen nicht berücksichtigt zu haben, dass die algerischen Behörden seit April 2021 zunehmend falsche Anschuldigungen wegen Terrorismus und Gefährdung der nationalen Sicherheit gegen friedliche Aktivist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen erheben.
Am 27. Dezember 2021 warnten unabhängige Menschenrechtsexpert*innen des UN-Menschenrechtsrats, dass die Definition von Terrorismus im algerischen Strafgesetzbuch zu ungenau sei und die Menschenrechte untergrabe. Sie erklärten, dass das Verfahren für die Eintragung in die nationale Terroristenliste nicht den internationalen Menschenrechtsstandards entspreche, und äusserten die Befürchtung, dass dies zu Missbrauch führen könne.
Am 24. März 2022 gegen 19:00 Uhr wurden die Anwält*innen von Mohamed Benhlima von dem Ausweisungsbeschluss in Kenntnis gesetzt und reichten umgehend einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung beim Nationalen Gerichtshof von Spanien (Audiencia Nacional) ein, der jedoch abgelehnt wurde. Später stellte sich heraus, dass Mohamed Benhlima zu diesem Zeitpunkt bereits in einem Flugzeug nach Algerien sass.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.

  • Werden Sie in den sozialen Medien aktiv: Infos (in English) siehe gelbes Feld rechts.

  • Bitte schreiben Sie vor dem 13. Dezember 2022.

  • Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch, Deutsch oder in Ihrer eigenen Sprache.

Modellbrief

Exzellenz

Ich schreibe Ihnen, um meine Sorge über die fortgesetzte Inhaftierung von Mohamed Benhlima zum Ausdruck zu bringen. Er ist seit dem 28. April 2022 im Militärgefängnis von El-Blida inhaftiert. Der ehemalige Militärangehörige befindet sich weiter in Einzelhaft, die er täglich nur für zehn Minuten verlassen darf. Ihm wird jeglicher Kontakt zu anderen Gefangenen versagt. Beamt*innen des Militärgefängnisses in El-Blida haben es ihm darüber hinaus verboten, Essen, Kleidung oder gar Bücher von seiner Familie zu erhalten.

Das Todesurteil gegen Mohamed Benhlima wegen Spionage und Desertion erging 2021 in Abwesenheit, als er sich noch als Asylsuchender in Spanien aufhielt. In drei anderen Verfahren wurden am 4. September 2022 die Schuldsprüche wegen «Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung» und «Veröffentlichung von Falschnachrichten, die die nationale Einheit untergraben» bestätigt, und Mohamed Benhlima wurde zu insgesamt zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Am 19. Juni sagte er vor dem Gericht in Kolea aus, dass er nach seiner Abschiebung nach Algerien am 24. März 2022 tagelang von Angehörigen des militärischen Sicherheitsdienstes im Geheimdienstzentrum S'hawla in Algier gefoltert und misshandelt worden sei. Unter anderem soll er nackt ausgezogen und mit eiskaltem Wasser übergossen worden sein. Die algerischen Behörden haben öffentlich keine Nachweise einer offiziellen Untersuchung der von Mohamed Benhlima vorgebrachten Vorwürfe der Folter und Misshandlung vorgelegt. Eine solche Untersuchung war aber von seiner Familie am 25. Juni in einem Schreiben an die algerischen Behörden gefordert worden.

Ich fordere Sie eindringlich auf, die sofortige Freilassung von Mohamed Benhlima zu veranlassen und das gegen ihn verhängte Todesurteil aufzuheben. Bitte sorgen Sie dafür, dass sämtliche strafrechtliche Verfolgung eingestellt wird, da Mohamed Benhlima lediglich seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hat.

Bis zu seiner Freilassung bitte ich Sie nachdrücklich, seine Einzelhaft zu beenden sowie dafür zu sorgen, dass er unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen, und dass er vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird.

Gewähren Sie ihm weiterhin das Recht, regelmässig mit seiner Familie und seinen Anwält*innen zu kommunizieren, und unterlassen Sie bitte jegliche Form der Einschüchterung gegen die Familie.

Hochachtungsvoll,

 

Appelle an

Präsident
Abdelmadjid Tebboune
Présidence de la République
Place Mohammed Seddik Benyahia
El Mouradia
Alger, 16000
ALGERIEN

Fax: (00 213) 02169 15 95
E-Mail: president@el-mouradia.dz

 

ZUSÄTZLICHE ADRESSEN

Spanish Minister of Interior
Fernando Grande Marlaska
Twitter handle: @interiorgob


Algerian National Human Rights Council (CNDH)
Avenue Franklin Roosevelt - Palais du Peuple
Alger
Algérie
Email: contact@cndh.org.dz


Algerian Ministry of Justice
8 Bir Hakim Al-Abyar
16003 Algeria


Kopien an

Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Algerien
Willadingweg 74
3006 Bern

Fax: 031 350 10 59
E-Mail: ambalg.berne@bluewin.ch

 

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Bitte prüfen Sie vorher auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie, für die Zustellung Ihres Appells andere Kommunikationskanäle zu nutzen (E-Mail, Fax oder soziale Medien) und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.


mögliche Antwort auf ihren Appellbrief

Es ist möglich, dass Sie ein Antwortschreiben auf Ihren Appellbrief erhalten. Sie müssen nicht selber auf diese Schreiben antworten, aber wir sind dankbar, wenn sie uns dieses Antwortschreiben zukommen lassen. Idealerweise gescannt per E-mail an ua@amnesty.ch. Wir leiten die Antwortschreiben jeweils an das zuständige Research-Team (via das Internationale Sekretariat von Amnesty) weiter. Die Kolleg*innen analysieren den Inhalt und entscheiden über das weitere Vorgehen, das allenfalls in einer Further information zum tragen kommt.

Wir befürchten im Übrigen keinerlei Konsequenzen für UA-Aktivist*innen in der Schweiz.
Es ist jedoch duchaus sinnvoll, sich zu überlegen, eventuell keinen Brief zu schreiben, falls Sie in das Land einreisen möchten (oder dort Familie haben). Dies betrifft vor allem «problematische» und repressive Länder. (Russland, Türkei, China, ...)

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SUGGESTED TWEETS

#Algeria: keeps Mohamed Benhlima, former military officer, turned anti-corruption activist and whistle-blower, in solitary confinement. Whistleblower activist’s conviction upheld

#Algeria: has so far failed to reveal, publicly, proof that claims of torture and other ill-treatment made by Benhlima, have been promptly and thoroughly investigated. Whistleblower activist’s conviction upheld

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Target the Twitter account of the President

@TebbouneAmadjid

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https://www.facebook.com/TebbouneAbdelmadjid/

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