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Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2021 06 Lack of a second dose endangers over 1.4 million
UA 071/21
Nepal / Grossbritannien →
Abgeschlossen am 28. Juli 2021

Impfstoffmangel gefährdet Leben von 1,4 Millionen Menschen

AI-Index: ASA 31/4301/2021

In Nepal haben mindestens 1,4 Millionen Menschen aus Risikogruppen zwischen dem 7. und 15. März 2021 die erste Dosis des Oxford/AstraZeneca-Impfstoffs gegen Covid-19 erhalten. Um eine vollständige Immunisierung zu erreichen, müssen diese Personen bis spätestens 5. Juli ihre zweite Dosis erhalten. Allerdings verfügt Nepal nicht über die ausreichende Menge an Impfstoff. Bisher gelten dort erst 2,4% der Bevölkerung als vollständig geimpft und das Land leidet unter einer zweiten tödlichen Welle, während es weiterhin auf die zugesagten Impfstofflieferungen wartet. Die internationale Gemeinschaft und insbesondere reichere Länder mit grossen Impfvorräten, wie Grossbritannien, müssen dringend die nötige Anzahl an Dosen an Nepal abgeben, damit die 1,4 Mio. Erstgeimpften vollständig immunisiert und ihre Rechte auf Gesundheit und Leben gewährleistet werden können.

In Nepal haben mindestens 1,4 Millionen Menschen zwischen dem 7. und 15. März die erste Dosis des Oxford/AstraZeneca-Impfstoffs erhalten. Die meisten von ihnen sind älter als 65 Jahre und gehören Risikogruppen an. Ursprünglich sollten sie ihre zweite Impfung acht bis zwölf Wochen später erhalten. Allerdings stand nicht genügend Impfstoff zur Verfügung, um die Frist vom 6. Juni einzuhalten, weshalb die nepalesische Regierung den Zeitraum von zwölf auf 16 Wochen verlängerte. Dies bedeutet, dass die 1,4 Mio. Erstgeimpften ihre zweite Impfung zwischen dem 27. Juni und 5. Juli erhalten sollen.

Da nach wie vor akute Lieferengpässe bestehen, wird Nepal auch diese neue Impffrist ohne internationale Unterstützung nicht einhalten können. Amnesty sieht die Rechte auf Gesundheit und Leben dieser Menschen in Gefahr, da Nepal derzeit eine neue tödliche Welle des Virus erlebt.

Grossbritannien steht Nepal aufgrund gegenwärtiger und historischer Bindungen sehr nahe; es ist der grösste bilaterale Geldgeber an Nepal, und Tausende Menschen aus Nepal gehörten in der Vergangenheit den britischen Streitkräften an. Aus diesem Grund sollte Grossbritannien, das zudem aktuell die G7-Präsidentschaft innehat, umgehend die Möglichkeit einer Impflieferung an Nepal prüfen. Hunderttausende Menschen in Nepal haben ansonsten keinen Zugang zu einer zweiten Impfdosis, was ihre Gesundheit und ihr Leben gefährden könnte. Amnesty International begrüsst die Tatsache, dass Grossbritannien die Covax-Initiative bereits unterstützt hat. Es muss jedoch noch mehr getan werden, da zahlreiche Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, darunter auch Nepal, nicht über ausreichende Mengen an Impfstoff verfügen, während reichere Länder mehr Impfdosen eingekauft haben, als sie benötigen. Bisher wurden in Nepal erst 2,4% der Bevölkerung vollständig geimpft. In diesem Tempo wird es mindestens zehn Jahre dauern, bis dort 70% der Bevölkerung geimpft sind.

Nepal ist nur ein Land von vielen, in denen akute Impfstoffknappheit herrscht. Diese Situation kann langfristig nur gelöst werden, indem sichergestellt wird, dass geistige Eigentumsrechte keine Hürde für erhöhte globale Produktion durch eine grössere Anzahl von Herstellern sowie für eine faire Verteilung der Impfstoffe darstellen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der Amnesty-Bericht mit dem Titel Struggling to Breathe – The Second Wave of Covid-19 in Nepal dokumentiert die in Nepal seit April 2021 herrschende Gesundheitskrise, da das Gesundheitssystem mit der zweiten Covid-19-Welle überlastet ist. Die nepalesische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssen umgehend handeln, um das Gesundheitssystem am Kollaps zu hindern. Ähnlich wie in anderen südasiatischen Ländern herrscht auch in Nepal akute Impfstoffknappheit. Weniger als 3% der Bevölkerung haben bisher zwei Impfdosen erhalten, während die Impfabdeckung in anderen Ländern sehr hoch ist und diese daher potenziell den so dringend benötigten Impfstoff spenden könnten. Beispielsweise sind im Vereinigten Königreich (Grossbritannien und Nordirland) 60% und in den USA 53% der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Die globale Initiative Covax, die den Zugang zu Impfdosen für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sicherstellen soll, erfüllt diese Aufgabe bisher nur unzureichend.
Zahlreiche Menschen sind gestorben, weil sie keinen Zugang zu medizinischem Sauerstoff hatten oder weil die überfüllten und unterbesetzten Krankenhäuser sie nicht aufnehmen konnten. Laut offiziellen Regierungsangaben sind in Nepal mit Stand vom 16. Juni 8.558 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben. Gesundheitsexpert*innen sind jedoch der Ansicht, dass die tatsächliche Zahl höher liegt. Das US-amerikanische Forschungsinstitut Institute for Health Metrics and Evaluation prognostiziert bis 1. September 2021 insgesamt 34.887 Todesfälle.
Die internationale Gemeinschaft muss ihrer Verpflichtung zur Gewährleistung internationaler Zusammenarbeit gerecht werden und globale Mechanismen wie Covax angemessen unterstützen, damit alle Länder, einschliesslich ärmerer Länder wie Nepal, Zugang zu ausreichenden Impfstoffvorräten haben, um ihre gesamte Bevölkerung zeitnah zu immunisieren. Staaten müssen weltweit zusammenarbeiten und potenzielle Barrieren abbauen, damit sichergestellt wird, dass Impfstoffe entwickelt, in ausreichenden Mengen hergestellt und zügig und gerecht über den Globus verteilt werden.
Staaten müssen dafür sorgen, dass geistige Eigentumsrechte dem Recht auf Gesundheit nicht im Weg stehen. Dies bedeutet unter anderem, einen bei der Welthandelsorganisation (WHO) eingereichten Antrag auf Aussetzung bestimmter Vorgaben des TRIPS-Abkommens zu befürworten, den gemeinsamen Technologie-Pool der WHO (Covid-19 Technology Access Pool – C-TAP) zu unterstützen und Bedingungen für staatliche Zuwendungen zu erlassen, damit Pharmaunternehmen ihr technisches Wissen an andere Hersteller weitergeben. Darüber hinaus müssen Staaten ihre Gesetze, Massnahmen und Praktiken über geistiges Eigentum prüfen und gegebenenfalls abändern, damit diese dem weltweiten Zugang zu Produkten, die gegen Covid-19 schützen, nicht im Weg stehen.

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