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Startseite Urgent Actions 2021 06 Justice for indigenous children
UA 070/21
Kanada
Abgeschlossen am 26. Juli 2021

Gerechtigkeit für indigene Kinder

AI-Index: AMR 20/4279/2021

Am 27. Mai wurden auf dem Gelände eines ehemaligen Internats in Kamloops (Provinz British Columbia) die menschlichen Überreste von 215 indigenen Kindern gefunden. Auch auf dem Gelände des früheren Internats von Brandon (Provinz Manitoba) wurden sterbliche Überreste von Kindern gefunden. Es wird mit weiteren Funden auf dem Gelände von Internatsschulen in ganz Kanada gerechnet. Die kanadische Regierung muss umgehend die Umstände klären lassen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die indigenen Bevölkerungsgruppen Kanadas vor weiteren Diskriminierungen schützen.

Am 27. Mai 2021 wurden auf dem Gelände eines ehemaligen Internats in der Nähe der Stadt Kamloops in British Columbia die sterblichen Überreste von 215 indigenen Kindern gefunden. Das Internat liegt in einem Territorium der First Nations (indigene Bevölkerung Nordamerikas) und wurde von Kindern der Tk’emlups te Secwépemc besucht. Sie und viele weitere indigene Kinder wurden bis 1996 von ihren Eltern getrennt und in Internaten untergebracht, um sie von ihrer Herkunftskultur und -sprache abzuschneiden. Die Internate waren Teil einer Kolonialpolitik, die die Ausrottung indigener Kulturen, Sprachen und Gemeinschaften zum Ziel hatte. Die letzte dieser Schulen schloss 1996, doch die Traumata der Betroffenen und die damit verbundenen Einschränkungen überdauern Generationen, und diskriminierende Praktiken bestehen bis heute. Amnesty International vertritt die Ansicht, dass es Unrecht war, die Kinder von ihren Eltern zu trennen. Die kanadische Regierung trägt Verantwortung für die diskriminierende Kolonialpolitik und Praktiken wie solche Internate. Sie muss diesen Teil der kanadischen Geschichte aufarbeiten und für die Menschenrechtsverletzungen an indigenen Bevölkerungsgruppen Verantwortung übernehmen.

Angehörige der First Nations in Kanada müssen Gerechtigkeit erfahren. Entsprechende Forderungen haben sie im Spirit Bear Plan aufgestellt. Um Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit sicherzustellen – nicht nur für die 215 Kinder, deren sterbliche Überreste auf dem Gelände des Internats für indigene Kinder in Kamloops begraben wurden, sondern für alle First Nations, Métis (europäisch-indigener Herkunft) und Inuit – muss Kanada umgehend konkrete Massnahmen ergreifen. Nähere Informationen zum Spirit Bear Plan der Organisation Family Caring Society of Canada finden Sie hier und zu den 94 Forderungen der Wahrheits- und Versöhnungskommission hier.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Aufgrund diskriminierender kolonialer Politik sind Métis-, Inuit- und First-Nation-Kinder weiterhin überproportional im Kinderfürsorgesystem vertreten. Für die Gesundheitsversorgung und Bildung von Kindern der First Nations, die in Reservaten leben, wird in Kanada weniger Geld bereitgestellt, als für andere Kinder im Land. Indigene Frauen, Mädchen und Two-Spirit-Personen erleben extrem viel Gewalt. Inuit, Métis und First Nations erfahren ebenfalls oft rassistische Diskriminierung, wenn sie mit Vertreter_innen staatlicher Institutionen wie der Polizei oder dem Gesundheitswesen zu tun haben. Die kanadische Regierung stimmt häufig Industrieprojekten auf indigenen Territorien zu, ohne die freiwillige, vorherige und informierte Zustimmung der Betroffenen einzuholen oder indigene Gesetze und wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen.
Die Berichte der Royal Commission on Aboriginal Peoples von 1996, der Wahrheits- und Versöhnungskommission von 2015, die Staatliche Untersuchung zu vermissten und ermordeten indigenen Frauen und Mädchen von 2019 sowie zahlreiche Überprüfungen der UN und anderer internationaler Menschenrechtsgremien dokumentieren das Ausmass der Menschenrechtsverletzungen an den indigenen Bevölkerungsgruppen in Kanada. Ausserdem enthalten sie Tausende Empfehlungen, um Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit für die indigene Bevölkerung sicherzustellen.
Obwohl die Menschenrechtsverletzungen bekannt sind und die Empfehlungen für Veränderungen den Weg nach vorne klar aufzeigen, widersetzt sich Kanada weiterhin echter Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit. Die Gesetzesvorlage C-15 zur Umsetzung der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker ist noch nicht verabschiedet worden. Der Staat Kanada prozessiert weiterhin gegen Kinder der First Nations, die in Reservaten leben, und verweigert ihnen die gleichen Mittel für grundlegende Dienstleistungen wie anderen Kindern im Land. Kanada kämpft in Gerichten immer noch gegen Überlebende der Internate und Tagesschulen und widersetzt sich weiterhin den Forderungen indigener Bevölkerungsgruppen, ihr Recht auf Selbstbestimmung zu achten und den Grundsatz der freiwilligen, vorherigen und informierten Zustimmung bei der industriellen Erschliessung ihrer Territorien anzuwenden.
Für weitere Informationen siehe auch: Statement Lowering flags is not enough, 31. Mai 2021, und Blogtext Indigenous Children Deserve Justice and Accountability, 3. Juni 2021 von Amnesty International Kanada.

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