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Startseite Urgent Actions 2021 05 Imminent execution based on faulty theory
UA 053/21
USA (Texas)
Abgeschlossen am 19. Mai 2021

Drohende Hinrichtung stoppen!

AI-Index: AMR/51/4109/2021

Quintin Jones soll am 19. Mai hingerichtet werden. Er war für schuldig befunden worden, 1999 seine 83 jährigen Grosstante ermordet zu haben und wurde 2001 zum Tode verurteilt. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt. Den Geschworen war zur Festsetzung des Strafmasses eine Fehleinschätzung der Gefährlichkeitsprognose von Quintin Jones präsentiert worden, welche ausschlaggebend für sein Todesurteil war. Sein erster Rechtsbeistand legte nach dem Schuldspruch die erforderlichen Anträge zu spät vor, sodass eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich war. Angehörige des Mordopfers unterstützen ein Gnadengesuch.

Am 19. Mai 2021 soll Quintin Jones wegen des 1999 begangenen Mordes an seiner Grosstante hingerichtet werden. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt. In der Phase des Gerichtsverfahrens, in dem über das Strafmass befunden wurde, stützten die Geschworenen ihre Entscheidung für die Todesstrafe hauptsächlich auf die Aussagen eines vom Gericht beauftragten Arztes. Der Arzt stufte den Angeklagten als Psychopathen und als eine dauerhafte Bedrohung ein, sodass er sich für ein Todesurteil aussprach. Die Aussagen des Arztes basierten auf einem psychologischen Gutachten, das sich für die Einschätzung einer Gefährlichkeitsprognose als unzuverlässig und irreführend erwies. Darüber hinaus zeigt die wissenschaftliche Forschung, dass die Entwicklung des Gehirns und die psychologische und emotionale Reifung bis in die zwanziger Jahre weitergehen. Sein erster Rechtsbeistand legte nach dem Schuldspruch die erforderlichen Anträge zu spät vor, sodass eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich war. Die Schwester und der Grossneffe des Mordopfers baten vor dem Begnadigungsausschuss um eine Begnadigung und sprachen sich gegen die Hinrichtung von Quintin Jones aus. Er habe sich zu einer reumütigen und empathischen Person entwickelt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Quintin Phillippe Jones war 2001 des Mordes an seiner 83-jährigen Grosstante, Berthena Bryant, in Tarrant County im US-Bundesstaat Texas für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden. Der damals 20 Jährige hatte versucht, seine Grosstante auszurauben, weil sie sich geweigert hatte, ihm erneut Geld zu leihen, um ihm weiterhin seinen Drogenkonsum zu finanzieren.
In der Strafzumessungsphase des Prozesses stützte man sich hauptsächlich auf die Aussagen eines Psychologen, der bei Quintin Jones eine Psychopathie diagnostizierte und daraus eine Gefährlichkeitsprognose ableitete. Seine Diagnose basierte auf der Hare Psycopathy Checklist Revised (PCL-R). Diese Checkliste umfasst 20 Merkmale zur Diagnose einer Psychopathie und wurde von PsychologInnen verwendet, um eine psychopathische Veranlagung zu bewerten. In den nachfolgenden Jahren des Gerichtsprozesses zeigte die wissenschaftliche Forschung jedoch, dass diese Checkliste unzuverlässig, irreführend und ihre Eignung zur Diagnose einer Psychopathie in Fällen von Kapitaldelikten wissenschaftlich nicht belegt sei. Unter anderem das Bezirksgericht von Massachusetts erkannte die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung an. Ausserdem zeigte die wissenschaftliche Forschung seither, dass das Gehirn bis Anfang/Mitte Zwanzig nicht völlig ausgereift sein wird. Daher seien Gefährlichkeitsprognosen zu diesem Zeitpunkt zu ungenau.
Da Quintin Jones erster Rechtsbeistand die erforderlichen Unterlagen für ein Rechtsmittelverfahren nicht fristgerecht einreichte, war eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich. Das Berufungsgericht von Texas (TCCA) wies Quintin Jones einen zweiten Rechtsbeistand zu und verlängerte die Einreichungsfrist der Unterlagen. Dennoch versäumte auch dieser Rechtsbeistand die fristgerechte Abgabe um mehr als einen Monat. Das Rechtsmittel war daraufhin vollständig vom Berufungsgericht abgelehnt worden.
Amnesty International wendet sich in allen Fällen ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN –(FORTSETZUNG AUF ENGLISCH)
In its 2005 ruling prohibiting the death penalty against anyone who was under 18 at the time of the crime, the U.S. Supreme Court in Roper v. Simmons recognized the immaturity, impulsiveness, and poor judgment associated with youth, as well as the susceptibility of young people to «outside pressures, including peer pressure». The Court also acknowledged that «the qualities that distinguish juveniles from adults do not disappear when an individual turns 18». Since then, scientific research has continued to show that brains do not fully mature until an individual reaches their early-to-mid-twenties, making it impossible to predict whether a barely 20-year-old will be dangerous in the future.
Ineffective assistance of counsel prevented the timely filing of appeals leading to a substantive review of issues related to his conviction. Quintin Jones’ first postconviction attorney failed to submit a state application by the deadline. The Texas Court of Criminal Appeals (TCCA) appointed a second attorney and extended the deadline to file the application. However, that attorney also failed to file a timely application, submitting the paperwork more than a month late. The application was ultimately denied by the TCCA, which deemed that the grounds should have been either brought up on direct appeal, were procedurally barred, or lacked sufficient evidence to support relief. The same attorney was appointed to handle the federal habeas application, over Quintin Jones’ objections and filed the federal petition nearly five months late. The State filed a motion to dismiss on the basis that the petition was untimely, which the federal court granted having received no reply from Quintin Jones’ attorney. The federal court appointed new attorneys for Quintin Jones. However, they were unable to secure meaningful appellate review of the case or funding for the investigation that the prior attorneys failed to perform.
Quintin Jones has accepted full responsibility for his crime and is filled with deep remorse. In fact, Berthena Bryant’s lone surviving sibling, also Quintin Jones’ great aunt, provided a declaration for Quintin’s appeal for clemency. She attests to his remorse and changed demeanour and pleads with the Texas Board of Pardons and Paroles to allow him to spend the rest of his life in prison. Quintin’s twin brother has provided a similar declaration, spelling out their troubled childhood, attesting to Quintin’s transformation in prison and pleading for clemency to prevent further revictimization of the family by executing his brother.

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