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Startseite Urgent Actions 2021 03 Activist detained for reporting torture
UA 031/21
China
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25.3.2021

The procuratorate has officially approved the charge against Li Qiaochu as «inciting subversion of state power», and her case is still under investigation.

Currently, Li Qiaochu is reportedly being held at Linyi People’s Hospital.

We encourage you to continue taking action and raise awareness of Li Qiaochu’s case. We will update Li’s UA should there be a major development in relation to her situation and case.

In the meantime, please amplify this case on your social media to help ensure that Li Qiaochu has a fair trial as well as unrestricted access to medical care and to remind the authorities that the world is watching what happens next!


Aktivistin nach Foltervorwürfen inhaftiert

AI-Index: ASA 17/3784/2021

Die Menschenrechtlerin Li Qiaochu wurde am 6. Februar von der Polizei abgeführt. Laut einer ihren Eltern vorgelegten Haftbenachrichtigung muss sie sich möglicherweise wegen Vorwürfen verantworten, die mit Umsturz zusammenhängen. Es ist zu befürchten, dass Li Qiaochu nur deshalb inhaftiert wurde, weil sie auf Folter und andere Misshandlungen im Gefängnis von Linshu County aufmerksam gemacht hat. Sie befindet sich seit einem Monat ohne Kontakt zur Aussenwelt in Haft und ist somit in Gefahr, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt zu werden.

Die Menschenrechtsverteidigerin Li Qiaochu wird seit ihrer Festnahme am 6. Februar ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten. Ihre Eltern mussten auf einer Polizeiwache in Peking eine Haftbenachrichtigung unterzeichnen, aus der hervorgeht, dass gegen Li Qiaochu möglicherweise Anklagen erhoben werden, die mit dem Vorwurf des «Umsturzes» zusammenhängen. Grundlage dieser Vorwürfe ist ihr friedlicher Aktivismus.

Am 6. Februar, kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest, postete Li Qiaochu zwei Twitternachrichten, in denen sie preisgab, dass sie Anzeige wegen Misshandlung und schlechter Haftbedingungen im Gefängnis von Linshu County erstattet hatte. Kurz darauf erhielt sie einen Anruf von der Pekinger Polizei, in dem sie aufgefordert wurde, für eine «kurze Unterhaltung» aus ihrer Wohnung zu kommen, woraufhin man sie kurzerhand festnahm und in die Stadt Linyi brachte. Li Qiaochu befindet sich dort in einem Krankenhaus in Quarantäne. Man geht davon aus, dass sie nach der Quarantänezeit in die städtische Hafteinrichtung von Linyi verlegt wird.

Die Menschenrechtsverteidigerin wurde unter Verstoss gegen verfahrensrechtliche Garantien festgenommen und hat seither keinen Zugang zu ihrem Rechtsbeistand oder ihrer Familie. Am 19. Februar lehnte das Amt für Öffentliche Sicherheit in Linyi den Antrag ihres Rechtsbeistands auf einen Besuch bei seiner Mandantin ab. Es ist unklar, ob sie regelmässigen und uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung erhält. Li Qiaochu leidet seit Juni 2019 an Depressionen und Amnesty International fürchtet um ihre psychische und körperliche Gesundheit, wenn sie nicht angemessen versorgt wird.

Li Qiaochu ist eine anerkannte Akademikerin, die zu Arbeitsrechten forscht und sich seit vielen Jahren friedlich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzt. Amnesty International betrachtet mit Sorge, dass lediglich auf-grund ihrer Menschenrechtsarbeit solch schwerwiegende Vorwürfe gegen sie erhoben werden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Li Qiaochu beschäftigt sich seit Langem mit Fragestellungen rund um die rechtliche Gleichstellung von ArbeiterInnen, Frauen und anderen benachteiligten Gruppen der chinesischen Gesellschaft. Ihr Forschungsgebiet um-fasst Themen wie politische Massnahmen zur sozialen Absicherung von ArbeiterInnen im Ruhestand. Als die Pekinger Behörden 2017 zahlreiche Unterkünfte von WanderarbeiterInnen – die sie als «Bevölkerung mit niedrigem Einkommen» bezeichnete – zwangsräumte und die Menschen vertrieb, arbeitete Li Qiaochu mit Freiwilligen, um In-formationen über die am schwersten betroffenen Gruppen zusammenzustellen und zu verbreiten. So wollte sie die Vertriebenen darin unterstützen, neue Jobs und bezahlbare alternative Unterkünfte zu finden. Li Qiaochu beteiligte sich zudem aktiv an mehreren #MeToo-Aktionen in China. Sie erhob Daten, schrieb Berichte und veröffentlichte Online-Posts zur Unterstützung der Bewegung.
Im Juni 2019 wurden bei Li Qiaochu Depressionen diagnostiziert und sie musste regelmässig Medikamente ein-nehmen. Dennoch setzte sie ihr Engagement fort. Als Covid-19 ausbrach, leistete sie online und offline ehren-amtliche Präventionsarbeit. Sie verteilte Schutzmasken an medizinisches Personal und leitete schwangere Frauen aus den betroffenen Gemeinden zur Selbsthilfe an. Als sie die fehlende geschlechtsspezifische Perspektive ins-besondere bei der Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt in einigen Krankenhäusern beobachtete, begann sie mit weiteren Freiwilligen umgehend die Ausarbeitung von Empfehlungen.
Li Qiaochu ist wegen ihres Aktivismus‘ schon häufig von der Polizei schikaniert worden. Anfang Dezember 2019 wurden BeamtInnen der Behörde für Öffentliche Sicherheit vor ihrem Haus postiert, die sie auf dem Weg zu und von der Arbeit überwachten. Dies stellte einen schwerwiegenden Eingriff in ihre Rechte auf Privatsphäre und Freizügigkeit dar.
Am 31. Dezember 2019 wurde Li Qiaochu von der Polizei vorgeladen und 24 Stunden lang ohne medizinische Versorgung im Pekinger Amt für Öffentliche Sicherheit festgehalten. Da Li Qiaochu fast nur zu ihrem Partner Xu Zhiyong befragt wurde, entschloss sie sich, online über ihre Behandlung durch die Polizei zu berichten. Zudem forderte sie mehr öffentliche Aufmerksamkeit für Betroffene, die im Zusammenhang mit einem Treffen in Xiamen inhaftiert wurden, an dem Xu Zhiyong sowie Dutzende weitere AnwältInnen und AktivistInnen teilgenommen hatten. Daraufhin wurde sie am 16. Februar 2020 festgenommen und «an einem dafür vorgesehenen Ort unter Überwachung gestellt», bevor sie am 19. Juni gegen Kaution freikam.
Seit dem 26. Dezember 2019 verhört und inhaftiert die Polizei im ganzen Land die TeilnehmerInnen eines informellen Treffens von Rechtsbeiständen und AktivistInnen in Xiamen im Dezember 2019. Unter anderem wurden der ehemalige Menschenrechtsanwalt Ding Jiaxi und der Rechtswissenschaftler Xu Zhiyong festgenommen. Auch sie müssen sich wegen Anklagen verantworten, die mit dem Vorwurf des «Umsturzes» zusammenhängen.

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