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UA 160/20
Paraguay
Aktiv seit 29. Oktober 2020 | Noch 26 Tage Laufzeit

Indigene Aktivistin angegriffen

AI-Index: AMR 45/3277/2020

Am 27. Oktober wurde Bernarda Pesoa, die Sprecherin einer indigenen Qom-Gemeinschaft, von ungefähr neun Personen auf ihrem Gemeindegebiet in Benjamín Aceval tätlich angegriffen. Sie hatte sich zuvor gegen eine Eukalyptus-Plantage auf dem Land der Gemeinschaft ausgesprochen. Die Projektleitung hatte ihr Vorhaben nicht ausreichend mit den indigenen Gemeinschaften konsultiert und nicht deren freie, vorherige und informierte Zustimmung eingeholt.

Eine Gruppe von ungefähr neun Frauen und Männern verübte am 27. Oktober einen Angriff auf Bernarda Pesoa, die Vertreterin einer indigenen Qom-Gemeinde. Dabei wurde sie im Gesicht und am Kopf verwundet.

Die AngreiferInnen sind laut Bernarda Pesoa BewohnerInnen einer Nachbargemeinde. Sie drohten damit, ihr Haus niederzubrennen und sie noch schwerwiegender zu verletzen. Verwandte der AngreiferInnen hatten mit einer privaten Stiftung ein Übereinkommen getroffen, das auch die Ländereien der Gemeinde von Bernarda Pesoa und andere Gemeinden betrifft: Die Stiftung wollte auf diesen Ländereien eine Eukalyptus-Plantage anlegen. Bernarda Pesoa und andere indigene SprecherInnen lehnen die Plantage aus umweltpolitischen und kulturellen Gründen ab und bemängeln, dass nicht alle betroffenen Gemeinden dem Projekt zugestimmt haben.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Bernarda Pesoa ist ein Mitglied der Organisation von KleinbäuerInnen und indigenen Frauen CONAMURI sowie einer Gruppe von traditionellen KunsthandwerkerInnen in ihrer Gemeinde Santa Rosa. Seit 28 Jahren setzt sie sich zusammen mit anderen Angehörigen der Qom-Bevölkerung für die Landrechte ihrer Gemeinschaft und die Umwelt ein. Laut Bernarda Pesoa waren die Qom ursprünglich WaldbewohnerInnen, die als JägerInnen und SammlerInnen ihre Existenz sicherten. Seit den 1970er-Jahren leben sie auf dem heutigen Gebiet, das als Gemeindeland ausgewiesen ist. Die Qom verdienen ihre Lebensgrundlage heute als HandwerkerInnen, die Produkte aus örtlichen Pflanzen fertigen oder als KleinbäuerInnen, die Nutztiere wie Ziegen, Schafe oder Hühner züchten. Ihre Ländereien sind in den vergangenen Jahren auf Interesse bei ViehzüchterInnen oder privaten Firmen gestossen, die für die lokalen Ökosysteme schädliche Projekte durchführen wollen.
Die private Stiftung Fundación Paraguaya plant die Anlage einer Eukalyptus-Plantage auf einer Fläche von ungefähr 20 Hektar auf dem Gemeinschaftsgebiet San Francisco Asis, wo auch die Gemeinde von Bernarda Pesoa liegt. Laut der Stiftung wurde mit zwei Gemeinde-SprecherInnen eine Vereinbarung getroffen. Die Gemeindeländereien des Gebiets San Francisco umfassen aber acht verschiedene indigene Gemeinschaften. In ihren Gemeindeabkommen ist festgeschrieben, dass Angelegenheiten, die das Land aller betreffen, mit jeder Gemeinde in einem Konsulationsprozess behandelt werden müssen. Verschiedene VertreterInnen der indigenen Gemeinschaften, darunter auch Bernarda Pesoa, prangerten an, dass auf dem Gebiet, wo die Eukalyptus-Plantage entstehen soll, Heilpflanzen sowie einheimische Bäume und Arten existieren, die sie für ihr Handwerk und ihre Lebensgrundlage benötigen. Sie betonten ausserdem den bedeutenden Verlust von Biodiversität, das Austrocknen des Bodens wegen der Erosion und die Auswirkungen auf den Wasserverbrauch, der mit der Einführung dieser Monokultur einhergehen würde. Alle diese Faktoren würden das einheimische Ökosystem nachhaltig beeinträchtigen. Laut der Fundación Paraguaya zielt das Projekt darauf ab, die Biomasse und das Holz der Eukalyptusbäume über die nächsten zehn Jahre zu verkaufen.
SprecherInnen der indigenen Gemeinschaften haben ihre Bedenken über die geplante Eukalyptus-Plantage geäussert. Sie reichten zudem Klage ein und besuchten eine Anhörung mit der Kommission zum Schutz von natürlichen Ressourcen des paraguayischen Senats (Comisión Nacional de Defensa de los Recursos Naturales, Conaderna). Ausserdem bestätigte das Paraguayische Institut für Indigene Angelegenheiten (INDI) am 28. Oktober, dass im Zusammenhang mit der von der Stiftung Fundación Paraguayana geplanten Eukalyptus-Plantage keine freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen Bevölkerungsgruppen eingeholt wurde. Paraguay ist Mitgliedsstaat des Übereinkommens 169 der Internationalen Arbeitsorganisation und hat die rechtsverbindlichen Verpflichtungen dieses Vertrags in die nationale Rechtsprechung integriert. In dem Übereinkommen ist festgeschrieben, dass bei Projekten, die indigene Bevölkerungsgruppen betreffen, eine angemessene Konsultation der Gemeinschaften stattfinden muss, um ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung zu gewährleisten – bevor jegliche Arbeiten begonnen werden.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 23. Dezember 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch.
  • INFO COVID-19 und weltweite Briefzustellung:
    Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich. Bitte prüfen Sie auf der Website der Schweizer Post in der Rubrik 'Verkehrseinschränkungen', ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle – E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden – für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Modellbrief

Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin

Mit grosser Sorge verfolge ich die Situation von Bernarda Pesoa. Eine Gruppe von ungefähr neun Frauen und Männern verübte am 27. Oktober einen Angriff auf die Vertreterin einer indigenen Qom-Gemeinde. Dabei wurde sie im Gesicht und am Kopf verwundet.

Verwandte der AngreiferInnen hatten mit einer privaten Stiftung ein Übereinkommen getroffen, das auch die Ländereien der Gemeinde von Bernarda Pesoa und andere Gemeinden betrifft: Die Stiftung wollte auf diesen Ländereien eine Eukalyptus-Plantage anlegen. Bernarda Pesoa und andere indigene SprecherInnen lehnen die Plantage aus umweltpolitischen und kulturellen Gründen ab.

Ich fordere Sie auf, umgehend eine unabhängige und umfassende Untersuchung des Angriffs gegen Bernarda Pesoa einzuleiten und sie und ihre Familie angemessen zu schützen.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

Generalstaatsanwältin
Dr. Sandra Raquel Quiñonez Astigarraga
Fiscal General de Paraguay
Chile esq. Avda. Ygatimi
Asunción
PARAGUAY

E-Mail: comunicaciones@ministeriopublico.gov.py
Twitter: @MinPublicoPy

Anrede: Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin /
Estimada Señora Fiscal General

 

 

Kopien an

Ambassade de la République du Paraguay
Kramgasse 58
Case Postale 523
3000 Berne 8

Fax: 031 312 34 32
E-mail: suizaembaparsc@mre.gov.py
11 Briefe verschickt  
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