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FI 152/20-1
Griechenland
Abgeschlossen am 19. November 2020

Flüchtlingsunterkunft PIKPA geschlossen

AI-Index: EUR 25/3366/2020

Die Schliessung der Flüchtlingsunterkunft PIKPA auf Lesbos erfolgte am Morgen des 30. Oktober. Unbegleitete Minderjährige wurden vor der Räumung auf das griechische Festland gebracht. Die Behörden brachten die 74 Menschen, die sich noch in der Unterkunft befanden, in das kleine, von der Gemeinde Lesbos geführte Camp Kara Tepe.

Die griechischen Behörden räumten am Morgen des 30. Oktober die Flüchtlingsunterkunft PIKPA. Die Schliessung war ursprünglich am 15. Oktober geplant, wurde aber nach weitläufiger nationaler und internationaler Mobilisierung verschoben. Die Behörden informierten die BewohnerInnen nicht rechtzeitig im Vorfeld über die geplante Räumung, und während der Aktion waren zahlreiche PolizistInnen vor Ort.

Seit 2012 hat die offene und selbstorganisierte Flüchtlingsunterkunft PIKPA Tausenden Flüchtlingen und Asylsuchenden auf der Insel Lesbos Unterkunft sowie andere Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt. PIKPA und andere Einrichtungen, wie das von der Gemeinde Lesbos geführte Camp Kara Tepe, bilden einen Kontrast zum «Modell Moria» und symbolisieren einen alternativen Ansatz für die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden: Sie zählen auf Gemeinschaftssinn und Solidarität und bieten ihren BewohnerInnen sichere, menschliche Bedingungen. Nach den verheerenden Bränden im Flüchtlingslager Moria wurden die dortigen BewohnerInnen in ein provisorisches Camp verlegt, das kürzlich auf Lesbos eingerichtet wurde. Dieses Lager ist jedoch nur eine vorübergehende Lösung, weil es weder angemessene Lebensbedingungen für alle BewohnerInnen noch die nötigen Sicherheitsmassnahmen für besonders gefährdete Menschen bietet.

Alle unbegleiteten Minderjährigen, die in der Unterkunft PIKPA lebten, wurden vor der Schliessung auf das griechische Festland gebracht. Amnesty International und andere NGOs übten weiterhin Druck auf die Behörden aus, um den Schutz und angemessene Lebensbedingungen für die verbleibenden 74 BewohnerInnen, darunter Erwachsene und Familien, sicherzustellen. Am Tag der Räumung wurden die Menschen in das kleine Camp Kara Tepe gebracht, wo die Bedingungen grundsätzlich besser sind als in dem neuen provisorischen Lager. Die Regierung kündigte jedoch an, dass bis Ende des Jahres auch Kara Tepe geschlossen werden soll – was die ehemaligen PIKPA-BewohnerInnen und die in Kara Tepe untergekommenen Menschen in eine Notlage bringen wird.

Die Zwangsräumung von PIKPA kommt zu einer Zeit, in der die Sorgen über die Bedingungen in dem neuen provisorischen Lager in Lesbos wachsen und in der NGOs in Griechenland mit zunehmenden Einschränkungen zu kämpfen haben.

Die MitarbeiterInnen und Freiwilligen von PIKPA sind dankbar für die Unterstützung und Mobilisierung von Amnesty International.

Zurzeit sind keine weiteren Aktionen des Eilaktionsnetzes erforderlich. Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben.