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Bahrain
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21.09.2020 Twitter post

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Minderjähriger inhaftiert und Familie schikaniert

AI-Index: MDE 11/3011/2020

Der Schüler Kameel Juma Hasan ist in Bahrain willkürlich inhaftiert worden, vermutlich als Vergeltungsmassnahme gegen ihn und seine Familie. Seine Mutter und er hatten sich zuvor geweigert, als Informanten zu arbeiten, und seine Mutter hatte sich in der internationalen Presse geäussert. Kameel Juma Hasan ist wegen seiner mutmasslichen Beteiligung an Oppositionsdemonstrationen in mehr als 20 Fällen angeklagt.

Der 17-jährige Kameel Juma Hasan befindet sich seit dem 31. Dezember 2019 willkürlich in Haft. Er wird derzeit im Trakt für jugendliche StraftäterInnen des Dry-Dock-Gefängnisses festgehalten. Wegen mutmasslicher Beteiligung an Demonstrationen gegen die Monarchie ist er in mehr als 20 Fällen angeklagt. Er scheint ins Visier geraten zu sein, nachdem seine Mutter Najah Yusuf Ahmed, die von 2017 bis 2019 inhaftiert war, sich öffentlich zu ihrer Misshandlung im Gewahrsam geäussert hatte.

Am 13. September 2020 wurde Kameel Juma Hasan in einem Gerichtsverfahren zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Es handelte sich um ein Sammelverfahren mit insgesamt 39 Angeklagten, alle von ihnen Schiiten. Diese Bevölkerungsgruppe wird durch die sunnitisch geführte Regierung im Strafjustizsystem diskriminiert. Berichten zufolge wurde Kameel Juma Hasan im Januar 2020 gezwungen, ein vorbereitetes «Geständnis» zu unterschreiben, nachdem man ihn im Verhör geschlagen und gezwungen hatte, über lange Zeiträume zu stehen.

Zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung war Kameel Juma Hasan 16 Jahre alt und damit gemäss Artikel 1 der UN-Kinderrechtskonvention rechtlich als minderjährig zu betrachten. Bahrain ist Vertragsstaat der Kinderrechtskonvention. Allerdings wird im bahrainischen Strafrecht seit 1976 jede Person, die über 15 Jahre alt ist, als Erwachsene_r behandelt. Dies wurde im abgeänderten Gesetz über Minderjährige von 2014 erneut bekräftigt (Verordnung Nr. 17 von 1976 über Minderjährige, Paragraf 1 und Verordnung Nr. 15 von 2014 zur Abänderung dieser Bestimmung). Personen unter 15 Jahren, denen die Beteiligung an Demonstrationen vorgeworfen wird, können zudem in verschiedenen Disziplinarverfahren bestraft werden, die keine Strafverfahren sind (Gesetz über Minderjährige, abgeändert durch Verordnung Nr. 23 von 2013, Paragrafen 2.8 und 6).

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Kameel Juma Hasan ist der Sohn von Najah Ahmed Yusuf, der mehr als zwei Jahre lang inhaftiert war, weil er regierungskritische Inhalte online gestellt haben soll. Am 23. April 2017 wurde der 14-jährige Kameel Juma Hasan gemeinsam mit seiner Mutter Najah Ahmed Yusuf zur Vernehmung vorgeladen. Ihm wurde «rechtswidrige Versammlung», «Rowdytum» und «Herstellung und Besitz von entzündlichen bzw. explosiven Gegenständen» (vermutlich Molotow-Cocktails) vorgeworfen. Während er im Vernehmungszentrum festgehalten wurde, verurteilte man ihn noch am selben Tag in einem Gerichtsverfahren, das bei Weitem nicht den internationalen Standards für faire Verfahren entsprach, zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung. Die Verhandlung fand in seiner Abwesenheit und ohne seinen Rechtsbeistand statt. Seine Familie erfuhr erst im Nachhinein von dem Verfahren und dem Schuldspruch.
Laut Angaben von Najah Ahmed Yusuf wurden sie und ihr Sohn während des Verhörs im Büro der Kriminalpolizei von Angehörigen des Geheimdienstes genötigt, als InformantInnen für die Regierung tätig zu werden und über Aktivitäten der Opposition in Marguban auf der Insel Sitra zu berichten. Die BeamtInnen drohten Kameel Juma Hasan mit Vergeltungsmassnahmen auf der Grundlage der gegen ihn erhobenen Strafanzeigen und sagten zu Najah Yusuf Ahmed, man werde Mitglieder ihrer Familie töten und es als Unfall darstellen, wenn die beiden nicht als InformantInnen tätig würden. Najah Ahmed Yusuf berichtete seit ihrer Festnahme regelmässig über körperliche Misshandlung und sexuelle Nötigung. Nachdem sie sich trotz tagelanger Vernehmung und Misshandlung weigerte, als Informantin zu arbeiten, nahm man sie in Untersuchungshaft, stellte sie vor Gericht und verurteilte sie wegen der Verbreitung von oppositionellen Inhalten im Internet. Seit ihrer Haftentlassung hat sie einigen britischen Medien wie dem independent und der BBC Interviews gegeben. Amnesty International hat bereits mehrmals über ihren Fall berichtet.
Gegen Ende 2017, nach der Inhaftierung seiner Mutter, wurde Kameel Juma Hasan erneut vorgeladen, diesmal auf der Grundlage von Anklagen, die mit seiner mutmasslichen Beteiligung an einer gewalttätigen Demonstration zusammenhingen. Angesichts seiner vorherigen Erfahrung reagierte er auf die Vorladung nicht. Am 26. November 2017 wurde Kameel Juma Hasan auf Grundlage der neu erhobenen Anklagen in Abwesenheit verurteilt. Das Gericht entschied, er habe gegen seine Bewährungsauflagen verstossen und ordnete an, ihn für den Rest seiner Bewährungszeit in einer Hafteinrichtung für Jugendliche zu inhaftieren. Kameel Juma Hasan stellte sich nicht freiwillig und wurde daher zur Fahndung ausgeschrieben. Im Frühling 2018 legte er noch seine Abschlussprüfungen für die Mittelstufe ab, bevor er untertauchte. Er konnte daher im September 2019 nicht in die Sekundarschule eintreten.
Kameel Juma Hasan wurde 2018 und 2019 regelmässig vorgeladen, beschuldigt und strafverfolgt. Sechs dieser Strafverfahren bezogen sich ausschliesslich auf Anklagen wegen «rechtswidriger Versammlung» und «Rowdytum», und mehr als ein Dutzend weitere bezogen sich auf die Beteiligung an Demonstrationen. Insgesamt ist er bereits mindestens 22 Mal wegen seiner mutmasslichen Beteiligung an Protestveranstaltungen strafrechtlich verfolgt worden. In einem Fall wurde er mit 38 weiteren Personen angeklagt, darunter 13 weitere Minderjährige. Amnesty International betrachtet dies als eine unangemessen hohe Zahl von Angeklagten für ein einziges Verfahren, da die strafrechtliche Verantwortlichkeit der einzelnen Angeklagten dadurch nur schwer zu bestimmen und somit das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren nicht gewährleistet ist. Allem Anschein nach handelt es sich bei allen Angeklagten um schiitische Muslime. Kameel Juma Hasan stammt von der Insel Sitra, deren Bevölkerung fast ausschliesslich aus SchiitInnen besteht, die von der sunnitischen Regierung mit Argwohn betrachtet werden. Vor Kurzem konfiszierten die Gefängnisbehörden religiöse Gegenstände von Kameel Juma Hasan und anderen schiitischen Insassen.
Gegen Ende 2019 waren so viele separate Anklagen gegen Kameel Juma Hasan erhoben worden, dass zeitweise am selben Tag mehrere Anhörungen in verschiedenen Fällen stattfanden. Angesichts zunehmender Schikanen gegen andere Familienangehörige beschloss Kameel Juma Hasan schliesslich, sich zu stellen, und erschien am 31. Dezember 2019 auf der Polizeiwache von Nabih Saleh. Daraufhin wurde er in eine andere Polizeieinrichtung verlegt und Berichten zufolge geschlagen und gezwungen, in schmerzhaften Positionen zu verharren. Mehrere Tage später wurde er unter Druck gesetzt, «Geständnisse» zu unterschreiben, die er nicht gelesen hatte. Die zahlreichen gegen ihn erhobenen Anklagen, der Kontext und die zeitliche Abfolge – Kameel Juma Hasan wurde immer stärker ins Visier genommen, als seine Mutter ihre Erfahrungen weiterhin öffentlich machte – legen den Schluss nahe, dass seine Strafverfolgung und Inhaftierung als Vergeltungsmassnahmen gegen seine Mutter gedacht sind.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 12. November 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch.
  • INFO COVID-19 und weltweite Briefzustellung:
    Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich. Bitte prüfen Sie auf der Website der Schweizer Post in der Rubrik 'Verkehrseinschränkungen', ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle – E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden – für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Justizminister

Mit grosser Besorgnis verfolge ich die Situation von Kameel Juma Hasan. Der 17-Jährige befindet sich seit dem 31. Dezember 2019 willkürlich in Haft. Er wird derzeit im Trakt für jugendliche StraftäterInnen des Dry-Dock-Gefängnisses festgehalten. Wegen mutmasslicher Beteiligung an Demonstrationen gegen die Monarchie ist er in mehr als 20 Fällen angeklagt. Er scheint ins Visier geraten zu sein, nachdem seine Mutter Najah Ahmed Yusuf, die von 2017 bis 2019 inhaftiert war, sich öffentlich zu ihrer Misshandlung im Gewahrsam geäussert hatte.

Am 13. September 2020 wurde Kameel Juma Hasan in einem Gerichtsverfahren zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Es handelte sich um ein Sammelverfahren mit insgesamt 39 Angeklagten, alle von ihnen Schiiten. Diese Bevölkerungsgruppe wird durch die sunnitisch geführte Regierung im Strafjustizsystem diskriminiert.

Zum Zeitpunkt seiner Inhaftierung war Kameel Juma Hasan 16 Jahre alt und damit gemäss Artikel 1 der UN-Kinderrechtskonvention rechtlich als minderjährig zu betrachten. Bahrain ist Vertragsstaat der Kinderrechtskonvention. Allerdings wird im bahrainischen Strafrecht seit 1976 jede Person, die über 15 Jahre alt ist, als Erwachsene_r behandelt.

Ich rufe Sie dazu auf, dafür zu sorgen, dass Kameel Juma Hasan umgehend freigelassen wird und alle Anklagen gegen ihn fallengelassen werden, die sich auf seine gewaltfreie Teilnahme an Demonstrationen beziehen. Sein Schuldspruch und das Urteil des unfairen Verfahrens vom 13. September müssen rückgängig gemacht werden und die Schikane gegen seine Familie muss aufhören.

Sorgen Sie bitte dafür, dass er bis zu seiner Freilassung vor Folter und anderweitiger Misshandlung geschützt ist und umgehend Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand erhält.

Leiten Sie eine unabhängige und zielführende Untersuchung der Folter- und Misshandlungsvorwürfe ein und stellen Sie sicher, dass durch Folter erlangte «Geständnisse» vor Gericht nicht als Beweismaterial zugelassen werden.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

Justizminister
Shaikh Khaled bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
82 Road No. 1702
Diplomatic Area
Manama
BAHRAIN

Fax: (00 973) 1753 0574
Twitter: @Khaled_Bin_Ali

Anrede: Sehr geehrter Herr Justizminister / Dear Sir

 

 

Kopien an

Ambassade du Royaume de Bahreïn
Place des Etats-Unis 3bis
F-75116 Paris
France

Fax: 00331 / 47 20 55 75
E-mail: ambassade@ambahrein-france.com
// paris.mission@mofa.gov.bh
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