Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2020 08 Water defenders at risk of detention Water defenders continue in jail
FI 133/20-2
Honduras
Aktiv seit 12. Mai 2021 | Noch 16 Tage Laufzeit

Umweltschützer weiter in Haft

AI-Index: AMR 37/4108/2021

Acht Mitglieder der Umweltorganisation Comité Municipal para la Defensa de Bienes Comunes y Públicos befinden sich seit mehr als 19 Monaten in Haft. Sieben inhaftierte Mitglieder teilen sich dieselbe Zelle im Gefängnis der Stadt Olanchito. Ein weiterer Umweltschützer wird in der Haftanstalt von La Ceiba festgehalten. Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen bewertet ihre Haft als willkürlich und fordert ihre sofortige Freilassung. Die Behörden sollten die Inhaftierung der acht Umweltschützer überprüfen und alle nötigen Massnahmen ergreifen, um sie umgehend freizulassen.

José Daniel Márquez Márquez, Kelvin Alejandro Romero Martínez, José Abelino Cedillo, Porfirio Sorto Cedillo, Orbín Nahúm Hernández, Arnold Javier Alemán, Ewer Alexander Cedillo Cruz und Jeremías Martínez Díaz, acht Mitglieder der Umweltschutzorganisation Comité Municipal por la Defensa de los Bienes Comunes y Públicos (CMDBCP), setzen sich für den Schutz des Flusses Guapinol im Norden von Honduras ein und sind seit mehr als 19 Monaten inhaftiert.

Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen bewertete die Inhaftierung der acht Umweltschützer am 9. Februar 2021 in einer Erklärung als willkürlich und forderte ihre sofortige Freilassung. Zuvor hatten UN-MenschenrechtsexpertInnen bereits allen Staaten empfohlen, Alternativen zu einer Inhaftierung zu erwägen, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu verringern, insbesondere bei Menschen in Untersuchungshaft und in Fällen, in denen die Inhaftierung einer rechtlichen Grundlage entbehrt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Umweltorganisation Comité Municipal por la Defensa de los Bienes Comunes y Públicos (CMDBCP) in Tocoa im Norden von Honduras vereint mehrere Organisationen, die Land- und Umweltrechte verteidigen. Die CMDBCP wehrt sich gegen die Betriebslizenz für die Bergbaugesellschaft Inversiones Los Pinares im Nationalpark Carlos Escalera in der Gemeinde Tocoa, der früher als Montaña de Botaderos bekannt war. Am 1. August 2018 richteten BewohnerInnen das Campo Guapinol ein, um friedlich gegen die Lizenz und den Bergbau im Herzstück eines geschützten Areals mit Wasser, das für ihr Überleben unerlässlich ist, zu protestieren. Sie reichten mehrere Strafanzeigen bei örtlichen Gerichten ein, die alle nach wie vor anhängig sind.
Mehrere Mitglieder der CMDBCP sehen sich seit 2018 mindestens zwei Strafverfahren gegenüber, weil sie die Flüsse Guapinol und San Pedro schützen. Im März 2019 wies ein_e RichterIn die Anklagen wegen «schwerer Brandstiftung» und «unrechtmässigen Freiheitsentzugs» gegen zwölf von ihnen ab. Doch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Am 13. August 2020 hob das Berufungsgericht des Departamento Francisco Morazán die Entscheidung des Gerichts vom März, die Anklagen fallenzulassen, für fünf dieser zwölf MenschenrechtsverteidigerInnen wieder auf. Ihnen drohen daher neue Verfahren und Untersuchungshaft.
Am 26. August 2019 inhaftierten die Behörden sieben weitere Umweltschützer: José Daniel Márquez Márquez, Kelvin Alejandro Romero Martínez, José Abelino Cedillo, Porfirio Sorto Cedillo, Orbín Nahúm Hernández, Arnold Javier Alemán und Ewer Alexander Cedillo Cruz. Eine Woche später, am 1. September, wurde Anklage gegen sie erhoben und ein Gericht ordnete Untersuchungshaft an. Nach mehr als zwei Monaten in einem Hochsicherheitsgefängnis wurden sie am 29. November 2019 in das Gefängnis von Olanchito verlegt. Dort befinden sie sich bis heute (siehe dazu auch Honduras: Authorities must guarantee due process for human rights defenders https://www.amnesty.org/fr/documents/amr37/9929/2019/en/). Ein weiterer Aktivist der CMDBCP, Jeremías Martínez Díaz, wird bereits seit dem 5. Dezember 2018 im Gefängnis von La Ceiba festgehalten. Bislang wurden mehrere Rechtsmittel gegen die Inhaftierung der acht Männer und Anträge auf richterliche Haftprüfung und alternative Lösungen aufgrund der Rechtswidrigkeit ihrer Inhaftierung und des Risikos einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht zu-gelassen oder sind noch nicht entschieden.
Nach einem Besuch der Haftanstalt von Olanchito am 16. April 2020, forderte der Nationale Ausschuss zur Verhütung von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (MNP-CONAPREV) eine Haftprüfung für die sieben Guapinol-Umweltschützer (siehe dazu auch Honduras: UmweltschützerInnen droht Inhaftierung https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/honduras-umweltschuetzerinnen-droht-haft-2020-08-26). In der Stellungnahme 85/2020, der 89. Sitzung vom 23. bis 27. November 2020, hatte die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen betont, dass es keine rechtliche Grundlage für die Untersuchungshaft im Fall der Umweltschützer José Daniel Márquez Márquez, Kelvin Alejandro Romero Martínez, José Abelino Cedillo, Porfirio Sorto Cedillo,Orbín Nahúm Hernández, Arnold Javier Alemán, Ewer Alexander Cedillo Cruz und Jeremías Martínez Díaz gäbe und wies vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie auf ihre Gefährdung in Haft hin. Die Arbeitsgruppe forderte die sofortige Freilassung und Entschädigung der acht Menschenrechtsverteidiger und die Aufnahme einer Untersuchung gegen die mutmasslich strafrechtlich Verantwortlichen dieser rechtswidrigen Inhaftierungen. Am 12. März 2021 bestätigten örtliche Organisationen, dass José Daniel Márquez Márquez positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Er wurde von den anderen Inhaftierten getrennt, ist inzwischen jedoch zurück im Gefängnis von Olanchito.
Überfüllte Gefängnisse sind in Honduras seit vielen Jahren ein Problem. Laut einem Bericht des MNP-CONAPREV von 2020 überschreitet die Anzahl der Inhaftierten die Gefängniskapazität um 166 %. Nur bei 45 % der Häftlinge liege ein endgültiges Urteil vor. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission drückt regelmässig Besorgnis über die Haftbedingungen in Honduras aus, da sie ein Risiko für das Leben und die Unversehrtheit der Menschen darstellen, die ihrer Freiheit beraubt sind. Die Mängel umfassen schlechte Infrastruktur, mangelnde Hygiene, zu wenige sanitäre Anlagen und ordentliche Schlafplätze, mangelnde medizinische Betreuung, unzureichende Nahrungsmittel mit zu schlechtem Nährwert sowie unsauberes Wasser und unzureichender Zugang dazu. Im September 2020 bestätigten die honduranischen Gefängnisbehörden, dass insgesamt 1.749 Gefangene positiv auf Covid-19 getestet wurden. 2021 wurden bisher 108 weitere Fälle gemeldet. In den vergangenen fünf Jahren hat Amnesty International immer wieder auf die zahlreichen Tötungen und Angriffe gegen AktivistInnen in Honduras hingewiesen. Das Land ist eines der gefährlichsten Länder weltweit für MenschenrechtsverteidigerInnen.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.

  • Bitte schreiben Sie vor dem 6. Juli 2021.
  • Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt

José Daniel Márquez Márquez, Kelvin Alejandro Romero Martínez, José Abelino Cedillo, Porfirio Sorto Cedillo, Orbín Nahúm Hernández, Arnold Javier Alemán, Ewer Alexander Cedillo Cruz und Jeremías Martínez Díaz, acht Mitglieder der Umweltschutzorganisation Comité Municipal por la Defensa de los Bienes Comunes y Públicos (CMDBCP), setzen sich für den Schutz des Flusses Guapinol im Norden von Honduras ein und sind seit mehr als 19 Monaten inhaftiert.

Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen bewertete die Inhaftierung der acht Umweltschützer am 9. Februar 2021 in einer Erklärung als willkürlich und forderte ihre sofortige Freilassung. Zuvor hatten UN-MenschenrechtsexpertInnen bereits allen Staaten empfohlen, Alternativen zu einer Inhaftierung zu erwägen, um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu verringern, insbesondere bei Menschen in Untersuchungshaft und in Fällen, in denen die Inhaftierung einer rechtlichen Grundlage entbehrt.

Bitte überprüfen Sie unverzüglich die Rechtmässigkeit der Inhaftierung der acht Menschen-rechtsverteidiger, die sich bereits seit über 19 Monaten in Haft befinden.

Ergreifen Sie bitte alle notwendigen Massnahmen, um sie in Einklang mit den Empfehlungen der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen, umgehend freizulassen und sie ihre Rechte auf Leben, Gesundheit, Freiheit, freie Meinungsäusserung sowie das Recht, ihre Menschenrechte zu verteidigen, wahrnehmen zu lassen.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

Generalstaatsanwalt
Sr. Oscar Fernando Chinchilla
Fiscal General de la República
Edificio Lomas Plaza II
Col. Lomas del Guijarro
Tegucigalpa
HONDURAS

E-Mail: fiscaliageneralhnd@gmail.com
Twitter: @MP_Honduras / @ofchb

Anrede: Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt /
Dear Attorney General

 

→ Weltweite Briefzustellung - Allgemeine Info:
Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich.
Bitte prüfen Sie auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie, für die Zustellung Ihres Appells andere Kommunikationskanäle zu nutzen (E-Mail, Fax oder soziale Medien) und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Kopien an

Ambassade de la République du Honduras
Avenue de France 23
1202 Genève

Fax: 022 / 710 07 66
E-mail: mission@hondurasginebra.ch

 

8 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 133/20-2 english
Microsoft Word Document, 32.5 kB
UA 133/20-2 français
Microsoft Word Document, 33.1 kB
UA 133/20-2 espagnol
Microsoft Word Document, 122.9 kB
UA 133/20-2 deutsch
Microsoft Word Document, 34.9 kB
Aktionsabfolge
Mehr zum Thema

Menschenrechtsverteidiger

Grundlegende Infos über die Menschenrechte und die verschiedenen internationalen Abkommen. Mehr