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Startseite Urgent Actions 2020 07 Disappeared during COVID-19 quarantine
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Argentinien
Aktiv seit 22. Juli 2020 | Noch 22 Tage Laufzeit

Verschwunden während des Covid-19-Lockdowns

AI-Index: AMR 13/2767/2020

Der 22-jährige Facundo Astudillo Castro ist seit dem 30. April verschwunden. Die Polizei nahm ihn in Mayor Buratovich, einem Ort in der Provinz Buenos Aires, fest, weil er gegen die landesweite Quarantäne verstossen hatte. Widersprüchliche Polizeiaussagen und andere Zeugenaussagen deuten auf eine Verantwortung der beteiligten PolizistInnen hin. Am 2. Juli reichte seine Familie eine Beschwerde bei den Bundesbehörden ein, damit dort Ermittlungen zum Verschwinden von Facundo Astudillo aufgenommen werden. Der 22-Jährige wird weiterhin vermisst.

Facundo Astudillo Castro verschwand am 30. April in der Provinz Buenos Aires. Drei ZeugInnen sahen, wie die Polizei ihn in dem Ort Mayor Buratovich festnahm, als er eine Mitfahrgelegenheit nach Bahia Blanca suchte. Die Polizei beschuldigte ihn, gegen die landesweit verhängte Quarantäne verstossen zu haben.

Facundo Astudillo ist seit über 80 Tagen verschwunden. Widersprüchliche Berichte der beteiligten PolizeibeamtInnen und andere Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass die Polizei an seinem Verschwinden beteiligt ist. Daraufhin hat der UN-Ausschuss über das Verschwindenlassen Argentinien aufgefordert, sein Verschwinden unverzüglich zu untersuchen (Res. 906/2020).

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Am 12. März 2020 erklärte Präsident Alberto Fernández anlässlich der Covid-19-Pandemie einen «Gesundheitsnotstand» gemäss Gesetz 27.541. Eine Woche später, am 19. März, ordnete er mit dem Notstandserlass Nr. 297/2020 einen Lockdown für alle BewohnerInnen Argentiniens an.
Die Massnahmen zur Beschränkung der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit (Abstandhalten und Lockdown) wurden strikt umgesetzt. Amnesty International hat über 20 Fälle von rechtswidriger Gewaltanwendung gegen Personen bestätigt, die gegen die von der Regierung verordneten Massnahmen zur Eindämmung von Covid-19 verstossen haben sollen.
Nachdem Facundo Astudillo verschwunden war, wurde ein Nachforschungsantrag im Büro des Bezirks Villarino gestellt. Nach zwei Monaten erfolgloser Ermittlungen und einigen Unregelmässigkeiten und widersprüchlichen Aussagen der Polizei, stellte die Familie zusammen mit den Anwälten Luciano Peretto Ithurralde und Leandro Aparicio Strafanzeige bei der Bundesbehörde, damit das Verschwindenlassen von ihr untersucht wird.
Vier Angehörige der Polizei der Provinz Buenos Aires stehen nach einer Reihe von Widersprüchen in ihren Aussagen unter Verdacht. Einer soll angegeben haben, dass Facundo Astudillo in einem Truck davonfuhr, nachdem er von den BeamtInnen kontrolliert worden war. Doch später änderte er seine Angaben und sagte, der 22-Jährige sei zu Fuss weggegangen. Drei ZeugInnen geben dagegen an, dass der junge Mann in ein Polizeifahrzeug gesetzt wurde.
Nach mehr als 80 Tagen haben mehrere Massnahmen, wie die Suche entlang der Nationalstrasse 3, Untersuchungen nach «möglichen Blutspuren» in zwei Polizeifahrzeugen sowie die Aufnahme von Zeugenaussagen, bislang nicht zum Auffinden von Facundo Astudillo geführt.
Am 6. Juli griff die autonome und unabhängige Provinzkommission zur Erinnerung (Comisión Provincial por la Memoria – CPM) in ihrer Funktion als lokale Stelle zur Verhütung von Folter ein und stellte vor dem UN-Ausschuss über das Verschwindenlassen einen Antrag auf eine Eilaktion. Sie begründete dies mit den widersprüchlichen Aussagen der PolizeibeamtInnen.
Am 10. Juli rief der UN-Ausschuss über das Verschwindenlassen Argentinien auf, eine «schlüssige Strategie» einzusetzen, um Facundo Astudillo zu finden und umgehend eine umfassende Untersuchung zu dem Verschwinden des 22-Jährigen, der zuletzt verhaftet an einem Polizeikontrollpunkt in der Provinz Buenos Aires gesehen wurde, bis zu Ende durchzuführen.
Das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen definiert das Verschwindenlassen als die «Festnahme, Inhaftierung, Entführung oder eine andere Form der Freiheitsberaubung durch staatliche Kräfte oder durch Personen oder Gruppen, die mit Genehmigung, Unterstützung oder dem Einverständnis des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, die Freiheitsberaubung anzuerkennen oder der Verheimlichung des Schicksals und Aufenthaltsortes der verschwundenen Person, was diese Person dem Schutz des Gesetzes entzieht». Argentinien hat dieses Übereinkommen 2007 ratifiziert (Gesetz 26.298).

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 1. September 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch.
  • Aufgrund der Corona-Krise ist die weltweite Briefzustellung weiterhin eingeschränkt. Da die Zustellbedingungen täglich ändern können, prüfen Sie bitte auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle – E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden – für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Minister

Mit grosser Sorge habe ich von dem langen Verschwinden von Facundo Astudillo erfahren.

Bitte ergreifen Sie umgehend alle notwendigen Massnahmen, um Facundo Astudillo Castro zu finden und eine unabhängige, wirksame und unparteiische Untersuchung der Vorfälle sicherzustellen. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen für das Verschwinden von Facundo Astudillo Castro vor Gericht.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

SICHERHEITSMINISTER DER PROVINZ BUENOS AIRES:
Sr. Sergio Berni
Ministro de Seguridad de la Provincia de Buenos Aires

E-Mail: umprivada@gmail.com ; privada.berni@mseg.gba.gov.ar
Twitter: @SergioBerniArg

Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister

 

 

Kopien an

Ambassade de la République Argentine
Jungfraustrasse 1
3005 Berne

Fax: 031 356 43 40
E-mail: esuiz@mrecic.gov.ar
7 Briefe verschickt  
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