Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2020 06 70-year-old Uyghur editor held incommunicado
UA 103/20
China
Abgeschlossen am 3. August 2020

70-jähriger Uigure in Haft ohne Kontakt zur Aussenwelt

AI-Index: ASA 17/2555/2020

Der pensionierte Chefredakteur Qurban Mamut ist seit November 2017 verschwunden. Seitdem hat er keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn gehabt. Qurban Mamut besuchte seinen Sohn im Februar 2017 in den USA. Sein Sohn glaubt, dass die Angehörigen im Ausland der Grund für die Inhaftierung seines Vaters sind. Im September 2018 erzählte jemand dem Sohn, dass Qurban Mamut in ein Umerziehungslager eingewiesen worden sei. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters und dem Ausbleiben von Informationen über seinen Zustand besteht grosse Sorge um Qurban Mamut.

Der in Urumqi lebende pensionierte Chefredakteur des uigurischsprachigen Magazins Xinjiang Civilization, Qurban Mamut, ist seit November 2017 verschwunden.

Im September 2018 erzählte jemand dem Sohn, dass Qurban Mamut in ein Umerziehungslager eingewiesen worden sei. Es ist besorgniserregend, dass der Sohn von Qurban Mamut seit über zweieinhalb Jahren nichts von seinem Vater gehört hat und ihn nicht sehen darf.

Qurban Mamut ist inzwischen 70 Jahre alt und Amnesty International ist angesichts der Situation in grosser Sorge um ihn.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Qurban Mamut ist ein Autor, Journalist und ehemaliger Chefredakteur des Xinjiang Civilization, einem staatlich kontrollierten uigurischsprachigen Magazin zur Förderung der uigurischen Kultur und Geschichte. Er arbeitete für Xinjiang Civilization seit 1985, bis er 2011 als Chefredakteur in Rente ging.
Qurban Mamuts Sohn, Bahram Sintash, ist US-amerikanischer Staatsbürger. Er lebt mit seiner Frau und seinem Kind in den USA und arbeitet für Radio Free Asia. Im Februar 2017 besuchte Qurban Mamut seinen Sohn in den USA. Sein Sohn vermutet, dass dies der Anlass für seine Inhaftierung sein könnte. Amnesty International hat viele Fälle dokumentiert, in denen Menschen in Xinjiang in Umerziehungslager geschickt wurden, nachdem sie ins Ausland gereist waren oder dort gelebt hatten oder weil sie Angehörige im Ausland hatten.
Bahram Sintash ist Digital Content Producer bei Radio Free Asia (RFA). Der uigurischsprachige Teil des Senders ist eine der wenigen Medienanstalten, die unabhängige Nachrichten über die Situation in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang verbreiten. Amnesty International hat dokumentiert, dass Familienmitglieder von RFA-JournalistInnen von den chinesischen Behörden ins Visier genommen und in Umerziehungslager eingewiesen wurden. So wurden beispielsweise etwa 20 Angehörige von Gulchehra Hoja zur Zielscheibe der Behörden und aufgrund ihrer journalistischen Arbeit für den uigurischen Bereich von RFA inhaftiert.
Xinjiang ist eine der ethnisch diversesten Gegenden Chinas. Mehr als die Hälfte der 22 Millionen starken Bevölkerung gehören zu überwiegend türkischen und meist muslimischen ethnischen Gruppierungen, darunter auch die UigurInnen (etwa 11,3 Millionen), KasachInnen (etwa 1,6 Millionen) und andere Bevölkerungsgruppen, deren Sprachen, Kultur und Lebensweise stark von der der Han-ChinesInnen abweichen, die die Mehrheit in China bilden.
Im März 2017 erliess die Autonome Region Xinjiang eine Verordnung zur «Entradikalisierung», die ein breites Spektrum an Handlungen beschreibt und diese als «extremistisch» verbietet. Dazu zählen unter anderem «Verbreitung von extremistischem Gedankengut», die Verunglimpfung von staatlichen Radio- oder Fernsehsendern und die Verweigerung, diese zu konsumieren sowie das Tragen von Burkas oder «ungewöhnlichen» Bärten. Darüber hinaus zählen Widerstand gegen nationale Politik sowie das Publizieren, Herunterladen, Aufbewahren und Lesen von Artikeln oder Publikationen und audiovisuellen Beiträgen mit «extremistischem Inhalt» zur Liste dieser «extremistischen» Handlungen. Aufgrund der Verordnung wurde zudem ein «Zuständigkeitssystem» eingerichtet, mit dem die «Antiextremismus-Arbeit» der Regierung in verschiedene Bereiche eingeteilt und jährlich überprüft wird.
Es werden schätzungsweise eine Million UigurInnen, KasachInnen und Angehörige anderer mehrheitlich muslimischer Bevölkerungsgruppen in sogenannten Einrichtungen für «Transformation durch Erziehung» festgehalten. Die chinesischen Behörden bestritten bis Oktober 2018 die Existenz dieser «Umerziehungseinrichtungen». Danach erklärten sie, die Menschen seien freiwillig in diesen Lagern und würden eine Berufsausbildung erhalten. Ziel dieser Einrichtungen sei es, den Menschen eine technische und berufliche Ausbildung zu bieten und ihnen zu ermöglichen, eine Arbeit zu finden und sich zu «nützlichen» BürgerInnen zu entwickeln. Im Widerspruch zu diesen Erläuterungen stehen allerdings die Berichte von ehemaligen InsassInnen dieser Lager, die Schläge, Nahrungsentzug und Isolationshaft beschreiben.
China ist bisher den Aufforderungen der internationalen Gemeinschaft und auch Amnesty International nicht nachgekommen, unabhängige ExpertInnen uneingeschränkt nach Xinjiang einreisen zu lassen. Stattdessen versucht die chinesische Regierung, kritische Stimmen zu unterdrücken, indem sie sorgfältig ausgewählte Delegationen aus verschiedenen Ländern zu streng durchgeplanten und überwachten Besuchen nach Xinjiang einlädt.

8 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 103/20 english
Microsoft Word Document, 32.6 kB
UA 103/20 deutsch
Microsoft Word Document, 32.7 kB
UA 103/20 français
Microsoft Word Document, 33.4 kB