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Startseite Urgent Actions 2020 06 Prisoner of conscience must be released Early release of Jehovah’s Witness reverted
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Russland
Aktiv seit 10. September 2020 | Noch 30 Tage Laufzeit

Vorzeitige Freilassung eines Zeugen Jehovas wieder rückgängig gemacht

AI-Index: EUR 46/3041/2020

Am 4. September machte ein Gericht in Kursk die Entscheidung des Bezirksgerichts von Lgow rückgängig, den Dänen Dennis Christensen freizulassen. Der in Russland lebende Angehörige der Zeugen Jehovas muss nun möglicherweise bis Mai 2022 in Haft bleiben. Sein Fall wurde zur Prüfung an das Bezirksgericht zurückverwiesen. Dennis Christensen ist ein gewaltloser politischer Gefangener, der allein wegen seines Glaubens strafrechtlich verfolgt wird. Er muss umgehend und bedingungslos freigelassen werden.

Am 4. September machte ein Gericht in Kursk die Entscheidung zur Freilassung von Dennis Christensen rückgängig und verwies den Fall zur Prüfung an das Bezirksgericht von Lgow zurück. Die Behörden der Strafkolonie IK-3 in Kursk im Westen Russlands wenden weiterhin grundlos Strafmassnahmen gegen Dennis Christensen an. Er hat bereits 27 Tage in einer Strafzelle verbracht, weil ihm haltlose Disziplinarverstösse vorgeworfen werden.

Dennis Christensen gehört der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas an und wurde im Februar 2019 allein wegen der friedlichen Ausübung seines Rechts auf Religionsfreiheit zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er ist ein gewaltloser politischer Gefangener und muss umgehend und bedingungslos freigelassen werden.

Der Gesundheitszustand von Dennis Christensen hat sich im Gefängnis erheblich verschlechtert. Er hat sich von einer Lungenentzündung, die er Ende 2019 bekam, nie ganz erholt. Laut Angaben seines Rechtsbeistands wird er nicht angemessen medizinisch versorgt. Eine Infektion mit Covid-19 würde ihn in besonderem Masse gefährden. Weltweit sind Regierungen angesichts der Covid-19-Pandemie aufgefordert worden, die Freilassung von Inhaftierten zu erwägen, die aufgrund von Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. In April drängte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte darauf, politische Gefangene zu entlassen und auch diejenigen freizulassen, die besonders Gefahr laufen, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas werden in Russland seit 2009 verfolgt und schikaniert. Damals befand ein Gericht in Rostow am Don, dem Verwaltungssitz der Oblast Rostow, dass die örtlich eingetragene religiöse Gemeinschaft der Zeugen Jehovas in Taganrog eine «extremistische Organisation» sei, und löste diese auf. 34 Publikationen der Glaubensgemeinschaft wurden als «extremistisch» eingestuft. In den darauffolgenden Jahren wurden zahlreiche Gemeinschaften der Zeugen Jehovas in ganz Russland per Gerichtsbeschluss als «extremistisch» deklariert. Diese Gerichtsentscheide stützten sich auf die vage gesetzliche Definition von «Extremismus», die zunehmend dazu verwendet wird, kritische Stimmen in Politik, Religion und anderen Bereichen zum Schweigen zu bringen. Im April 2017 urteilte der russische Oberste Gerichtshof, dass die zentrale Organisation der Zeugen Jehovas in Russland aufgelöst und ihr Eigentum konfisziert werden sollte. Damit wurden de facto auch alle Regionalverbände verboten. Seither werden alle Aktivitäten lokaler Gruppen der Zeugen Jehovas als Straftaten betrachtet.
Dennis Christensen lebt seit mehr als 20 Jahren in Russland. Einen Monat nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2017 wurde er festgenommen. Er war damit der erste Zeuge Jehovas, der nach dem Verbot der Organisation in Russland inhaftiert wurde. Am 6. Februar 2019 verurteilte das Bezirksgericht (Rayon-Gericht) Zheleznodorznyi in Orjol Dennis Christensen wegen der «Organisation von Aktivitäten für eine extremistische Organisation» (Paragraf 282.2 (1) des russischen Strafgesetzbuchs) zu sechs Jahren Gefängnis. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er dabei, einen lokalen Gottesdienst zu organisieren. Als Beweis für sein «Verbrechen» wurde angeführt, dass er Spenden sammelte und die Reinigung des von den Gläubigen genutzten Ortes organisierte. Am 23. Mai wurde das Urteil gegen Dennis Christensen vom Berufungsgericht in Orjol bestätigt. Anschliessend wurde er in die Strafkolonie Nummer 3 in der Region Kursk überstellt, die etwa 200 Kilometer von seinem Wohnort Orjol entfernt liegt.
Dort wird Dennis Christensen Berichten zufolge schikaniert, zum Beispiel mit unbegründeten Verweisen wegen angeblicher Regelverstösse. Er erhielt keine angemessene medizinische Versorgung, als er an den Folgen einer Lungenentzündung litt. Die Gefängnisverwaltung hat angeblich seine Krankenakte verloren. In Juni 2017 reichte Dennis Christensen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Festnahme ein. Das Königreich Dänemark schloss sich seiner Beschwerde Christensen gegen Russland als Dritte Partei an. Die Beschwerde wurde angenommen.
Seine bisherigen Anträge auf Bewährung oder eine Lockerung seiner Haftbedingungen wurden abgelehnt. Erst sein vierter Antrag wurde vor Gericht gebracht. Am 23. Juni ordnete das Bezirksgericht von Lgow die Freilassung von Dennis Christensen an, nachdem es sein Urteil umgewandelt und eine Geldstrafe von 400.000 Russischen Rubeln (ca. 5.000 Euro) verhängt hatte. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Rechtsmittel gegen diese Entscheidung ein. Am 4. September machte ein Gericht in Kursk die Entscheidung zur Freilassung rückgängig und ordnete eine Überprüfung des Falls an. Seither wird Dennis Christensen von den Behörden der Strafkolonie weiter schikaniert und musste wegen haltloser Vorwürfe über Disziplinarverstösse 27 Tage in einer Strafzelle verbringen.
Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas gibt an, dass die Verfolgung ihrer Angehörigen in Russland seit der Verurteilung von Dennis Christensen am 6. Februar 2019 zugenommen habe. Unter dem Vorwurf des «Extremismus» wurden bisher mindestens 384 Strafverfahren gegen Angehörige der Zeugen Jehovas eingeleitet. Zehn Personen wurden schuldig gesprochen. Mindestens 36 Personen befinden sich in Untersuchungshaft und weitere 27 Personen stehen unter Hausarrest. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2017 wurden mindestens 1.130 Wohnungen von Angehörigen der Zeugen Jehovas durchsucht.
Amnesty International betrachtet die Strafverfolgung von Angehörigen der Zeugen Jehovas in Russland als willkürliche und diskriminierende Massnahme, die gegen das Recht auf Religionsfreiheit verstösst. Die Organisation hat die russischen Behörden in der Vergangenheit aufgefordert, diese Kriminalisierung rückgängig zu machen. Amnesty International macht zudem seit Langem darauf aufmerksam, dass das russische Gesetz zur Extremismusbekämpfung häufig willkürlich angewandt wird. Die russischen Behörden sind daher aufgefordert, das Gesetz zu prüfen und internationalen Normen anzupassen. Amnesty International betrachtet Dennis Christensen und andere Angehörige der Zeugen Jehovas, die lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf Religionsfreiheit inhaftiert sind, als gewaltlose politische Gefangene. Sie müssen umgehend und bedingungslos freigelassen und ihre Schuldsprüche rückgängig gemacht werden. Alle noch anhängigen Anklagen sind fallenzulassen.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 22. Oktober 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch.
  • INFO COVID-19 und weltweite Briefzustellung:
    Der Versand von Briefen PRIORITY ist nach fast allen Ländern möglich. Bitte prüfen Sie auf der Website der Schweizer Post in der Rubrik 'Verkehrseinschränkungen', ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle – E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden – für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt

Ich mache mir Sorgen um den dänischen Zeugen Jehovas Dennis Christensen, der in Russland inhaftiert ist. Er wurde im Februar 2019 allein wegen der friedlichen Ausübung seines Rechts auf Religionsfreiheit zu sechs Jahren Haft verurteilt. Schon seit 2017 wird er von den Behörden schikaniert. Nachdem seinem vierten Antrag auf Bewährung oder Lockerung der Haftbedingungen im Juni 2020 stattgegeben wurde, sollte er endlich freigelassen werden. Nun hat aber ein Gericht diese Entscheidung rückgängig gemacht und Dennis Christensen bleibt weiterhin inhaftiert.

Der Gesundheitszustand von Dennis Christensen hat sich im Gefängnis erheblich verschlechtert. Laut Angaben seines Rechtsbeistands wird er nicht angemessen medizinisch versorgt. Eine Infektion mit Covid-19 würde ihn aufgrund einer Lungenschwäche in besonderem Masse gefährden.

Ich bitte Sie deswegen, den Antrag von Dennis Christensen auf vorzeitige Freilassung zu unterstützen. Sorgen Sie in der Zwischenzeit dafür, dass er nicht von den Behörden der Strafkolonie schikaniert wird und dass er eine angemessene medizinische Versorgung erhält.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

Staatsanwalt der Region Kursk
Tsukanov Aleksey Nikolaevich
Prosecutor’s Office of Kursk Region
Ul. Lenina, 21, Kursk, 305000
RUSSISCHE FÖDERATION

E-Mail: kurskobl@mail.ru

Anrede: Sehr geehrter Herr Staatsanwalt / Dear Prosecutor,

 

 

Kopien an

Ambassade de la Fédération de Russie
Brunnadernrain 37
3006 Berne

Fax: 031 352 55 95
E-mail: rusbotschaft@bluewin.ch

5 Briefe verschickt  
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