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Startseite Urgent Actions 2020 05 Grave health concerns for missing Uyghur
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China
Abgeschlossen am 8. Juli 2020

Sorge um Gesundheit von vermisster Uigurin

AI-Index: ASA 17/2401/2020

Seit dem 10. September 2018 fehlt von der pensionierten Ärztin Gulshan Abbas jede Spur. Da sie an mehreren chronischen Krankheiten leidet, die regelmässig überwacht und behandelt werden müssen, besteht grosse Sorge um ihre Gesundheit. Die Familie vermutet, dass Gulshan Abbas möglicherweise in eine «Einrichtung für Transformation durch Erziehung» gebracht wurde. Eine offizielle Bestätigung seitens der chinesischen Regierung gab es bisher nicht dazu.

Gulshan Abbas (古丽先.阿巴斯) ist eine uigurische Ärztin, die vor ihrer Pensionierung im Oil Field Company MingYuan Workers-Krankenhaus in Ürümqi, der Hauptstadt der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang in der Volksrepublik China, arbeitete. Aus gesundheitlichen Gründen ging sie vorzeitig in den Ruhestand. Sie wurde am 10. September 2018 das letzte Mal in Ürümqi gesehen, seither fehlt jede Spur von ihr.

Verwandte von Gulshan Abbas sagten der Familie der Ärztin Ende 2018, dass die Vermisste «studieren» würde. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass Gulshan Abbas in eine sogenannte «Einrichtung für Transformation durch Erziehung» gebracht wurde. Mehr als 20 Monate später hat die Familie von offizieller Seite immer noch keine Informationen über den Verbleib von Gulshan Abbas erhalten.

Gulshan Abbas wurde an beiden Augen operiert und leidet an einer Reihe chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Rückenschmerzen und schwerer Migräne. Aus diesem Grund ist es äusserst wichtig, dass sie regelmässig die notwendige medizinische Versorgung erhält.

Rushan Abbas, die Schwester der Vermissten, lebt in den USA und setzt sich für die Belange der UigurInnen ein. Die Aktivistin glaubt, das Verschwinden von Gulshan Abbas 2018 hänge mit einer wenige Tage zuvor von ihr gehaltenen Rede über Massenfestnahmen von UigurInnen in Xinjiang zusammen. Nach diesem Auftritt wurde Rushan Abbas von offiziellen chinesischen Medien angefeindet. Die Global Times zum Beispiel beschuldigte sie, eine «Separatistin» zu sein und Gerüchte über die Festnahme von UiguerInnen in Xinjiang zu verbreiten. Es wäre nicht das erste Mal, dass Angehörige von AktivistInnen ins Fadenkreuz geraten: Amnesty International hat bereits mehrere Fälle von Schikanierung und Einschüchterung im Ausland lebender UigurInnen dokumentiert.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Xinjiang gehört zu ethnisch vielfältigsten Regionen Chinas. Mehr als die Hälfte der 22 Millionen EinwohnerInnen der Region gehören überwiegend turksprachigen und meist muslimischen ethnischen Gruppen an, darunter UigurInnen (rund 11,3 Millionen), KasachInnen (rund 1,6 Millionen) und andere Bevölkerungsgruppen, deren Sprache, Kultur und Lebensweise sich deutlich von denen der Han-ChinesInnen unterscheiden, die im «inneren» Chinas die Bevölkerungsmehrheit bilden.
Im März 2017 erliess die Autonome Region Xinjiang eine Verordnung zur «Entradikalisierung», die ein breites Spektrum an Handlungen beschreibt und diese als «extremistisch» verbietet. Dazu zählen unter anderem «Verbreitung von extremistischem Gedankengut», die Verunglimpfung von staatlichen Radio- oder Fernsehsendern und die Verweigerung, diese zu konsumieren sowie das Tragen von Burkas oder «ungewöhnlichen» Bärten. Darüber hinaus zählen Widerstand gegen nationale Politik sowie das Publizieren, Herunterladen, Aufbewahren und Lesen von Artikeln oder Publikationen und audiovisuellen Beiträgen mit «extremistischem Inhalt» zur Liste dieser «extremistischen» Handlungen. Aufgrund der Verordnung wurde zudem ein «Zuständigkeitssystem» eingerichtet, mit dem die «Antiextremismus-Arbeit» der Regierung in verschiedene Bereiche eingeteilt und jährlich überprüft wird.
Es werden schätzungsweise eine Million UigurInnen, KasachInnen und Angehörige anderer mehrheitlich muslimischer Bevölkerungsgruppen in sogenannten Einrichtungen für «Transformation durch Erziehung» festgehalten. Die chinesischen Behörden bestritten bis Oktober 2018 die Existenz dieser «Umerziehungseinrichtungen». Danach erklärten sie, die Menschen seien freiwillig in diesen Lagern und würden eine Berufsausbildung erhalten. Ziel dieser Einrichtungen sei es, den Menschen eine technische und berufliche Ausbildung zu bieten und ihnen zu ermöglichen, eine Arbeit zu finden und sich zu «nützlichen» BürgerInnen zu entwickeln. Im Widerspruch zu diesen Erläuterungen stehen allerdings die Berichte von ehemaligen InsassInnen dieser Lager, die Schläge, Nahrungsentzug und Isolationshaft beschreiben.
China ist bisher den Aufforderungen der internationalen Gemeinschaft und auch Amnesty Internationals nicht nachgekommen, unabhängige ExpertInnen uneingeschränkt nach Xinjiang einreisen zu lassen. Stattdessen versucht die chinesische Regierung, kritische Stimmen zu unterdrücken, indem sie sorgfältig ausgewählte Delegationen aus verschiedenen Ländern zu streng durchgeplanten und überwachten Besuchen nach Xinjiang einlädt.

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