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Startseite Urgent Actions 2020 05 Man claiming innocence faces execution Man with claims of innocence executed in Missouri
FI 080/20-1
USA (Missouri)
Abgeschlossen am 26. Mai 2020

Walter Barton in Missouri hingerichtet

AI-Index: AMR 51/2376/2020

Walter Barton ist am 19. Mai hingerichtet worden. Er sass seit 2006 wegen des Mordes an einer älteren Frau im Jahr 1991 im Todestrakt. Er beteuerte stets, den Mord nicht begangen zu haben. Er stand über 15 Jahre hinweg fünfmal vor Gericht, bis er schliesslich für schuldig befunden und zum Tode verurteilt wurde. Fachgutachten und Belege, die nie von den Geschworenen gehört wurden, widersprechen der Theorie der Staatsanwaltschaft, auf deren Grundlage er zum Tode verurteilt wurde. Die Hinrichtung von Walter Barton war die erste in den USA seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie.

Walter Barton wurde im Jahr 2006 des Mordes an einer 81-jährigen Frau schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Betreiberin einer Wohnwagenanlage in Ozark im US-Bundesstaat Missouri war am 9. Oktober 1991 getötet worden. Walter Barton hat stets beteuert, den Mord nicht begangen zu haben. Am 19. Mai 2020 wurde er hingerichtet.

Walter Barton stand über 15 Jahre hinweg fünfmal vor Gericht, bis er 2006 schliesslich zum Tode verurteilt wurde. Die ersten beiden Gerichtsverfahren wurden zu fehlerhaften Verfahren erklärt, da die Jury sich auf kein Urteil einigen konnte. Zwei weitere darauffolgende Schuldsprüche wurden im Berufungsverfahren wegen Fehlverhaltens der Strafverfolgungsbehörde aufgehoben. Im fünften Verfahren wurde er schliesslich schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde 2007 vor dem Obersten Gerichtshof von Missouri mit vier zu drei Stimmen bestätigt.

Aussagen von ExpertInnen, die den Geschworenen nie vorgelegt wurden, widersprechen den Ergebnissen der von der Staatsanwaltschaft eingebrachten Analyse des Blutes auf Walter Bartons Kleidung und bestätigen stattdessen die Version von Walter Barton. Drei Geschworene haben kürzlich eidesstattliche Erklärungen abgegeben, die besagen, dass diese Belege im damaligen Verfahren «entscheidend» für ihre Entscheidung gewesen wären. Andere Belege, welche die Glaubwürdigkeit eines Zeugen in Zweifel ziehen, kamen aufgrund von Versäumnissen der Rechtsbeistände von Walter Barton nie vor Gericht. Am 27. April 2020 wies der Oberste Gerichtshof von Missouri den Antrag auf einen Hinrichtungsaufschub zurück und argumentierte, dass die besagten Belege lediglich zusätzliche und der Staatsanwaltschaft widersprechende Beweismittel darstellten, nicht aber die Unschuld des Angeklagten belegten.

Die Hinrichtung von Walter Barton war die erste in den USA seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie. Dort wurden alle sechs geplanten Exekutionen entweder ausgesetzt oder verschoben. Als der Oberste Gerichtshof von Missouri am 27. April 2020 den Antrag auf einen Hinrichtungsaufschub zurückwies, weigerte sich das Gericht überdies, einen weiteren Antrag in Betracht zu ziehen, in dem Walter Barton um einen Aufschub bat aufgrund der Gefahren für die öffentliche Gesundheit angesichts der COVID-19-Pandemie. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte ein in letzter Minute eingelegtes Rechtsmittel für einen Hinrichtungsaufschub ab.

Die Todesstrafe ist die endgültige Verweigerung der Menschenrechte. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Seit 1973 wurden in den USA 167 Todesurteile aufgehoben, nachdem sich herausstellte, dass die Verurteilten unschuldig waren. Bis heute haben 106 Länder die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft und mehr als zwei Drittel der Länder haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung von Walter Barton zu verhindern.

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