Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2020 05 Activists facing harassment and intimidation
UA 071/20
Angola
Aktiv seit 13. Mai 2020 | Noch 19 Tage Laufzeit

NGO-Mitglieder drangsaliert und eingeschüchtert

AI-Index: AFR 12/2302/2020

In der angolanischen Provinz Cuando Cubango werden Mitglieder der Nichtregierungsorganisation MBAKITA drangsaliert, mit dem Tode bedroht und angegriffen, weil sie sich für die Rechte von ethnischen Minderheiten einsetzen.

Mitglieder der Nichtregierungsorganisation MBAKITA sind in der Provinz Cuando Cubango Einschüchterungsversuchen, Morddrohungen und Angriffen ausgesetzt. Amnesty International ist der Ansicht, dass MBAKITA-Mitglieder so davon abgehalten werden sollen, sich für die Rechte von Angehörigen ethnischer Minderheiten einzusetzen und Korruption in der Region anzuprangern.

Am 17. und 23. April sowie am 11., 12. und 13. Mai verschafften sich unbekannte bewaffnete Männer Zutritt zum Haus von Pascoal Baptistiny, dem Geschäftsführer von MBAKITA. Die Männer überwältigten zwei Wachmänner und nahmen zahlreiche elektronische Geräte mit, darunter drei Computer und eine Videokamera sowie einige Speicherkarten und Mobiltelefone. In den vergangenen Jahren sind Pascoal Baptistiny und andere MBAKITA-Mitglieder bereits einige Male angegriffen worden.

Mitglieder von MBAKITA haben in den vergangenen Jahren ausserdem regelmässig anonyme Morddrohungen und Drohanrufe erhalten, wie z. B. diese: «Wir kennen Herrn Pascoal... Wenn du weiterhin über Probleme der [indigenen Gemeinschaft der] San berichtest, könnte es sein, dass du und deine Familie verschwinden»; «Das Büro wird durchsucht und du kannst nichts dagegen tun, verschwende also keine Zeit damit, es der Polizei zu melden»; «Hör damit auf, oder du wirst sterben und deine Familie auch»;«Die indigene Gemeinschaft braucht keinen Erlöser». Im April 2020 legten 17 MBAKITA-AktivistInnen ihre Arbeit für die Organisation nieder, weil sie weitere Vergeltungsmassnahmen befürchteten. Am 11. Mai erhielt Pascoal Baptistiny 15 anonyme Drohanrufe.

MBAKITA hat auf der Polizeiwache von Menongue in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrfach Anzeige erstattet wegen Morddrohungen, Drangsalierungen und anonymer Drohanrufe. Bisher sind allerdings keinerlei Massnahmen ergriffen worden, um die Betroffenen zu schützen, die Vorfälle zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die NGO MBAKITA verteidigt seit 2002 die Rechte von Angehörigen der indigenen Gemeinschaft der San und anderer Gemeinschaften im Süden von Angola. Seit 2018 werden MBAKITA-Mitglieder zunehmend eingeschüchtert und drangsaliert. In einigen Fällen kam es sogar zu Folter, Verschwindenlassen oder Tötungen. Die Verantwortlichen sind bisher stets straffrei ausgegangen und die Drohungen und Angriffe wurden nicht angemessen untersucht.
Am 16. April erhielt Pascoal Baptistiny diesen anonymen Anruf: «Wir wissen Bescheid über den Wagen, der zu den Gemeinschaften fährt, den wirst du nicht mehr benutzen können.» Am selben Abend wurde das Auto der Organisation beschädigt, was es den Mitgliedern unmöglich macht, die indigenen Gemeinschaften zu besuchen. Am 17. April um etwa 1.30 Uhr morgens brachen drei vermummte und bewaffnete Männer in das Haus von Pascoal Baptistiny ein. Sie überwältigten zwei Wachmänner und nahmen zwei Computer und eine Videokamera sowie einige Speicherkarten und Mobiltelefone mit. In der Nacht vom 23. April verschafften sich erneut Unbekannte Zutritt zum Haus von Pascoal Baptistiny und stahlen einen Computer. In der Nacht vom 12. Mai unternahmen zwei Männer einen Einbruchsversuch. Am Abend zuvor hatten ebenfalls zwei Männer versucht, sich Zutritt zu dem Haus zu verschaffen, wurden aber von den Wachmännern daran gehindert. Pascoal Baptistiny rief die Polizei, die nach zwei Stunden bei ihm eintraf.
Am 15. April veröffentlichte Amnesty International Informationen über einen Angriff der Polizei auf neun MBAKITA-Mitglieder und wie diese am 2. April während einer COVID-19-Sensibilisierungskampagne in Cuando Cubango willkürlich inhaftiert wurden. Es wird befürchtet, dass die jüngsten Angriffe und Drohanrufe damit in Verbindung stehen könnten.
Die jüngsten Vorfälle sind Teil eines Musters von Drangsalierungen und Einschüchterungen von MBAKITA-Mitgliedern in der Provinz Cuando Cubango. Aus Furcht um die Sicherheit ihrer Familien haben die Betroffenen die Morddrohungen und tätlichen Angriffe nicht öffentlich gemacht.
Auch Angehörige der katholischen Kirche werden zunehmend wegen ihrer Menschenrechtsarbeit ins Visier genommen. Am Abend des 28. April brachen drei unbekannte Männer in das Gebäude des katholischen Radiosenders Radio Eclésia ein und beschädigten die Sendeausrüstung. Radio Eclésia konnte daher am 29. und 30. April keine Nachrichten senden.
Am 11. April wurde Pater Júlio Alberto Carlos von der Diözese Menongue ohne Haftbefehl im Pfarrhaus Cristo Rei von der Polizei festgenommen. Der Pater ist ein öffentlicher Verfechter der Rechte der San. Pater Júlio Alberto Carlos wurde in einem summarischen Gerichtsverfahren zu einer Geldstrafe verurteilt.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 24. Juni 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch.

ACHTUNG! Aufgrund der Verbreitung des Coronavirus ist die weltweite Briefzustellung momentan eingeschränkt. Da die Zustellbedingungen täglich ändern können, prüfen Sie bitte auf der Website der Schweizer Post, ob Briefe im Zielland aktuell zugestellt werden. Falls nicht, bitten wir Sie andere Kommunikationskanäle – E-Mail, Fax oder soziale Medien, wenn vorhanden – für die Zustellung Ihres Appells zu nutzen und/oder senden Sie diesen via die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an die genannte Person.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Minister

Ich bin in grosser Sorge um die Mitglieder der NGO MBAKITA, die drangsaliert werden und Morddrohungen erhalten. Ich befürchte, dass MBAKITA-Mitglieder so davon abgehalten werden sollen, sich für die Rechte von Angehörigen ethnischer Minderheiten einzusetzen und Korruption in der Region anzuprangern.

Am 17. und 23. April sowie am 11., 12. und 13. Mai verschafften sich unbekannte bewaffnete Männer Zutritt zum Haus von Pascoal Baptistiny, dem Geschäftsführer von MBAKITA. Die Männer überwältigten zwei Wachmänner und nahmen zahlreiche elektronische Geräte mit, darunter drei Computer und eine Videokamera sowie einige Speicherkarten und Mobiltelefone. In den vergangenen Jahren sind Pascoal Baptistiny und andere MBAKITA-Mitglieder bereits einige Male angegriffen worden.

MBAKITA hat auf der Polizeiwache von Menongue in den vergangenen zwei Jahren bereits mehrfach Anzeige erstattet wegen Morddrohungen, Drangsalierungen und anonymer Drohanrufe. Bisher sind allerdings keinerlei Massnahmen ergriffen worden, um die Betroffenen zu schützen, die Vorfälle zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Pascoal Baptistiny und andere MBAKITA-Mitglieder entsprechend ihren Wünschen angemessenen Schutz erhalten, sodass sie ihre Arbeit ohne Angst vor Repressalien fortführen können.
Leiten Sie umgehend eine gründliche, unabhängige und unparteiische Untersuchung der Angriffe, Morddrohungen und Einschüchterungsversuche gegen Pascoal Baptistiny und andere MBAKITA-AktivistInnen ein.
Stellen Sie bitte sicher, dass MenschenrechtlerInnen ihrer friedlichen Arbeit in einem sicheren Umfeld nachgehen können.

Hochachtungsvoll,

Appelle an

MINISTER FÜR JUSTIZ UND MENSCHENRECHTE
Francisco Manuel Monteiro de Queiroz
Ministério da Justiça e dos Direitos Humanos
Rua 17 de Setembro
Luanda
ANGOLA

E-Mail: gsedhc.mjdh.angola@gmail.com

Anrede: Honourable Minister / Sehr geehrter Herr Minister

 

 

Kopien an

Ambassade de la République d'Angola
Thunstrasse 73
3006 Berne

Fax: 031 351 85 86
E-mail: sectorconsular75@gmail.com
8 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 071/20 english
Microsoft Word Document, 32.8 kB
UA 071/20 deutsch
Microsoft Word Document, 32.4 kB
UA 071/20 français
Microsoft Word Document, 33.6 kB
Mehr zum Thema

Menschenrechtsverteidiger

Grundlegende Infos über die Menschenrechte und die verschiedenen internationalen Abkommen. Mehr