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FI 067/20-1
Kolumbien
Abgeschlossen am 18. August 2020

Menschenrechtlerin trotz Personenschutz in Gefahr

AI-Index: AMR 23/2665/2020

Am 2. Juli 2020 erhielt die Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz (CIJP) vertrauliche Informationen über einen Plan zur Ermordung der Menschenrechtlerin Jani Silva.

Jani Silva ist als Menschenrechtsaktivistin der NGO Asociación para el Desarrollo Integral Sostenible de la Perla Amazónica (ADISPA) tätig. Die Organisation setzt sich im Departamento Putumayo im südwestlichen Kolumbien für Frieden und Umweltschutz ein.

Seit Beginn der COVID-19-Ausgangssperre gab es bereits fünf bedrohliche Vorfälle im direkten Umfeld von Jani Silva. Jetzt wurden der Menschenrechtsorganisation CIJP Informationen zu Mordplänen gegen Jani Silva zugespielt. Es wird vermutet, dass eine bewaffnete Gruppierung namens «La Mafia» hinter diesen Plänen steckt. Hintergrund dürfte das Engagement Jani Silvas für das Programm zum freiwilligen Austausch von Saatgut in Putumayo sein. Der NGO zufolge gehen seit Beginn der Ausgangssperre bereits 14 Morde in der Region Putumayo auf das Konto von «La Mafia».

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Jani Silva ist Umwelt-, Menschenrechts- und Friedensaktivistin und setzt sich für die Umsetzung des Friedensabkommens in Putumayo ein. Ausserdem hat sie sich für Wiederaufforstungsinitiativen stark gemacht und dabei die sozialen und ökologischen Folgen der Erdölförderung angeprangert, unter anderem auch die Aktivitäten des Öl- und Gasunternehmens Amerisur im Putumayo-Becken.

Jani Silva ist die rechtliche Vertreterin von ADISPA: einem Zusammenschluss von NGOs zum Schutz der Rechte der Gemeinschaften im kleinbäuerlichen Reservatsgebiet La Perla Amazónica.

Bewaffnete Gruppen haben Jani Silva in der Vergangenheit bereits mehrfach mit dem Tode bedroht, um auf diese Weise eine der bekanntesten FriedensaktivistInnen der Region zum Schweigen zu bringen. Weitere Drohungen erhielt sie aufgrund ihres Engagements gegen ein in der Region tätiges Ölunternehmen: Sollte sie sich weiterhin für Umweltschutz-Demonstrationen einsetzen, würden sie und ihre Familienangehörigen sterben. Von wem die Drohungen stammen, ist nicht bekannt.

Zu den bedrohlichen Vorfällen im direkten Umfeld von Jani Silva zählten in letzter Zeit folgende Vorkommnisse:

Am 29. November 2019 kam es zu einer irregulären Überwachung ihres Personenschutzes durch unbekannte Polizeikräfte.

Am 16. Januar 2019 kam es zu zwei bedrohlichen Vorfällen: (1) Gegen Mittag beobachtete ein Motorradfahrer zehn Minuten lang ihr Haus. (2) Gegen 14.00 Uhr tauchten Unbekannte an der Arbeitsstelle von Jani Silva auf und beobachteten sie ebenfalls.

Am 26. März 2020 informierte die Menschenrechtsorganisation CIJP Jani Silva über ein gegen sie geplantes Attentat.

Am 17. April 2020 gegen 14.30 Uhr hörte Jani Silva sechs Schüsse in unmittelbarer Umgebung ihres Hauses (weniger als 30 Meter entfernt).

Am 22. April 2020 hörte Jani Silva Geräusche von sich bewegenden Personen, einem Motorrad und drei Schüsse in unmittelbarer Umgebung ihres Hauses (weniger als 50 Meter entfernt).

Im Mai 2020 berichteten verschiedene Medien und Menschenrechtsorganisationen über die Überwachung von 130 Personen durch das Militär, darunter JournalistInnen aus dem In- und Ausland, MenschenrechtlerInnen und PolitikerInnen. Den Berichten zufolge gehört auch Jani Silva zu den vom Militär überwachten MenschenrechtlerInnen.

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