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Startseite Urgent Actions 2020 04 Two young brothers on death row Stop execution of two young brothers
FI 053/20-1
Belarus
Abgeschlossen am 31. Juli 2020

Geplante Hinrichtung von zwei jungen Brüdern stoppen

AI-Index: EUR 49/2533/2020

Am 22. Mai hat der Oberste Gerichtshof von Belarus das Todesurteil der beiden jungen Brüder Stanislau und Illia Kostseu bestätigt. Sie haben daraufhin bei Staatspräsident Lukaschenko ein Gnadengesuch eingereicht. Der Präsident hat seit Amtsantritt 1994 erst einmal einem Gnadengesuch stattgegeben. Wenn das Gnadengesuch abgelehnt wird, werden Stanislau und Illia Kostseu umgehend hingerichtet.

Stanislau und Illia Kostseu sind erst 19 und 21 Jahre alt. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Mord, dessen sie schuldig gesprochen wurden, ein schweres Verbrechen ist. Die beiden jungen Männer haben beide grosse Reue gezeigt und bei den Ermittlungen mit den Behörden voll und ganz kooperiert. Stanislau und Illia Kostseu sind seit mehr als zehn Jahren die jüngsten Gefangenen, die zum Tode verurteilt wurden. Ihre Hinrichtung wäre ein schrecklicher Makel in der Menschenrechtsbilanz von Belarus. Belarus sollte das jugendliche Alter und die Bitte ihrer Mutter und Schwester, die die beiden nach dem Tod des Vaters aufgezogen haben, bei der Entscheidung über ihr Schicksal bedenken.

Die Todesstrafe ist in allen Ländern Europas und Zentralasiens mit Ausnahme von Belarus im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Doch Belarus zeigt eine deutliche und willkommene Bereitschaft mit den Nachbarstaaten und dem globalen Trend zur Abschaffung der Todesstrafe gleichzuziehen.

Zurzeit liegt die internationale Aufmerksamkeit auf Belarus. Dem Gnadengesuch von Stanislau und Illia Kostseu stattzugeben, wäre ein deutliches Signal, dass die Todesstrafe abgeschafft werden soll. Es würde den beiden jungen Männern zudem die Chance geben, ihrem schwierigen Leben eine Wendung zu geben und zu zeigen, dass Rehabilitation und Reform möglich sind.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Dieser Fall hat in Belarus und der internationalen Gemeinschaft viele schockiert, da Stanislau und Illia Kostseu noch sehr jung sind und unter schwierigen Umständen aufwuchsen. Der Vater starb, als Stanislau Kostseu erst wenige Monate alt war, und zwang die Mutter, ihre Kinder unter schwierigen Umständen aufzuziehen. Die ältere Schwester Hanna war oft die Hauptbetreuerin ihrer jüngeren Brüder.
Wenn das Gnadengesuch abgelehnt wird, werden Stanislau und Illia Kostseu kurz darauf hingerichtet. Weder ihnen noch ihrer Familie wird der Tag oder die Uhrzeit der Hinrichtung mitgeteilt und auch ein letztes Treffen wird ihnen verwehrt. Gefangene im Todestrakt werden in Belarus durch einen Schuss in den Hinterkopf exekutiert, nur wenige Minuten nachdem ihnen die bevorstehende Hinrichtung verkündet wird. Die Vollstreckung kann mehr als einen Schuss erfordern. Die Familie wird erst Wochen später über die Hinrichtung informiert und der Leichnam wird ihr nicht zur Beisetzung übergeben. Auch die Grabstätte wird ihnen nicht bekannt gegeben.
Amnesty International und andere Organisationen haben schon wiederholt ein Ende der Geheimhaltung um die Todesstrafe in Belurs gefordert und über die furchtbaren Folgen für die Familien der hingerichteten Gefangenen berichtet. Für die Familie Kostseu ist das Trauma besonders schlimm, da die beiden Brüder noch sehr jung sind.
Am 9. August finden die Präsidentschaftswahlen in Belarus statt. Es wird scharf gegen die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit im Land vorgegangen, ebenso gegen OppositionskandidatInnen, ihre Teams und UnterstützerInnen, Protestierende, JournalistInnen und AktivistInnen. Dies führt national und international zu viel Kritik.

FORTSETZUNG AUF ENGLISCH
This case is the first time in over ten years in Belarus that such young men have been sentenced to death and the first time ever that two members of the same family are facing execution.
While the government of Belarus continues to state that it is moving towards abolition of the death penalty, this case is a shocking reminder that, in practice, the system remains essentially intact. Before their trial, President Lukashenka publicly stated: "They're scum, there's no other word for them. They have been in trouble before and have been punished.” The President’s personal intervention in the case at an early stage may have influenced their conviction, in a country where serious concerns about the independence of the judiciary remain.

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