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Startseite Urgent Actions 2020 02 Five activists arrested after illegal raid Fears of unfair trial for «Tacloban 5»
FI 019/20-1
Philippinen
Abgeschlossen am 10. August 2020

Sorge wegen unfairen Verfahrens gegen Tacloban 5

AI-Index: ASA 35/2618/2020

Fünf Aktivistinnen wurden am 7. Februar festgenommen, nachdem ihre Büroräume ihren Angaben zufolge rechtswidrig durchsucht worden waren. Obwohl die Behörden keine gründliche Untersuchung der Vorwürfe der AktivistInnen durchführten, lehnte das Gericht am 23. Juni ihren Antrag ab, den benutzten Durchsuchungsbefehl für ungültig zu erklären. Amnesty International ruft das philippinische Justizministerium auf, die Anschuldigungen umgehend unparteiisch, gründlich und zielführend zu untersuchen.

Die fünf Anfang dieses Jahres in Tacloban City Festgenommenen – Frenchie Mae Cumpio, Mariel Domequil, Marissa Cabaljao, Mira Legion und Alexander Philip Abinguna – sind aktive Mitglieder von Organisationen, die zu Menschenrechts- oder Umweltthemen arbeiten bzw. unabhängig journalistisch tätig sind. Die Umstände, die zu der Durchsuchung ihrer Büroräume und ihrer Festnahme führten, bleiben fragwürdig. Es stehen Vorwürfe im Raum, dass Beweise konstruiert wurden und keine unabhängige Person der Durchsuchung beiwohnen konnte. Es ist besorgniserregend, dass das Gericht am 23. Juni ihren Antrag ablehnte, den Durchsuchungsbefehl für ungültig zu erklären, obwohl keine gründliche Untersuchung der Vorwürfe angestellt wurde.

Nach Aussagen der AktivistInnen hatten Polizei- und Militärangehörige am 7. Februar 2020 um 1 Uhr nachts zwei Bürostandorte durchsucht. Berichten zufolge zielte das Durchsuchungsteam mit seinen Schusswaffen auf die fünf AktivistInnen, ehe sie sie aufforderten, die Räume zu verlassen, um sie ohne ZeugInnen zu durchsuchen. Sollte dies den Tatsachen entsprechen, wurde mit den Durchsuchungen gegen philippinisches Recht verstossen. Die AktivistInnen gehen davon aus, dass das Durchsuchungsteam Beweise gegen sie in den Räumlichkeiten hinterlegte, dazu gehörten Schusswaffen- und Sprengstoff in ihren Betten. Leider scheint es so zu sein, dass das Hinterlegen von Sprengstoff und Schusswaffen eine häufig eingesetzte Methode auf den Philippinen ist, um AktivistInnen festnehmen zu können und sie nicht gegen Kaution freilassen zu müssen. Damit sollen ihre Aktivitäten verhindert werden.

Amnesty International ist besorgt, dass das Abweisen des Antrags der AktivistInnen, den Durchsuchungsbefehl für nichtig zu erklären, dafür sorgt, dass die fünf AktivistInnen kein faires Gerichtsverfahren erhalten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Gemeindejournalistin Frenchie Mae Cumpio; Mariel Domequil von den Landmissionaren der Philippinen; die Sprecherin des People Surge Network Marissa Cabaljao; Mira Legion, Mitglied der Bagong Alyansang Makabayan (Neue Patriotische Allianz) im Osten der Inselgruppe Visayas und Alexander Philip Abinguna, Nationalratsmitglied für die Menschenrechtsorganisation Karapatan. wurden bei zeitgleichen Durchsuchungen am 7. Februar 2020 in Tacloban festgenommen.  
Mira Legion und Marissa Cabaljao wird der illegale Besitz von Schusswaffen zur Last gelegt. Sie sind gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Frenchie Mae Cumpio, Mariel Domequil und Alexander Philip Abinguna wurden wegen illegalen Besitzes von Schusswaffen und Sprengstoffen angeklagt und können deshalb nicht auf Kaution entlassen werden. Sie befinden sich derzeit im Gefängnis des Polizeireviers der Stadt Palo.
Mariel Domequil und Fernchie Mae Cumpio wurden am 18. Februar über die Anklagen gegen sie informiert. Marissa Cabaljaao, Mira Legion und Alexander Abinguna wurden am 2. Juni über die Anklagen aufgeklärt. Am 23. Juni lehnte das Regionalgericht in Tacloban City den Antrag der AktivistInnen ab, den fehlerhaften Durchsuchungsbeschluss für nichtig zu erklären und die Akte gegen sie zu schliessen, Beweismaterial, das während der Durchsuchung aufgetaucht war, abzulehnen und beschlagnahmte Gegenstände, die im Durchsuchungsbefehl nicht genannt wurden, zurückzugeben. Die Anhörungen werden fortgesetzt.
Seit 2016, als Rodrigo Duterte Präsident wurde, sind MenschenrechtsverteidigerInnen und politische AktivistInnen wiederholt Schikanen, Drohungen und Angriffen, darunter auch Tötungen, ausgesetzt. Viele dieser MenschenrechtsverteidigerInnen und AktivistInnen gehören Organisationen an, die von der Regierung oder unbekannten Einzelpersonen als Kommunistengruppen bezeichnet werden. Diesen Vorwurf haben die Betroffenen wiederholt zurückgewiesen.
In dieser sich verschlechternden Menschenrechtsbilanz des Landes wurde am 4. Juni 2020 der Bericht des UN-Menschenrechtsrats vorgestellt. Darin steht, dass «MenschenrechtsverteidigerInnen seit fast 20 Jahren verbale und tätliche Angriffe erleiden, bedroht und strafrechtlich verfolgt werden». Es wird auch das Red-Tagging darin erwähnt, dass «eine ernste Bedrohung der Zivilgesellschaft und der Meinungsfreiheit darstellt».

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