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Startseite Urgent Actions 2019 12 Three journalists arbitrarily detained Loss of contact with detained journalist
FI 175/19-1
Ägypten
Abgeschlossen am 27. Juli 2020
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11.06.2020 Deadline extension

We are extending the appeal deadline for Egyptian journalists Solafa Magdy, Hossam el-Sayed, and Mohamed Salah till 27 July 2020.

There are no further updates on their situation and it is key to maintain public pressure to urge Egyptian authorities to release them immediately.

Kein Kontakt mehr mit inhaftierter Journalistin

AI-Index: MDE 12/2262/2020

Seit dem 12. April dürfen die meisten InsassInnen im Gefängnis Al-Qanater wieder einmal wöchentlich Kleidung, Nahrungsmittel, Desinfektionsmittel, Briefe und ein warmes Essen von ihren Angehörigen erhalten. Doch der willkürlich inhaftierten Journalistin Solafa Magdy wurden bis zum 29. April die Pakete ihrer Familie verweigert. Die Familie hat bis jetzt weder Anrufe noch Briefe von ihr erhalten und ist deshalb angesichts eines möglichen Ausbruchs von COVID-19 in diesem Gefängnis in Sorge um ihre Sicherheit.

Am 10. März untersagten die ägyptischen Behörden bis auf weiteres alle Gefängnisbesuche als Vorsichtsmassnahme gegen die weitere Verbreitung von COVID-19. Sie stellten den Gefangenen jedoch keine alternativen Kommunikationsmöglichkeiten mit ihren Familien und Rechtsbeiständen zur Verfügung, wie das vom Gesetz vorgeschriebenen Telefonat alle zwei Monate. Am 16. April 2020 untersagten die Behörden des Frauengefängnisses in Al-Qanater der Mutter von Solafa Magdy, ihr Geld, Nahrungsmittel und Desinfektionsmittel zu schicken, obwohl die meisten InsassInnen diese Artikel bereits seit dem 12. April wieder von ihren Angehörigen erhalten können. Einige, jedoch nicht alle InsassInnen, konnten auch Briefe verschicken und erhalten. Die Familie befürchtete, dass Solafa Magdy Strafmassnahmen ausgesetzt war, da die Gefängnisbehörden Gefangenen in Strafzellen weder Besuche noch Pakete ihrer Familien gestatten. Am 29. April konnte die Familie ihr endlich Essen und Hygieneprodukte schicken. Doch die Sorge um ihre Sicherheit besteht weiter, da die Familie keine Briefe von ihr erhält.

Die im Tora-Gefängnis inhaftiertern Journalisten Hossam el-Sayed und Mohamed Salah bekommen von ihren Familien seit dem 12. April wichtige Dinge des täglichen Bedarfs. Briefe wurden ihnen ebenfalls zugestellt. Sie selbst können jedoch keine verschicken. Amnesty International ist der Ansicht, dass Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah gewaltlose politische Gefangene sind, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie friedlich ihrer Arbeit als JournalistInnen nachgegangen sind und sich für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen eingesetzt haben.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah sind freie JournalistInnen und arbeiten für verschiedene Medienkanäle. Solafa Magdy und Hossam el-Sayed sind verheiratet und haben einen siebenjährigen Sohn. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Inhaftierung der JournalistInnen allein im Kontext ihrer Arbeit und ihrer Aktivitäten in den Sozialen Medien steht, mit denen sie gewaltlose politische Gefangene, darunter die mit ihnen befreundete Journalistin Esraa Abdelfattah, unterstützen.
Solafa Magdy und Mohamed Salah sehen sich den konstruierten Anklagen «Beitritt zu einer terroristischen Gruppe» und «Verbreitung falscher Nachrichten» gegenüber, während Hossam el-Sayed im Rahmen von Fall 488/2019 wegen der regierungskritischen Demonstrationen im März 2019 der «Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe» beschuldigt wird. Alle Drei sind seit dem 26. November 2019 inhaftiert. Am 15. März setzte das ägyptische Justizministerium alle gerichtlichen Anhörungen als Vorsichtsmassnahme gegen die Verbreitung von COVID-19 aus. Deshalb werden Solafa Magdy, Mohamed Salah und Hossamj el-Sayed weder zu Gerichtverhandlungen noch zu Haftprüfungsanhörungen gebracht.
Seit Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Macht übernommen hat blockieren die Behörden willkürlich Hunderte Websites und Nachrichten-Websites, durchsuchten und/oder schlossen die Büros von mindestens neun Medienkanälen und inhaftierten willkürlich Dutzende JournalistInnen. Amnesty International weiss derzeit von mindestens 37 JournalistInnen, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie ihrer legitimen Arbeit nachgegangen sind oder Meinungen auf ihren persönlichen Seiten in den Sozialen Medien geäussert haben. Unter ihnen befinden sich mindestens 20 JournalistInnen, die nur aufgrund ihrer Arbeit inhaftiert sind, weil sie Recherchen durchgeführt, Reportagen veröffentlicht oder über regierungskritische Demonstrationen berichtet haben. Die Festnahme von Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah steht im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Behörden nach den Protesten vom September 2019 – der grössten Inhaftierungswelle seit 2014. Zwei Tage vor der Festnahme der JournalistInnen waren die Redaktionsräume der unabhängigen Webseite Mada Masr durchsucht und vier journalistische MitarbeiterInnen festgenommen, aber noch am selben Tag wieder freigelassen worden.
Am 20. und 21. September 2019 brachen in mehreren ägyptischen Städten Proteste aus, bei denen der Rücktritt des Präsidenten gefordert wurde. Anlass für die Proteste waren die Korruptionsvorwürfe des Armeeauftragnehmers Mohamad Ali. Er beschuldigte die ägyptische Militärführung und den Präsidenten, öffentliche Gelder für den Bau von Luxusimmobilien zu verschwenden.
Amnesty International hat dokumentiert, wie die ägyptischen Sicherheitskräfte zahlreiche Protestierende, JournalistInnen, MenschenrechtsanwältInnen, AktivistInnen und politische Persönlichkeiten festnahmen, um KritikerInnen zum Schweigen zu bringen und von weiteren Protesten abzuschrecken. Nach Angaben ägyptischer MenschenrechtsanwältInnen sind im Zusammenhang mit den Protesten vom September mehr als 4.000 Menschen wegen Teilnahme oder Unterstützung der Demonstrationen festgenommen worden. Die Behörden haben gegen mindestens 3.715 Personen wegen Terrorismus-Anklagen Untersuchungshaft angeordnet. Somit handelt es sich um die grösste strafrechtliche Ermittlung im Zusammenhang mit Protesten in der Geschichte Ägyptens.

9 Briefe verschickt  
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