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UA 162/19
Mexiko
Abgeschlossen am 30. Dezember 2019

Menschenrechtler nach 40 Tagen tot aufgefunden

AI-Index: AMR 41/1453/2019

Die mexikanischen Behörden haben am 20. November den Leichnam des indigenen Menschenrechtsverteidigers Arnulfo Cerón Soriano gefunden. Er lag in einem geheimen Grab nahe der Stadt Tlapa im Bundesstaat Guerrero. Arnulfo Cerón war Mitglied der Organisationen Frente Popular de la Montaña und der Bewegung für die Freilassung der Politischen Gefangenen in Guerrero (MOLPEG). Er verschwand am 11. Oktober auf dem Weg zu einem Treffen in der Stadt Tlapa. Die Behörden müssen ihre Bemühungen verstärken, um das Verschwinden und den Tod von Arnulfo Cerón aufzuklären, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit von Arnulfo Ceróns Familie und den Organisationen, die ihn unterstützen, zu garantieren.

Arnulfo Cerón Soriano wurde am 20. November tot aufgefunden. Im Laufe des Jahres 2019 erhielten Arnulfo Cerón und Mitglieder von MOLPEG wegen ihres Engagements immer wieder Drohanrufe und -nachrichten. Nach der Festnahme von Verdächtigen des Verschwindenlassens von Arnulfo Cerón gingen bei Familienangehörigen Drohanrufe ein, Mitglieder von MOLPEG bemerkten Personen vor ihren Wohnhäusern und das Menschenrechtszentrum Tlachinollan beobachtete, dass Unbekannte vor ihren Büroräumen Posten stehen.

Am 20. November kündigten die Behörden eine Untersuchung seines Todes und weitere Untersuchungen zu seinem Verschwinden an. Diese Untersuchungen müssen seine Menschenrechtsarbeit einbeziehen, um eine belastbare Ermittlung sicherzustellen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Arnulfo Cerón Soriano war ein Angehöriger der indigenen Nahua und Menschenrechtsverteidiger. Er kämpfte in mehreren Organisationen und sozialen Bewegungen in der Bergregion des Bundesstaates Guerrero jahrzehntelang für die Rechte der indigenen Bevölkerung. 1995 arbeitete er zwei Jahre lang im Menschenrechtszentrum Tlachinollan. Anschliessend arbeitete er als selbständiger Anwalt und unterstützte dabei die indigene Bevölkerung in der Region. 2000 zeigte eine Organisation gegen Folter (Acción de los Cristianos para la Abolición de la Tortura – ACAT) die willkürliche Inhaftierung und Folter von Arnulfo Cerón durch ErmittlungsbeamtInnen des Bundesstaates an. Nach eineinhalb Jahren im Gefängnis wurde er freigelassen. Arnulfo Cerón war auch sehr aktiv in der Bewegung, die Gerechtigkeit für die 43 verschwundenen Studierenden aus Ayoztinapa fordert.  
Nach Informationen, die das Menschenrechtszentrum Tlachinollan dokumentiert hat, verliess Arnulfo Cerón Soriano am 11. Oktober 2019 gegen 20 Uhr das Haus, um in einem Reha-Zentrum der Anonymen Alkoholiker (AA) im Stadtteil Caltitlán der Stadt Tlapa de Comonfort einen Vortrag zu halten. Er kam dort nie an und blieb von da an verschwunden. Am 12. Oktober gegen Mitternacht tauchte der Lieferwagen, den er benutzt hatte, verlassen in einem anderen Teil der Stadt auf. Der Schlüssel steckte noch im Zündschloss. Bei der Familie ging keine Lösegeldforderung ein.
Die Behörden des Bundesstaates nahmen anfangs nur widerwillig die Suche und Ermittlungen zu dem Verschwinden von Arnulf Cerón auf, nahmen dann jedoch zwei mögliche Tatverdächtige in Haft, einen am 23. Oktober, den anderen am 6. November.
Ab dem 12. November waren Angehörige der Bundesbehörde für Vermisste Comisión Nacional de Búsqueda de Personas Desaparecidas an der Suche beteiligt. Am 20. November, nach dem Auffinden des Leichnams von Arnulfo Cerón kündigten die Behörden des Bundesstaates an, dass sie eine Mordermittlung aufgenommen haben und auch das Verschwindenlassen weiter untersuchen. 
Der Bundesstaat Guerrero ist für seine schwachen Institutionen und die tiefverwurzelten Verflechtungen zwischen dem Organisierten Verbrechen und den Sicherheitskräften, sowohl auf bundesstaatlicher als auch auf kommunaler Ebene, berüchtigt. Die Verbrechen Verschwindenlassen und Tötung von MenschenrechtsverteidigerInnen ziehen eigentlich nie eine Strafverfolgung nach sich.

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