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Pakistan
Aktiv seit 21. Mai 2020 | Noch 27 Tage Laufzeit

Verbleib von verschwundenem Menschenrechtsverteidiger nach wie vor ungeklärt

AI-Index: ASA 33/2331/2020

Der Verbleib des pakistanischen Menschenrechtsverteidigers und unabhängigen Researchers Muhammad Idris Khattak ist nach seinem Verschwinden am 13. November 2019 weiterhin ungeklärt. Er ist Diabetiker und benötigt täglich Medikamente. Damit ist er angesichts der COVID-19-Pandemie besonders stark gefährdet. Seine Töchter befürchten, dass ihr Vater in Gefahr ist, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.

Es besteht grosse Sorge um das Leben und die Sicherheit von Muhammad Idris Khattak, einem 56-jährigen Menschenrechtsverteidiger und ehemaligen Berater von Amnesty International. Er soll am 13. November 2019 von Männern in Zivil mitgenommen und Opfer des Verschwindenlassens geworden sein.

Als Menschenrechtler und unabhängiger Researcher hat Muhammad Idris Khattak in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa und den ehemaligen Stammesgebieten unter Bundesverwaltung Menschenrechtsverletzungen dokumentiert.

Amnesty International hat keine Informationen darüber, ob und inwiefern Muhammad Idris Khattak, der Diabetiker ist und täglich Medikamente benötigt, vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt wird. Seine Töchter Shumaisa und Talia machen sich sehr grosse Sorgen um ihn.

Das Verschwindenlassen ist eine der grausamsten Strafen. Den Aufenthaltsort und das Schicksal eines nahestehenden Menschen nicht zu kennen, wie es bei der Familie von Muhammad Idris Khattak der Fall ist, sorgt für viel Kummer und Leid. Fälle des Verschwindenlassens wirken sich schon lange negativ auf die Menschenrechtsbilanz Pakistans aus. Zum 30. Juni 2019 lagen der von der pakistanischen Regierung eingerichteten Untersuchungskommission für Fälle des Verschwindenlassens 2.141 ungelöste Fälle vor.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Muhammad Idris Khattak hat in der Vergangenheit als Berater für Amnesty International und andere internationale Menschenrechtsorganisationen gearbeitet. Seit Jahren dokumentiert er Menschenrechtsverletzungen und humanitäre Krisen in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa und den ehemaligen Stammesgebieten unter Bundesverwaltung.
Er befand sich am 13. November 2019 auf dem Heimweg aus Islamabad, als sein Mietwagen in der Nähe des Autobahnkreuzes Swabi in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa angehalten wurde. Ausser ihm befand sich nur der Fahrer im Fahrzeug, mit dem Muhammad Idris Khattak bereits häufiger gereist war. Auch dieser wurde am 13. November verschleppt. Die Familie von Muhammad Idris Khattak erfuhr von dessen Verschwinden erst, als der Fahrer in der Nacht zum 15. November freigelassen wurde.
Gemäss dem von seiner Familie eingereichten Antrag auf polizeiliche Registrierung des Falls haben vier Männer in Zivil Muhammad Idris Khattak und seinem Fahrer schwarze Säcke über den Kopf gestülpt und sie an einen geheimen Ort gebracht.
Menschen, die Opfer des Verschwindenlassens werden, droht Folter oder gar der Tod. Die körperlichen und seelischen Folgen sind auch nach ihrer Freilassung noch spürbar. Das Verschwindenlassen ist ein Instrument der Unterdrückung, das sich nicht nur gegen einzelne Personen und Familien sondern auch gegen ganze Bevölkerungsgruppen richtet. Verschwindenlassen ist ein Verbrechen nach dem Völkerrecht. Wird Verschwindenlassen in Verbindung mit einem grossflächigen oder systematischen Angriff begangen, stellt es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
In Pakistan wird das Verschwindenlassen häufig als Instrument benutzt, um abweichende Meinungen und Kritik an militärischen Massnahmen zu unterdrücken. Zu den Einzelpersonen und Gruppen, die Opfer des Verschwindenlassens werden, gehören Sindhis, BelutschInnen, PaschtunInnen, SchiitInnen, politische AktivistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, Mitglieder und UnterstützerInnen religiöser und nationalistischer Gruppen, mutmassliche Mitglieder bewaffneter Gruppen und Angehörige von in Pakistan verbotenen religiösen und politischen Organisationen.
Amnesty International sind 2019 fortlaufend Berichte über das Verschwindenlassen und die willkürliche Festnahme von DissidentInnen, Studierenden und anderen BürgerInnen aus dem ganzen Land zugegangen. Im Januar 2019 verschwand der politische Dissident Ahmad Mustafa Kanju aus seinem Haus in Rahim Yar Khan in der Provinz Punjab. Im Oktober 2019 wurde Suleman Farooq Chaudhry, ein junger Ingenieur, der sich in den sozialen Netzwerken kritisch zur Regierung geäussert hatte, ausserhalb Islamabads festgenommen. Der Aufenthaltsort beider Männer ist ihren Familien nach wie vor nicht bekannt.
Nach dem Internationalen Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen bedeutet Verschwindenlassen die «Festnahme, der Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird».
Die derzeitige Regierung unter Imran Khan hat versprochen, das Verschwindenlassen gesetzlich unter Strafe zu stellen. Bisher gab es allerdings keine entsprechenden Gesetzesvorlagen im Parlament. Laut Shireen Mazari, der Ministerin für Menschenrechte, hat die Regierung die Absicht, das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen zu unterzeichnen, doch gab es in dieser Hinsicht noch keine Fortschritte. Stattdessen wird die Praxis des Verschwindenlassens im Land weiterhin straflos fortgesetzt.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 2. Juli 2020.
  • Schreiben Sie in gutem Urdu, Englisch oder auf Deutsch.

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Modellbrief

Exzellenz

Ich bin in grosser Sorge um das Leben und die Sicherheit von Muhammad Idris Khattak, einem 56-jährigen Menschenrechtsverteidiger und ehemaligen Berater von Amnesty International. Er soll am 13. November 2019 von Männern in Zivil mitgenommen und Opfer des Verschwindenlassens geworden sein.

Als Menschenrechtler und unabhängiger Researcher hat Muhammad Idris Khattak in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa und den ehemaligen Stammesgebieten unter Bundesverwaltung Menschenrechtsverletzungen dokumentiert.

Muhammad Idris Khattak ist Diabetiker und benötigt täglich Medikamente. Wie wird er vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt? Seine Töchter Shumaisa und Talia machen sich sehr grosse Sorgen um ihn.

Bitte informieren Sie die Familie von Muhammad Idris Khattak sofort über seinen Aufenthaltsort.

Sorgen Sie dafür, dass er unverzüglich freigelassen oder vor ein ziviles Gericht gestellt wird, um über die Rechtmässigkeit seiner Festnahme oder Inhaftierung zu entscheiden.

Hochachtungsvoll,

Appelle an

PREMIERMINISTER
Imran Khan, Prime Minister’s Office
Constitution Avenue G-5/2, Islamabad
PAKISTAN

Fax: (00 92) 51-9215519
E-Mail: info@pmo.gov.pk
Twitter: @ImranKhanPTI

 

 

Kopien an

Ambassade du Pakistan
Bernastrasse 47
3005 Berne

Fax: 031 350 17 99
E-mail: parepbern@gmail.com
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