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UA 146/19
USA (Texas)
Aktiv seit 31. Oktober 2019 | Noch 1 Tage Laufzeit

Hinrichtung abwenden!

AI-Index: AMR 51/1338/2019

Rodney Reed soll am 20. November in Texas hingerichtet werden. Er war 1998 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, hat die Tat jedoch stets abgestritten. Mehrere ExpertInnen und ZeugInnen haben in eidesstattlichen Erklärungen die Beweislage und Verurteilung von Rodney Reed infrage gestellt.

Rodney Reed wurde 1998 wegen des Mordes an Stacey Stites zum Tode verurteilt und befindet sich seither im Todestrakt. Rodney Reed ist schwarz, Stacey Stites war eine weisse Frau, die am 23. April 1996 in Texas getötet wurde. Ihre Leiche wies DNA-Spuren auf, die Rodney Reed zugeordnet wurden. Seinen Angaben zufolge hatte er mit Stacey Stites eine einvernehmliche romantische Beziehung. Sie war mit einem weissen Polizisten verlobt und Rodney Reed stritt zunächst ab, sie zu kennen, da er befürchtete, für ihren Mord verantwortlich gemacht zu werden. Seither haben mehrere ZeugInnen ihre Beziehung bestätigt. Im Gerichtsverfahren sagte ein forensischer Gutachter aus, dass die DNA-Spuren von Rodney Reed an der Leiche von einer Vergewaltigung stammen, die zeitgleich mit dem Mord stattgefunden haben soll. Er zog seine Aussage später zurück. Andere ExpertInnen zweifeln den vor Gericht angegebenen Todeszeitpunkt und die Beweislage gegen Rodney Reed an.

Es gab bereits 2015 einen Hinrichtungstermin, der jedoch aufgrund neuer Beweise ausgesetzt wurde. Allerdings haben die texanischen Gerichte wiederholt Anträge abgewiesen, die neuen Beweise auf DNA-Spuren testen zu lassen. Stattdessen wurde ein neuer Hinrichtungstermin für den 20. November 2019 festgelegt. Am 21. Oktober baten die Rechtsbeistände von Rodney Reed den Gouverneur von Texas um einen Hinrichtungsaufschub von 30 Tagen, damit der Begnadigungsausschuss eine mögliche Umwandlung des Todesurteils prüfen kann. Am 30. Oktober wurde ein Gnadengesuch eingereicht.

Internationale Schutzmechanismen für zum Tode verurteilte Personen schreiben vor, dass die Todesstrafe nur dann verhängt werden darf, wenn die Schuld der angeklagten Person in eindeutiger und überzeugender Weise, die keine andere Erklärung des Sachverhalts zulässt, nachgewiesen wurde.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Einschätzungen von GutachterInnen und weitere Beweise schüren Zweifel an der Version der Staatsanwaltschaft und den forensischen Beweisen, auf die sie sich stützt. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass die DNA-Spuren von Rodney Reed an der Leiche von einer Vergewaltigung stammen, die zeitgleich mit dem Mord um etwa 03:00 Uhr am 23. April 1996 stattgefunden haben soll. Der forensische Gutachter der Staatsanwaltschaft hat seither eine Stellungnahme unterzeichnet, in der er der Staatsanwaltschaft vorwirft, sein Gutachten missbraucht zu haben. Er erklärt, dass seine Einschätzung «vor Gericht nicht als präzise Feststellung des Todeszeitpunktes von [Stacey] Stites hätte verwendet werden dürfen» und dass sich das Sperma schon seit mehr als 24 Stunden vor ihrem Tod in ihrem Körper hätte befunden haben können. Dies deckt sich mit der Aussage von Rodney Reed, in diesem Zeitraum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit dem Opfer gehabt zu haben. Drei forensische PathologInnen sind ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass keine Beweise dafür vorliegen, dass Stacey Stites Opfer eines sexuellen Übergriffes geworden ist, statt mindestens 24 Stunden vor ihrem Tod einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Sie stellten fest, dass sie vor 24:00 Uhr am 22. April 1996 getötet wurde und dass sie etwa vier bis sechs Stunden mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen haben muss, bevor sie an den Ort gebracht wurde, an dem man sie letztlich fand. Einer der Gutachter führte an, dass die forensischen Beweise die Version der Staatsanwaltschaft über den Todeszeitpunkt «medizinisch und wissenschaftlich unmöglich» machen. Ein anderer kam zu dem Ergebnis, «dass es auf Grundlage der forensischen Beweise aus medizinischer Sicht an Sicherheit grenzt, dass [Rodney] Reed für ein Verbrechen hingerichtet werden soll, das er nicht begangen hat.»
Bei der Todesstrafe handelt es sich um die ultimative Verweigerung der Menschenrechte. Seit 1973 wurden in den USA 166 Todesurteile aufgehoben, nachdem sich herausstellte, dass die Verurteilten unschuldig waren.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 20. November 2019.
  • Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Gouverneur,

Mit grosser Sorge habe ich erfahren, dass Rodney Reed am 20. November hingerichtet werden soll, obwohl Zweifel an seiner Schuld bestehen.

Bitte empfehlen Sie dem Begnadigungsausschuss, Rodney Reed zu begnadigen, und geben Sie dem entsprechenden Antrag statt.

Stoppen Sie bitte die Hinrichtung von Rodney Reed und setzen Sie auch alle weiteren geplanten Exekutionen aus.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

GOUVERNEUR VON TEXAS
Greg Abbott
Office of the Governor
P.O. Box 12428
Austin, Texas 78711
USA

Fax: (00 1) 512 463 5745
E-Mail über das Kontaktformular: https://www.txdirectory.com/contact/

Anrede: Dear Governor Abbott / Sehr geehrter Herr Gouverneur

 

 

Kopien an

Ambassade des Etats-Unis d'Amérique
Sulgeneckstrasse 19
3007 Berne

Fax : 031 357 73 20
E-mail: BernPA@state.gov ; bern-protocol@state.gov
33 Briefe verschickt  
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