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Startseite Urgent Actions 2019 10 Detained journalist in critical condition
UA 140/19
Marokko
Abgeschlossen am 6. Oktober 2019

Inhaftierter Journalist in kritischem Zustand

AI-Index: MDE 29/1296/2019

Der marokkanische Journalist Rabie Lablak ist im Gefängnis Tanger 2 seit mehr als 45 Tagen im Hungerstreik. Er protestiert damit gegen die Folter und andere Misshandlung, die er nach eigenen Angaben durch marokkanische Sicherheitsbeamte erlitten hat. Die Gefängnisverwaltung behauptet, nichts von dem Hungerstreik gewusst zu haben, obwohl er bereits über 45 Tage andauert. Rabie Lablak habe die Verwaltung nie über seinen Hungerstreik informiert und seine Aktivitäten würden zeigen, dass er bei guter Gesundheit sei.

Am 6. September 2019 trat der inhaftierte Journalist Rabie Lablak in den Hungerstreik und teilte dies seiner Familie bei einem Besuch mit. Nach dem Besuch gab sein Bruder den Hungerstreik öffentlich bekannt. Am 25. Oktober bestätigte seine Anwältin Souad Brahma nach einem Besuch, dass der Gesundheitszustand von Rabie Lablak kritisch sei. Er wäre kaum in der Lage gewesen zu sprechen oder zu gehen und hätte von zwei Personen gestützt werden müssen. «Er hat sehr viel Gewicht verloren. Sein Körper ist sehr geschwächt».

Nach dem Besuch der Anwältin wurde Rabie Lablak auf der Krankenstation des Gefängnisses aufgenommen, die ihren Angaben zufolge schlecht ausgestattet und nicht darauf vorbereitet ist, Menschen in einem kritischen Gesundheitszustand zu versorgen. Während die Familie und Rechtsbeistände über seinen Gesundheitszustand in grosser Sorge sind, veröffentlichte die Gefängnisverwaltung vergangene Woche drei Erklärungen, in der sie bestritt, etwas von dem Hungerstreik zu wissen und dem schlechter werdenden Gesundheitszustand noch immer keine Beachtung schenkte.

Rabie Lablak wurde im April in das Gefängnis Tanger 2 gebracht. Er war im Mai 2017 wegen seiner Beteiligung an den Hirak El-Rif Protesten im Gefängnis von Casablanca inhaftiert worden. Im Juni 2018 wurde Rabie Lablak in einem seiner Anwältin zufolge unfairen Verfahren wegen «Verbreitung von Falschinformationen und Vereinnahmung des journalistischen Berufs» zu fünf Jahren Haft verurteilt.  Vergangene Woche besuchte eine Delegation des Marokkanischen Rates für Menschenrechte Rabie Lablak. Der im Rat für Gefängnisse verantwortliche Arzt war bei dem Besuch entsetzt über den Gesundheitszustand von Rabie Lablak und bestätigte, dass er umgehend in ein Krankenhaus überstellt werden müsse. Trotz dieser Aussage ist Rabie Lablak wegen der Untätigkeit der Behörden weiterhin in Lebensgefahr.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Rabie Lablak ist einer von mehreren marokkanischen JournalistInnen, AktivistInnen ud MenschenrechtsverteidigerInnen, die 2017 zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, weil sie sich friedlich an den Protesten der Hirak-El-Rif-Bewegung in Marokko beteiligt hatten. Er wurde am 11. April vom Gefängnis Okasha in Casablanca in das Gefängnis Tanger 2 in Tanger gebracht. Dies hat Rabie Lablak und seine Mitgefangenen noch weiter isoliert, da es den Familien durch die grosse Entfernung fast unmöglich ist, ihre Angehörigen zu besuchen. Zurzeit der Überstellung war Rabie Lablak ebenfalls im Hungerstreik, um seine Freilassung zu fordern und gegen das unfaire Verfahren zu demonstrieren.
Zwischen dem 26. Mai und dem 15. Juli 2017 nahmen Angehörige der marokkanischen Strafverfolgungsbehörden 54 Personen mit Verbindungen zu Hirak El-Rif fest, darunter den Anführer der Proteste Naser Zefzafi, die friedlichen Demonstrierenden Nabil Hamjike, Ouassim El Bousestatii, Achraf El Yakhloufi, Mohamed Jelloul und Mohamed El Mejaoui, die Journalisten Hamid El Mahdaoui und Rabie Lablak sowie die Bürgerjournalisten Mohamed El Asrihi, Hussein El Idrissi und Fouad Essaidi; darüberhinaus NachbarInnen und FreundInnen von Nasser Zefzafi, darunter seine Brüder Ibrahim und Othmane Bouziane.
Die Rif-Bewegung fordert soziale Gerechtigkeit und bessere öffentlichen Dienstleistungen für die seit langem marginalisierte Region im Norden des Landes. Die Rechtsbeistände geben an, dass aufgrund ihres friedlichen Protestes, ihrer abweichenden Meinungen oder ihrer Berichterstattung in den sozialen Medien gegen viele konstruierte Anklagen erhoben wurden. Seit Mai 2017 hat die Polizei Hunderte Menschen im Zusammenhang mit den Rif-Protesten oftmals willkürlich festgenommen, unter ihnen friedliche AktivistInnen und einige JournalistInnen und viele sind inzwischen mit Anklagen im Zusammenhang mit den Protesten zu Gefängnisstrafen von bis zu 20 Jahren verurteilt worden.
Seit 2017 gab es bereits mehrere Hungerstreiks von Gefangenen der Rif-Proteste, darunter schon 2017 insgesamt 35 im Ain-Sbaa-1-Gefängnis in Casablanca. Einige traten in den Hungerstreik, um gegen vermeintliche Vergeltungsmassnahmen in Form von Durchsuchungen und Leibesvisitationen gegen Hungerstreikende am 20. September 2017 zu protestieren. Marokkos Delegation für Gefängnisverwaltung und Wiedereingliederung hat die Hungerstreiks wiederholt in der Öffentlichkeit geleugnet, obwohl mehrere Gefangene wegen ihres Hungerstreiks bereits Treffen mit MitarbeiterInnen der Justiz hatten und auf die Krankenstation verlegt wurden, weil sich ihr Gesundheitszustand durch den Hungerstreik verschlechtert hatte.

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