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Simbabwe
Abgeschlossen am 5. November 2019

Verschwundener Arzt gefoltert aufgefunden

AI-Index: AFR 46/1086/2019

Am 19. September 2019 wurde Dr. Peter Magombeyi lebend aufgefunden, nachdem er vier Tage zuvor verschleppt worden war. Allerdings war der Arzt desorientiert und verletzt. Er gab an, dass er in einem Keller festgehalten und gefoltert worden sei. Es wird befürchtet, dass ihm von seinen Entführen eine unbekannte Substanz injiziert wurde. Die Regierung wirft ihm vor, die Entführung vorzutäuschen. Ausserdem versuchte sie seine Ausreise ins Ausland zu verhindern, wo er sich momentan in medizinischer Behandlung befindet. Dr. Peter Magombeyi droht bei seiner Rückkehr nach Simbabwe die Festnahme und eine Anklage wegen «Vortäuschung einer Entführung».

Am 19. September 2019 wurde Dr. Peter Magombeyi in dem Dorf Nyabira, etwa 33 Kilometer von Harare entfernt, lebend aufgefunden. Er war am 14. September aus seinem Haus in Harare verschleppt worden. Dr. Peter Magombeyi ist amtierender Vorsitzender des Krankenhausärzteverbands von Simbabwe und hatte in dieser Funktion zwei Wochen vor seinem Verschwinden dem Minister für Gesundheits- und Kinderversorgung einen landesweiten Streik der ÄrztInnen angekündigt. Momentan hält er sich zur medizinischen Behandlung in Südafrika auf. Es wird befürchtet, dass er von seinen Entführen vergiftet wurde. Die Regierung von Simbabwe wirft ihm vor, die Entführung vorgetäuscht zu haben.

Die Behörden sind rechtlich dazu verpflichtet, die Rechte von Dr. Peter Magombeyi auf Leben, Freiheit und persönliche Sicherheit zu respektieren und zu schützen. Dr. Peter Magombeyi hat das Recht auf eine angemessene medizinische Versorgung – auch ausserhalb des Landes.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Am 30. August 2019 kündigte der Krankenhausärzteverband von Simbabwe (ZHDA) in einem Schreiben an den Minister für Gesundheits- und Kinderversorgung und den Staatssekretär für Gesundheit an, dass die ÄrztInnen landesweit ab dem 3. September ihre Arbeit einstellen würden. Sie begründeten ihren Schritt mit ihrer unzureichenden Bezahlung. Ausserdem sei die Arbeitgeberseite bisher zu keinen Verhandlungen bereit gewesen. Dr. Peter Magombeyi hatte das Schreiben als amtierender ZHDA-Vorsitzender unterzeichnet. Infolgedessen wurde er, mutmasslich von Geheimdienstangehörigen, bedroht: Wenn er weiter den Streik organisiere, dann würden sie ihn entführen. Dr. Peter Magombeyi erhielt Textnachrichten von einer lokal registrierten Nummer, von denen Screenshots vorliegen. In einer davon hiess es: «Sag nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte. Stell dich nur weiter stur. Du wirst von einem Wirbelsturm erfasst werden. Wir kommen immer näher.»

ÄrztInnen in Simbabwe verdienen weniger als 40 Euro monatlich (der Durchschnitt in der Region liegt bei etwa 1.300 Euro). Sie streiken für höhere Löhne sowie eine bessere Ausstattung der staatlichen Krankenhäuser mit Geräten und Medikamenten. Als Folge von Misswirtschaft hat sich das staatliche Gesundheitssystem in Simbabwe in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Immer wieder haben ÄrztInnen gegen die medizinische Unterversorgung, die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens und die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert.

Am 14. September gegen 22 Uhr drangen drei unbekannte bewaffnete Männer in das Haus von Dr. Peter Magombeyi im Vorort Budiriro von Harare ein und verschleppten ihn. Am Abend des 19. September wurde er lebend, aber verwirrt, im Dorf Nyabira aufgefunden, das etwa 33 Kilometer nordwestlich von Harare liegt. Die Regierung von Simbabwe tat die Entführung schnell als «vorgetäuscht» ab. Der Staatssekretär im Geheimdienstministerium und Regierungssprecher, Nick Mangwana, bezeichnete Dr. Peter Magombeyi – offenbar in Anspielung auf eine retrograde Amnesie – auf Twitter als «retrograden Lügner».

Am 23. September empfahlen die behandelnden ÄrztInnen Dr. Peter Magombeyi, sich in Südafrika weiterbehandeln zu lassen. Doch als er ausreisen wollte, wurde er am Flughafen festgehalten. Später wurde er in das Krankenhaus in Harare zurückgebracht, in dem er behandelt wurde. Einen Tag später brachte sein Vater die Sache vor das Hohe Gericht. Dieses befand, dass Dr. Peter Magombeyi ausreisen dürfe, da er nicht verhaftet sei. Doch entgegen des Beschlusses hinderte ihn die Polizei am selben Tag daran, das Krankenhaus in Harare zu verlassen. Gleichzeitig reichte sie einen Eilantrag gegen den Gerichtsbeschluss ein, der dann am 25. September verhandelt wurde. In dem Antrag hiess es, dass Dr. Peter Magombeyi nicht reisefähig sei und deswegen das Land nicht verlassen könne. Wenn er sich in Südafrika weiterbehandeln lassen wolle, müssten die Polizeibehörden erst Massnahmen ergreifen, um seine Sicherheit auf der Reise gewährleisten zu können. Das Hohe Gericht wies den von der Polizei eingereichten Antrag ab und ordnete an, Dr. Peter Magombeyi umgehend frei- und ausreisen zu lassen. Daraufhin konnte er nach Südafrika reisen. Es bestehen aber nun Bedenken, dass er bei seiner Rückkehr festgenommen wird, da ihn die Regierung beschuldigt, seine Entführung nur vorgetäuscht zu haben.

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