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Startseite Urgent Actions 2019 08 Detained protesters denied medical care
UA 106/19
Nigeria
Abgeschlossen am 30. September 2019

Medizinische Versorgung in Haft verwehrt

AI-Index: AFR 44/0906/2019

Mindestens 15 inhaftierte Mitglieder der Islamischen Bewegung in Nigeria, darunter zwei Kinder, benötigen dringend medizinische Versorgung. Sie hatten am 22. Juli an einer friedlichen Demonstration teilgenommen. Als die Polizei mit Tränengas und scharfer Munition gegen die Demonstrierenden vorging, wurden sie angeschossen und anschliessend festgenommen. Seit ihrer Inhaftierung werden ihnen die medizinische Versorgung und der Zugang zu ihren Rechtsbeiständen und Familienangehörigen verwehrt.

Am 22. Juli nahm die nigerianische Polizei während einer friedlichen Demonstration in Abuja mindestens 18 Mitglieder der Islamischen Bewegung in Nigeria (Islamic Movement in Nigeria – IMN) fest. Sie hatten die Freilassung ihres geistigen Führers Scheich Ibraheem El Zakzaky gefordert. Die Situation wurde gewalttätig, als die nigerianische Polizei mit Tränengas und scharfer Munition versuchte, die Demonstration aufzulösen. Einige Mitglieder der IMN wurden während des Protests festgenommen, andere bei der Behandlung ihrer Schusswunden in der Universitätslehrklinik von Abuja.

Glaubwürdigen Berichten zufolge sind zwei verletzte Demonstrierende zwischen dem 22. und 23. Juli aufgrund fehlender medizinischer Versorgung im Gewahrsam gestorben. Eine dritte Person starb am 24. Juli. Vor ihrem Tod hatten sie die diensthabenden PolizistInnen dringend gebeten, sie ihn ein Krankenhaus zu bringen, doch diese ignorierten ihre Bitten und machten sich stattdessen über ihre religiöse Überzeugung und die Beteiligung an der Demonstration lustig.

Die übrigen 15 IMN-Mitglieder befinden sich in einem kritischen Zustand. Sie haben mehrere Schusswunden an den Beinen, im Magen, der Hüfte und manche können nicht gehen. Unter den Inhaftierten befinden sich auch zwei Mädchen, alle 15 werden in derselben Zelle festgehalten. Ihnen allen wird der Zugang zur dringend erforderlichen medizinischen Behandlung und zu ihren Rechtsbeiständen und Familienangehörigen verweigert.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die IMN ist eine schiitische religiöse und politische Organisation unter der Führung von Scheich Ibraheem Yaqub El-Zakzaky und möchte seit den 1980ern den schiitischen Islam in Nigeria einführen. Zwischen dem 12. und 14. Dezember 2015 wurden nach Recherchen von Amnesty International in Zaria im Bundesstaat Kaduna mehr als 350 IMN-Mitglieder von Sicherheitskräften getötet.
Seit dem Massaker in Zaria 2015 haben die nigerianischen Sicherheitskräfte immer wieder exzessive Gewalt angewendet, um gegen unbewaffnete IMN-Demonstrierende vorzugehen. Am 31. Oktober 2018 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, der die grausame exzessive Gewaltanwendung durch SoldatInnen und die Polizei belegt, die zur Tötung von mindestens 45 IMN-UnterstützerInnen führte. Diese hatten an zwei Tage dauernden IMN-Demonstrationen teilgenommen, als die schiitische Gruppe friedliche religiöse Prozessionen in der Gegend von Abuja abhielt. Sie forderten die Freilassung von Scheich Ibraheem El Zakzaky, dessen Haft ein Bundesgericht bereits im Dezember 2016 als rechtswidrig und verfassungswidrig bezeichnet hatte.
In den vergangenen Tagen haben Mitglieder der IMN täglich friedlich in der Hauptstadt Abuja demonstriert und die Freilassung von Scheich Ibraheem El Zakzaky gefordert, der sich weiter in Haft befindet und medizinische Versorgung benötigt.
Die nigerianischen Behörden haben bislang niemand wegen der aussergerichtlichen Hinrichtung unbewaffneter IMN-Demonstrierender zur Rechenschaft gezogen. Dies ermutigt die Sicherheitskräfte, straflos weiter zu agieren.

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