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Startseite Urgent Actions 2019 07 Newspaper editor detained without charge
UA 101/19
Südsudan
Abgeschlossen am 5. September 2019

Zeitungsredakteur ohne Anklage in Haft

AI-Index: AFR 65/0791/2019

Am 15. Juli zerrten Angehörige des südsudanesischen Geheimdienstes NSS den 40-jährigen Zeitungsredakteur Michael Rial Christopher aus einem Flugzeug nach Kenia. Seitdem ist er willkürlich in Juba inhaftiert. Er wird in der NSS-Zentrale, dem sogenannten Blue House, festgehalten.

Michael Rial Christopher ist Chefredakteur der Tageszeitung Al-Watan. Am 15. Juli 2019 wurde der Südsudanese vom Geheimdienst NSS in Juba willkürlich festgenommen, kurz nachdem er ein Flugzeug nach Nairobi, Kenia, bestiegen hatte. Er befindet sich aktuell ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand in der NSS-Zentrale, dem Blue House, in Haft. Nach Angaben eines Angehörigen wurde Michael Rial Christopher nicht über etwaige gegen ihn anhängige Klagen informiert.

Im Januar 2019 war Al-Watan nach der Veröffentlichung eines Meinungsartikels, in dem Michael Rial Christopher sich für die Proteste im Sudan ausgesprochen hatte, von der Medienbehörde und dem NSS davor gewarnt worden, weiter über die regierungsfeindlichen Proteste zu berichten. Nachdem er Morddrohungen erhalten hatte, die seines Erachtens von Angehörigen des NSS stammten, floh Michael Rial Christopher im Januar 2019 vorübergehend aus dem Südsudan, kehrte im Februar jedoch ins Land zurück. Im März 2019 musste Al-Watan auf Anordnung der Behörden schliessen. Der Zeitung wurde vorgeworfen, ohne Genehmigung tätig gewesen zu sein – ein Vorwurf, den Michael Rial Christopher zurückweist.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Seit im Dezember 2013 der bewaffnete Konflikt im Südsudan ausgebrochen ist, wurden bereits mehrere Hundert Menschen, überwiegend Männer, im Auftrag des südsudanesischen Nationalen Geheimdienstes NSS und des Militärgeheimdienstes in verschiedenen über die Hauptstadt Juba verteilten Hafteinrichtungen inhaftiert.
Amnesty International hat zahlreiche willkürliche Inhaftierungen des NSS dokumentiert. In mehreren Hafteinrichtungen sind die Gefangenen Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt – einige werden ohne Kontakt zur Aussenwelt und ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand oder Familienangehörigen festgehalten. Andere sind Opfer des Verschwindenlassens geworden.
In der Zentrale des NSS (Blue House) im Stadtteil Jebel werden Inhaftierte brutal geschlagen, vornehmlich während ihrer Verhöre oder als Form der Bestrafung. Aufgrund der schlechten Haftbedingungen und des unzureichenden Zugangs zu medizinischer Versorgung verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand der Gefangenen häufig.
Die südsudanesischen Behörden setzen seit dem Ausbruch des Konflikts im Dezember 2013 häufig willkürliche Inhaftierungen, Verschwindenlassen sowie Folter und andere Formen der Misshandlung ein.
Das politische Klima im Südsudan lässt keine Kritik an der Regierung und ihrer Politik zu. Es kommt zu Einschüchterungen, Schikane und Inhaftierung von zivilgesellschaftlich engagierten Personen, MenschenrechtsverteidigerInnen und unabhängigen JournalistInnen. Dies wiederum erzeugt ein Klima der Selbstzensur in den Medien und bei MenschenrechtsverteidigerInnen; die Menschen fühlen sich durch die engmaschige staatliche Überwachung nicht mehr in der Lage, frei und offen über den Konflikt und die Menschenrechtssituation im Land zu sprechen

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