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Kolumbien
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13.08.2019: Correction

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Menschenrechtlerin in Lebensgefahr

AI-Index: AMR 23/0874/2019

Am 6. Juli brachen Unbekannte in das Haus von Danelly Estupiñan ein. Die Menschenrechtsverteidigerin war nicht zuhause. Mehrere Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass Unbekannte ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt hätten. Die Organisation Proceso de Comunidades Negras en Colombia (PCN) und andere Organisationen informierten die Staatsanwaltschaft über diesen Angriff und die Lebensgefahr, in der sich Danelly Estupiñan befindet, und forderten eine sofortige Reaktion.

Danelly Estupiñan ist eine Menschenrechtsverteidigerin der afrokolumbianischen Organisation Proceso de Comunidades Negras en Colombia (PCN). Seit Dezember 2018 wird Danelly Estupiñan beobachtet. Nachdem sie die Überwachung der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte, nahm diese in den vergangenen Monaten zu. Am 6. Juli zerstörten unbekannte Männer die Sicherheitsvorrichtung an der Haustür von Danelly Estupiñan und brachen in ihr Haus ein. Die Menschenrechtsverteidigerin war nicht zuhause. Dieser Vorfall ereignete sich zur gleichen Zeit als örtliche Organisationen Berichte darüber erhielten, dass ein Kopfgeld auf die Menschenrechtsverteidigerin ausgesetzt worden sei. Amnesty International fordert die Behörden auf, diese Vorfälle umgehend und zielführend zu untersuchen, die Angreifer zu identifizieren und sie daran zu hindern, Danelly Estupiñan erneut körperlich oder seelisch zu bedrohen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Danelly Estupiñan arbeitet bei der afrokolumbianischen Organisation Proceso de Comunidades Negras en Colombia (PCN), die für die Rechte dieser Bevölkerungsgruppe in Kolumbien eintritt. 2015 wurde sie in das kolumbianische Schutzprogramm der Unidad Nacional de Protección (UNP) aufgenommen, 2018 erhielt sie außerdem Schutz im Rahmen eines spanischen Programms für gefährdete MenschenrechtsverteidigerInnen. Danelly Estupiñan leitet Workshops zu Menschenrechten und kollektivem Schutz in verschiedenen Gemeinschaften in Buenaventura und führt Aktionen und Lobbyarbeit durch, um Gemeinschaften zu schützen, auf deren Territorien grosse Infrastrukturprojekte geplant sind. 
MenschenrechtsverteidigerInnen sind in Kolumbien extrem gefährdet. Im Januar 2019 berichtete die in Irland gegründete internationale Stiftung Frontline Defenders, dass Kolumbien 2018 das gefährlichste Land für MenschenrechtsverteidigerInnen war. Laut Angaben der Organisation Somos Defensores kam es zwischen Januar und März 2019 zu 234 Angriffen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen, in 207 Fällen wurden sie bedroht, 25 MenschenrechtlerInnen wurden getötet. Dieselbe Organisation berichtete, dass zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Juli 2018 insgesamt 336 MenschenrechtlerInnen und führende Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft getötet wurden und sieben verschwanden. Davon fanden allein 253 Tötungen und vier Fälle von Verschwindenlassen zwischen der Unterzeichnung des Friedensabkommens am 24. November 2016 und dem 31. Juli 2018 statt.
Die von der Frauenrechtsorganisation SISMA Mujer erhobenen Daten belegen, dass es seit 2016 einen bemerkenswerten Anstieg an Tötungen von Menschenrechtsverteidigerinnen und führenden Frauen der Zivilgesellschaft gegeben hat: zwischen Januar 2016 und Juli 2017 um 13,3% und von Januar 2017 bis Juli 2018 um 14,3%. Die am häufigsten angegriffenen Gruppen von MenschenrechtlerInnen und FrauenrechtlerInnen sind GemeindesprecherInnen, LandrechtsverteidigerInnen – meist aus indigenen oder afrokolumbianischen Bevölkerungsgruppen – und führende Persönlichkeiten, die Landrechte einklagen. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Drohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen. Die Ermittlungen in diesen Fällen kommen nur schleppend voran. Die Gewalt gegen MenschenrechtlerInnen und zivilgesellschaftliche SprecherInnen ist nach wie vor eines der grössten Probleme bei der Umsetzung des Friedensabkommens.

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