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Startseite Urgent Actions 2019 05 Ahwazi Arab men at risk of execution
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Iran
Aktiv seit 8. Mai 2019 | Noch 25 Tage Laufzeit

Zwei Angehörigen der Ahwazi-Minderheit droht Hinrichtung

AI-Index: MDE 13/0321/2019

Den beiden Männern Abdullah Karmollah Chab und Ghassem Abdullah droht nach einem grob unfairen Verfahren die Hinrichtung. Beide gehören der Ahwazi-arabischen Minderheit im Iran an. Ihre unter Folter und anderen Misshandlungen abgelegten «Geständnisse» wurden für den Schuldspruch herangezogen. Sie wurden eigenen Angaben zufolge mit Elektroschocks und Scheinhinrichtungen dazu genötigt. Beide Fälle liegen nun dem Obersten Gerichtshof vor.

Wie Amnesty International erst kürzlich erfuhr, befinden sich die beiden sunnitischen Muslime der Ahwazi-arabischen Minderheit, Abdullah Karmollah Chab und Ghassem Abdullah, zurzeit im Iran im Todestrakt. Sie wurden im Zusammenhang mit einem bewaffneten Anschlag auf ein schiitisches Religionsfest in Safiabad in der Provinz Khuzestan (Chusestan) am 16. Oktober 2015, bei dem zwei Menschen starben, der Feindschaft zu Gott (moharebeh) schuldig gesprochen. Sie bestreiten jede Beteiligung an dem Anschlag. Ihren Rechtsbeiständen zufolge gibt es kein Beweismaterial, das sie mit dem Anschlag in Verbindung bringt. Stattdessen haben die AnwältInnen Unregelmässigkeiten zwischen den „Geständnissen», die zu ihrer Verurteilung führten, und den Berichten der am Tatort anwesenden AugenzeugInnen festgestellt. Die beiden Männer wurden am 19. Oktober 2015 von Angehörigen des Geheimdienstministeriums festgenommen und an einem unbekannten Ort sechs Monate lang in Einzelhaft gehalten. Danach wurden sie in mehrere verschiedene Hafteinrichtungen verlegt. Auch dort haben sie nur sehr begrenzten Zugang zu ihren Familien in Form von Telefonaten und einem einzigen Besuch. Am 9. April 2019 wurden sie in ein Gefängnis des Geheimdienstministeriums in der Stadt Hamedan in der Provinz Hamedan verlegt. Auch dort haben sie keinen Zugang zu ihren Familien.

Beide Männer geben an, in Haft monatelang gefoltert worden zu sein. Unter anderem mit Schlägen und Elektroschocks. Abdullah Karmollah Chab hat ausgesagt, dass seine Verhörer ihn elf Tage kopfüber von der Decke hängen liessen. Zudem habe er mehrere Scheinhinrichtungen erdulden müssen. Die Verhörenden drohten ihm, ihn hinzurichten und irgendwo zu verscharren. Seinen Angaben zufolge weckten sie ihn drei Tage hintereinander auf, zogen ihm einen Sack über den Kopf, legten ihm eine Schlinge um den Hals und sagten ihm, dass er nicht hingerichtet würde, wenn er «gestehe». Er weigerte sich, da er unschuldig sei. Am dritten Tag hörte er einen der Verhörenden sagen: «Lasst ihn laufen. Wenn es etwas zu gestehen gäbe, hätte er es bereits getan.» Beiden Männern wurde der Zugang zu einem Rechtsbeistand bis zur Gerichtsverhandlung verweigert. An diesem Tag wurden sie von einem staatlich bestellten Rechtsbeistand vertreten. Bei der Verhandlung vor dem Revolutionsgericht in Ahvaz am 22. Juni 2016 sollen sie einen Teil ihrer Kleidung abgelegt haben, um dem Gericht die Folterspuren zu zeigen. Das führte jedoch nicht dazu, dass eine Untersuchung der Folter angeordnet wurde. Irans Oberster Gerichtshof hob den Schuldspruch und das Strafmass später mangels Beweisen sowie der fehlerhaften Untersuchung auf und ordnete ein Wiederaufnahmeverfahren an. Am 6. Juli 2017 wurden sie erneut zum Tode verurteilt. Die Frage liegt nun wieder dem Obersten Gerichtshof vor.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN – AUF ENGLISCH

Abdullah Karmollah Chab and Ghassem Abdullah were among 15 Ahwazi Arabs who were arrested following the armed attack on a religious ceremony in Safiabad on 16 October 2015. Within weeks of the attack and before their trial had taken place, the authorities made a series of announcements that undermined their presumption of innocence. On 1 November 2015, the public prosecutor of Dezful, Khuzestan province, announced: «After arresting all of the perpetrators on this incident, and [obtaining] their confessions, it is clear that this was a terrorist incident.» He went on to accuse the detainees of belonging to a group that called itself Jandolfareq, which he said had 15 members and aimed to commit sabotage operations and other acts in the province. He said: «Thankfully, they were identified and arrested after their first operation and had their weapons and other devices discovered and seized. According to the law, their crime is certainly that of moharebeh and they have been charged as such.» On 17 November 2015, the Islamic Republic News Agency also reported that the head of the justice department in Dezful told its reporters: «I anticipate that these ‘terrorists’ will be convicted of moharebeh and handed down a punishment that will make them pay for their deplorable actions and serve as a lesson to others.»
In court, Abdullah Karmollah Chab and Ghassem Abdullah were tried alongside six other Ahwazi Arabs. The prosecution authorities accused them of involvement in an armed group called Jandolfareq, which they described as following a «Salafi Takfiri» ideology, but failed to provide any evidence to show how the defendants were connected to the group. Amnesty International has received information from a reliable source that also show evidence of the flawed investigations that took place. These include inconsistencies between «confessions» the men say they made under torture and the evidence presented to the court. The men are said to have «confessed» that the car they used during the attack was a white Peugeot Persia while eyewitnesses have stated that a silver Peugeot 405, which is an older model, was used by the assailants. In addition, Ghassem Abdullah, who is a farmer, told his interrogators that he owns a rifle and indicated where they could find it. However, according to statements made by the arms specialist assigned to this case and a report by the security authorities, three shells found at the scene of the crime do not match the bullets found in the cartridge of the rifle that was retrieved from Ghassem Abdullah’s home. Despite these and other inconsistencies, the judge presiding over their trial refused to order an investigation into their torture allegations and accepted their «confessions» as evidence to sentence them to death.
The six other defendants on trial with them were also convicted of «enmity against God» but were spared the death penalty and were instead sentenced to between three and 25 years in prison.
Abdullah Karmollah Chab is a 38-year-old with three children, and Ghassem Abdullah is a 32-year-old farmer with two children. Both men, from Shush county in Khuzestan province, are Sunni Muslims who have converted from Shi’a Islam.
Under international human rights standards, individuals charged with crimes punishable by death are entitled to the strictest observance of all fair trial guarantees. The arbitrary deprivation of life, as well as torture and other ill-treatment are absolutely prohibited at all times and in all circumstances.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 19. Juni 2019.
  • Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch.

 

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Raisi

Mit grosser Sorge habe ich erfahren, dass sich Abdullah Karmollah Chab und Ghassem Abdullah nach einem grob unfairen Verfahren in der Todeszelle befinden.

Ich bitte Sie höflich, den Schuldspruch und die Todesurteile gegen die beiden Männer aufzuheben und sie freizulassen, sofern es keine ausreichenden - und ohne Folter und andere Misshandlungen zustande gekommenen - Beweise gibt, um sie einer als Straftat erkennbaren Handlung anzuklagen.

Gewähren Sie ihnen in diesem Fall ein faires Gerichtsverfahren, in dem nicht auf die Todesstrafe zurückgegriffen wird.

Bitte sorgen Sie dafür, dass sie regelmässigen Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen haben. Stellen Sie zudem bitte sicher, dass sie bis zu ihrer Freilassung vor Folter und anderen Formen der Misshandlung geschützt sind und ordnen Sie eine unabhängige und unparteiische Untersuchung der von ihnen erhobenen Misshandlungsvorwürfe an.

Mit freundlichen Grüssen

 

Appelle an

Oberste Justizautorität des Iran
Ebrahim Raisi
c/o Permanent Mission of Iran to the UN in Geneva
Chemin du Petit-Saconnex 28
1209 Geneva 1209 Geneva

Twitter handle: @UNIran

Anrede: Dear Mr Raisi / Sehr geehrter Herr Raisi

 

Kopien an

Ambassade de la République Islamique d'Iran
Thunstrasse 68
3006 Berne

Fax: 031 351 56 52
E-mail: secretariat@iranembassy.ch

11 Briefe verschickt  
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