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Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2019 04 Three face jail for peaceful protest Young men appealing deplorable sentence
FI 048/19-2
Russland
Abgeschlossen am 10. Dezember 2019
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10.12.2019: Bad news

We are gutted to have to share bad news on Human Rights day.

The court has upheld the outrageous sentence against Yan Sidorov and Vladislav Mordasov.

See Amnesty’s quote: Two young prisoners of conscience lose appeal in another farcical court hearing

The team will now discuss with relevant stakeholders and review the strategy moving forward. We will be sharing further information in the near future as part of the individuals at risk (IAR) case campaign.

Many thanks to all who sent appeals in this case.

 

03.12.2019: Upcoming appeal hearing

As you will remember, young activists and prisoners of conscience Yan Sidorov and Vladislav Mordasov appealed the sentence against them. On 10 December the Appeal Court will have its session in Rostov-on-Don to hear the appeal and we are asking you to continue promoting this Urgent Action and also to make as much noise as possible about it.

We therefore extend the appeal deadline until 10 December 2019.

Thank you for your support.

Additionally, you find below a very important development concerning Yan Sidorov, as on 27 November the European Court of Human Rights (ECtHR) informed Sidorov’s lawyer that his complaint about his baseless detention over the 18-month legal limit and in violation of the European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms (ECHR) was communicated.

ECtHR communicated the complaint of prisoner of conscience Yan Sidorov about prolonged detention

On 27 November, the European Court of Human Rights (ECtHR) informed the lawyer of prisoner of conscience Yan Sidorov from Rostov-on-Don that his complaint about his baseless detention over the 18-month legal limit and in violation of the European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms (ECHR) was communicated.

Article 5(3) of the ECHR requires that all lawfully arrested detainees “shall be brought promptly before a judge or other officer authorized by law to exercise judicial power and shall be entitled to trial within a reasonable time or to release pending trial.”

Prisoner of conscience Yan Sidorov was arrested in Rostov-on-Don on 5 November 2017 when he tried to exercise his legitimate rights to peaceful assembly and expression. He has been in custody ever since: first, he was held in administrative detention, and then remanded in pre-trial detention on trumped-up charges “of attempting to organize mass disturbances”. The trial of Yan Sidorov and his co-defendant Vladislav Mordasov started only in June 2019.

Sidorov’s lawyer Aleksandr Peredruk (the St. Petersburg Bar Association) complained that his client’s pre-trial detention had been excessively prolonged and that national courts in their decisions to extend Sidorov’s pre-trial detention had not specified any evidence that would have warranted his continued stay in custody.

According to the lawyer, the authorities could not appropriately and sufficiently substantiate the extension of Sidorov’s pre-trial detention between 9 November 2018 and 5 March 2019. Hence, his deprivation of liberty during this time was arbitrary and unreasonable.

According to the Russian Criminal Procedure Code, the maximum time limit for pre-trial detention is 18 months.

In its communication of Sidorov’s complaint, the ECtHR highlighted that it had reviewed the issues raised in the complaint in several cases, including the 2010 case of Farit Dirdizov. In its ruling on Dirizov’s case, the Court found Russia in violation of Article 5 of the Convention, among other things.

The Court gave the Russian government time until 19 February 2020 to submit its objections. The ECtHR also provided that, as an exception, this complaint could not be subject to the out-of court settlement.

Sechs Jahre Haft wegen einer Mahnwache

AI-Index: EUR 46/1237/2019

Am 4. Oktober wurden Yan Sidorov und Vladislav Mordasov auf der Grundlage konstruierter Anklagen schuldig gesprochen und zu einer sechseinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt: Sie hätten versucht, einen Aufstand zu organisieren. Viacheslav Shashmin erhielt eine dreijährige Bewährungsstrafe. Yan Sidorov und Vladislav Mordasov legten Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Sie sind gewaltlose politische Gefangene und umgehend und bedingungslos freizulassen. Ausserdem müssen ihre Folter- und Misshandlungsvorwürfe effektiv untersucht werden.

Am 4. Oktober wurden Yan Sidorov und Vladislav Mordasov zu einer sechseinhalbjährigen Haftstrafe in einer Strafkolonie mit verschärfter Anstaltsordnung verurteilt. Grundlage des Urteils bilden konstruierte Anklagen wegen des Versuchs, einen Aufstand zu organisieren, nach Artikel 30 Absatz 3 und Artikel 212 Absatz 1 des russischen Strafgesetzbuches. Viacheslav Shashmin wurde nach Artikel 30 Absatz 3 und Artikel 212 Absatz 2 wegen des angeblichen Versuchs verurteilt, an diesem Aufstand teilzunehmen. Er erhielt eine dreijährige Bewährungsstrafe. Yan Sidorov und Vladislav Mordasov sind gewaltlose politische Gefangene, die lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf freie Meinungsäusserung und friedliche Versammlung inhaftiert sind.

Yan Sidorov und Vladislav Mordasov wurden am 5. November 2017 festgenommen, als sie eine Mahnwache vor dem Gebäude der Rostower Regionalregierung vorbereiteten. Mit der Mahnwache wollten sie Dutzende Rostower BürgerInnen unterstützen, die in den Grossbränden von Juli und August 2017 ihre Häuser verloren hatten. Viacheslav Shashmin wurde in der Nähe vor einem Wohnhaus festgenommen. Er gibt an, nicht an der Mahnwache teilgenommen zu haben. Yan Sidorov und Vladislav Mordasov werfen der Polizei vor, sie gefoltert und anderweitig misshandelt zu haben, damit sie «gestehen». Dass die Foltervorwürfe bisher nicht untersucht worden sind, stellt einen Verstoss gegen ihre Rechte und die Prinzipien eines fairen Gerichtsverfahrens dar.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Am 4. Oktober 2019 befand das Bezirksgericht in Rostow am Don im Südwesten Russlands Yan Sidorov und Vladislav Mordasov für schuldig, am 5. November 2017 einen «Aufstand organisiert» zu haben. Viacheslav Shashmin wurde verurteilt, weil er an diesem teilgenommen habe. Yan Sidorov wurde zu sechs Jahren und sechs Monaten und Vladislav Mordasov zu sechs Jahren und sieben Monaten Haft in einer Strafkolonie mit verschärfter Anstaltsordnung verurteilt. In dieser Art Strafkolonie werden ausschliesslich Menschen inhaftiert, die wegen schwerster Verbrechen verurteilt sind. Viacheslav Shashmin erhielt eine dreijährige Bewährungsstrafe. Yan Sidorov und Vladislav Mordasov legten Rechtsmittel gegen den Schuldspruch ein. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Anklagen gegen die drei Männer konstruiert sind und der Prozess nicht den internationalen Standards für faire Verfahren entsprach.
In einer Reihe von Grossbränden, die sich im Juli und August 2017 in Rostow am Don ausbreiteten, wurden mehr als 160 Häuser zerstört. Eine Person kam ums Leben und Dutzende wurden verletzt. Etwa 700 Menschen wurden offiziell als Opfer der Brände anerkannt. Obwohl für das verlorene Eigentum eine gewisse Entschädigung gezahlt wurde, erlaubten die Behörden es den Menschen nicht, neue Häuser auf denselben Grundstücken zu bauen. Sie zahlten auch keine Entschädigung für das verlorene Land. Unter den Menschen kam dadurch der Verdacht auf, die Feuer seien absichtlich gelegt worden, um die AnwohnerInnen zu vertreiben und Neubauten zu errichten.
Um die Mittagszeit am 5. November 2017 kamen der damals 18-jährige Student Yan Sidorov und der 21-jährige Vladislav Mordasov auf den Platz vor dem Gebäude der Rostower Regionalregierung, um eine friedliche Mahnwache abzuhalten. Sie hatten einige Flugblätter dabei, ein Megafon und zwei handgeschriebene, zusammengerollte Transparente, die sie am Tag zuvor angefertigt hatten. Auf den Transparenten stand: «Gebt den Opfern der Rostower Brände ihr Land zurück» und «Die Regierung sollte zurücktreten». Noch bevor die beiden Männer die Transparente ausbreiten und die Mahnwache beginnen konnten, wurden sie von der Polizei wegen «rechtswidriger Versammlung» festgenommen. Am selben Tag nahmen PolizeibeamtInnen den damals 18-jährigen Viacheslav Shashmin vor einem Wohnhaus in der Nähe fest. Viacheslav Shashmin gibt an, er hätte zu diesem Zeitpunkt die beiden nicht gekannt und auch nicht an der Mahnwache teilgenommen.
Am 6. November 2017 wurden Yan Sidorov und Vladislav Mordasov in getrennten Verfahren nach Artikel 20.2 Absatz 2 des russischen Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten («Organisation oder Durchführung einer öffentlichen Veranstaltung ohne ordentliche Benachrichtigung der betreffenden Behörden») zu sieben Tagen Verwaltungshaft verurteilt. Viacheslav Shashmin wurde nach Artikel 20.1 des russischen Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten wegen geringfügiger Unruhestiftung zu fünf Tagen Verwaltungshaft verurteilt. Yan Sidorov und Vladislav Mordasov berichten, in Polizeigewahrsam gefoltert und anderweitig misshandelt worden zu sein. Damit sollten sie zu dem «Geständnis» gezwungen werden, eine gewaltsame Demonstration geplant zu haben. Am 17. November 2017 wurden Yan Sidorov und Vladislav Mordasov nach Artikel 30 Absatz 3 und Artikel 212 Absatz 1 und 2 des russischen Strafgesetzbuches offiziell wegen des Versuchs, einen Aufstand zu organisieren und des Versuchs, an diesem Aufstand teilzunehmen, angeklagt. Viacheslav Shashmin wurde wegen des Versuchs der Teilnahme an diesem Aufstand angeklagt.
Yan Sidorov und Vladislav Mordasov sind seit ihrer Festnahme am 5. November 2017 in Gewahrsam. Viacheslav Shashmin steht seit Ende seiner Verwaltungshaft unter Hausarrest. Der Prozess gegen die drei jungen Männer vor dem Landgericht in Rostow am Don begann am 29. Mai 2019 und endete am 4. Oktober 2019. Mindestens ein Drittel der ZeugInnen der Staatsanwaltschaft weigerte sich, ihre früheren, während der Voruntersuchung gemachten Zeugenaussagen zu bestätigen und erklärte, diese unter dem Druck der ErmittlerInnen abgegeben zu haben.

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