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Startseite Urgent Actions 2019 03 Turkey must release civil society figures
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Türkei
Aktiv seit 8. März 2019 | Noch 11 Tage Laufzeit

Protestierende freilassen!

AI-Index: EUR 44/0003/2019

Am 4. März hat ein türkisches Gericht eine Anklage gegen Osman Kavala, Yiğit Aksakoğlu und 14 weitere zivilgesellschaftlich engagierte Personen zugelassen. Bei einer Verurteilung drohen ihnen lebenslange Haftstrafen. Den 16 Angeklagten wird vorgeworfen, «die Regierung stürzen bzw. von ihren Aufgaben abhalten zu wollen». Grundlage ist ihr Engagement bei den Gezi-Park-Protesten von 2013. Amnesty International betrachtet die Anklage als konstruiert. Osman Kavala befindet sich bereits seit mehr als 16 Monaten und Yiğit Aksakoğlu seit fast vier Monaten in Untersuchungshaft. Die anderen Angeklagten befinden sich derzeit auf freiem Fuss oder leben im Exil – wie der Journalist Can Dündar, der in Deutschland wohnt. Osman Kavala und Yiğit Aksakoğlu müssen sofort und bedingungslos freigelassen werden.

Am 4. März entschied das Gericht für schwere Strafsachen in Istanbul, eine Anklage gegen Osman Kavala, Yiğit Aksakoğlu und 14 weitere zivilgesellschaftlich engagierte Personen zuzulassen. Den 16 Angeklagten wird vorgeworfen, mit ihren Aktivitäten bei den Gezi-Park-Protesten von 2013 «die Regierung stürzen bzw. von ihren Aufgaben abhalten zu wollen».

Die Gezi-Park-Proteste waren friedlicher Natur und es liegen keine stichhaltigen Beweise dafür vor, dass die in der Anklageschrift genannten Personen Gewalttaten begangen oder die öffentliche Ordnung gestört haben. Die Anklageschrift enthält unbegründete Vorwürfe und eine unwahre Schilderung der Ereignisse bei den Gezi-Park-Protesten. Damit soll versucht werden, einige der wichtigsten zivilgesellschaftlich engagierten Personen in der Türkei zum Schweigen zu bringen. Bei einer Verurteilung könnte den 16 Protestierenden lebenslange Haft ohne die Möglichkeit auf Bewährung drohen.

Osman Kavala befindet sich aufgrund dieser haltlosen Vorwürfe bereits seit mehr als 16 Monaten und Yiğit Aksakoğlu seit fast vier Monaten in Untersuchungshaft. Dies kommt einem willkürlichen Freiheitsentzug gleich. Die Zulassung der Anklage bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft und das Gericht der Ansicht sind, dass alle für die Strafverfolgung wichtigen Beweismittel zusammengetragen worden sind. Dies unterstreicht nur einmal mehr die willkürliche Natur der anhaltenden Inhaftierung von Osman Kavala und Yiğit Aksakoğlu.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Gezi-Park-Proteste begannen als Demonstration gegen die Umgestaltung des Gezi-Parks im Zentrum von Istanbul. Nachdem die Polizei scharf gegen die Protestierenden in Istanbul vorging, breiteten sich die Proteste rasch über das ganze Land aus. Millionen Menschen gingen auf die Strasse und nahmen an überwiegend friedlichen regierungskritischen Massendemonstrationen teil. In der Anklageschrift wird diese Protestbewegung als zentrales Element einer Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz der türkischen Regierung dargestellt. In der Anklageschrift wird versucht, die 16 Beschuldigten mittels haltloser Vorwürfe mit dieser mutmasslichen Verschwörung in Verbindung zu bringen.
Bei den Angeklagten handelt es sich um: Osman Kavala, eine der führenden Persönlichkeiten der türkischen Zivilgesellschaft, den NGO-Mitarbeiter Yiğit Aksakoğlu, den Journalisten Can Dündar, den Anwalt Şerafettin Can Atalay, die Architektin Ayşe Mücella Yapıcı, den Stadtplaner Tayfun Kahraman, das Vorstandsmitglied der Kulturstiftung Anadolu Kültür, Ali Hakan Altınay, und den stellvertretenden Vorsitzenden von Anadolu Kültür, Yiğit Ali Ekmekçi, die Filmproduzentin Çiğdem Mater Utku sowie einige Personen, die an der Entstehung, Produktion und Aufführung eines interaktiven Theaterstücks beteiligt waren, welches die Behörden als Probedurchlauf für die Gezi-Park-Proteste betrachten.
Osman Kavala wurde am 18. Oktober 2017 am Flughafen Istanbul-Atatürk von der Polizei in Gewahrsam genommen, als er mit einem Flug aus Gaziantep im Osten der Türkei dort ankam. Am 1. November 2017 ordnete ein Richter an, ihn im Hochsicherheitsgefängnis Silivri in Untersuchungshaft zu nehmen. Dort befindet er sich nach wie vor. Yiğit Aksakoğlu wurde am 16. November 2018 von der Polizei festgenommen, gemeinsam mit zwölf weiteren zivilgesellschaftlich engagierten Personen. Während die übrigen Personen freigelassen wurden, nahm man Yiğit Aksakoğlu gemäss einer richterlichen Anordnung vom 17. November 2018 wegen «versuchten Umsturzes der Regierung» in Untersuchungshaft. In der Anklageschrift vom 4. März 2019 sind nur drei der Personen, die im November mit Yiğit Aksakoğlu festgenommen wurden, aufgeführt. Die neun anderen Personen befinden sich derzeit in Freiheit und sind nicht angeklagt, es wird allerdings gegen sie ermittelt. Yiğit Aksakoğlu ist nach wie vor im Gefängnis.
Die anhaltende Haft von Osman Kavala und Yiğit Aksakoğlu soll am 2. April überprüft werden. Ihre Rechtsbeistände haben dann erstmals die Möglichkeit, die Inhaftierung ihrer Mandanten auf Grundlage der vorgelegten Beweismittel und Anklagen anzufechten.
Das Recht auf friedliche Versammlung ist in verschiedenen Menschenrechtsabkommen verankert, deren Vertragsstaat die Türkei ist, so zum Beispiel im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte von 1966 und in der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten von 1950. Das Recht auf friedliche Versammlung wird zudem durch die türkische Verfassung geschützt. Am 26. April 2015 sprach ein Gericht in Istanbul 26 Personen frei, die wegen ihrer mutmasslichen Beteiligung an den Gezi-Park-Protesten angeklagt waren. Mit dem Urteil bestätigte das Gericht, dass die Protestaktivitäten unter das Recht auf friedliche Versammlung fallen. Eine der Angeklagten war damals auch Ayşe Mücella Yapıcı, die sich als Schriftführerin bei Taksim Solidarity engagierte. Taksim Solidarity ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Organisationen aus den Bereichen Architektur, Medizin, Ingenieurs- und Gewerkschaftswesen und einigen anderen, die sich gegen die Bauprojekte im Gezi-Park wenden. Eine der Anklagen, von denen Ayşe Mücella Yapıcı und vier andere freigesprochen wurden, war «Gründung einer Organisation zur Begehung einer Straftat».

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 1. April 2019.
  • Schreiben Sie in gutem Türkisch, Englisch oder auf Deutsch.

 

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Minister

Ich bin sehr besorgt über die Nachricht, dass das Gericht für schwere Strafsachen in Istanbul am 4. März eine Anklage gegen Osman Kavala, Yiğit Aksakoğlu und 14 weitere zivilgesellschaftlich engagierte Personen zuzulassen. Den 16 Angeklagten wird vorgeworfen, mit ihren Aktivitäten bei den Gezi-Park-Protesten von 2013 «die Regierung stürzen bzw. von ihren Aufgaben abhalten zu wollen».

Die Gezi-Park-Proteste waren friedlicher Natur und es liegen keine stichhaltigen Beweise dafür vor, dass die in der Anklageschrift genannten Personen Gewalttaten begangen oder die öffentliche Ordnung gestört haben. Die Anklageschrift enthält unbegründete Vorwürfe und eine unwahre Schilderung der Ereignisse bei den Gezi-Park-Protesten.

Ich bitte Sie deshalb, dafür einzutreten, dass Osman Kavala und Yiğit Aksakoğlu sofort und bedingungslos freigelassen werden, und dass die haltlosen Anklagen gegen sie und die 14 weiteren Angeklagten fallengelassen werden.

Mit freundlichen Grüssen

 

Appelle an

Justizminister
Mr Abdülhamit Gül
Adalet Bakanlığı
06659 Ankara
TÜRKEI

E-Mail: info@adalet.gov.tr
Fax: (00 90) 312 419 33 70

Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister

 

 

Kopien an

Ambassade de la République de Turquie
Lombachweg 33
Case postale 34
3000 Berne 15

Fax: 031 352 88 19
E-mail: botschaft.bern@mfa.gov.tr

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