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Startseite Urgent Actions 2019 01 TV producer held in North Korea for 50 years
UA 013/19
Südkorea
Aktiv seit 29. Januar 2019 | Noch 23 Tage Laufzeit

Seit 50 Jahren in Nordkorea verschwunden

AI-Index: ASA 25/9751/2019

Hwang Won kam am 11. Dezember 1969 nach Nordkorea – an Bord eines entführten Flugzeugs. Seitdem verweigern die nordkoreanischen Behörden dem ehemaligen Fernsehproduzenten die Rückkehr in seine Heimat. Seine Familie stellte zahlreiche Anfragen zu seinem Verbleib und seinem Gesundheitszustand, eine Antwort steht jedoch seit 50 Jahren aus. Anlässlich des bevorstehenden Besuchs des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un in Seoul ist es nun an den südkoreanischen Behörden, Nordkorea zum Handeln zu bewegen.

Der Fernsehproduzent Hwang Won befand sich am 11. Dezember 1969 auf einem Flug von der südkoreanischen Stadt Gangneung in Richtung Seoul, als sein Flugzeug nach Nordkorea entführt wurde. Während 39 der verschleppten Passagiere im Februar 1970 nach Südkorea ausreisen durften, werden elf weitere, unter ihnen Hwang Won, weiterhin in Nordkorea festgehalten – seit fast 50 Jahren.

Nach dem Koreakrieg führten nordkoreanische AgentInnen illegale Operationen durch. Hwang Won ist einer von Hunderten, die in diesem Zusammenhang verschwunden sind. Trotz der zahlreichen Nachfragen seines Sohnes Hwang In-cheol weigern sich die nordkoreanischen Behörden, seinen Aufenthaltsort zu bestätigen. Sie teilen der Familie nicht einmal mit, ob er noch lebt oder nicht. Allerdings geht Hwang In-cheol trotzdem davon aus, dass sein Vater noch am Leben ist: Eine Kontaktperson, die Geflüchtete aus Nordkorea unterstützt, hat ihm in den vergangenen Jahren immer wieder entsprechende Hinweise weitergeleitet.

Stimmen diese, ist Hwang Won inzwischen 82 Jahre alt. Der anstehende Besuch des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un in Seoul ist ein guter Anlass, das Verschwindenlassen von Hwang Won und den vielen anderen Betroffenen aus Südkorea zu thematisieren und auf ihre Freilassung zu drängen. Die Entführungen sind nicht nur eine Qual für die Verschwundenen selbst, sondern auch für deren Angehörige.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Durch den Koreakrieg (1950-53) wurden zahlreiche Menschen vertrieben und viele Familien unfreiwillig getrennt. Seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1953 leben sie auf beiden Seiten der innerkoreanischen Grenze. Durch das Abkommen wurde der Krieg zwischen den beiden koreanischen Staaten nicht beendet, formal dauert er nach wie vor an. Nordkorea hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Taktiken wie die Entführung und das Verschwindenlassen südkoreanischer oder anderer StaatsbürgerInnen angewendet. 2002 gab die Regierung zwar die Entführung von 13 japanischen StaatsbürgerInnen zu, doch liess sie nur fünf von ihnen nach Japan ausreisen.

Viele der in Nordkorea Festgehaltenen sind gut ausgebildet, dies gilt auch für Hwang Won. Nach Angaben einer Kontaktperson, die Geflüchtete aus Nordkorea unterstützt, soll er in den staatlichen Sendeanstalten Nordkoreas tätig gewesen sein. Ehemalige nach Nordkorea Entführte berichten, dass den dorthin Verschleppten nicht nur verweigert wird, das Land zu verlassen, sondern auch, sich innerhalb des Landes frei zu bewegen. Den meisten von ihnen droht Folter oder eine andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe. Sie werden stärker als andere staatlich überwacht.

Im Jahr 2000 veröffentlichte das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung eine Liste mit 516 Personen, die seit dem Waffenstillstand von 1953 im Zuge mutmasslicher Entführungen nach Nordkorea verschwunden sind. Im gleichen Jahr wurde ein Gesetz verabschiedet, das eine klare Unterscheidung zwischen „Vertriebenen“ und „Entführten“ vorsieht. Die Regierung setzt dieses allerdings nur zögerlich um. So stehen Hwang In-cheol und sein Vater zwar auf der Liste der Familien, die durch die innerkoreanische Grenze getrennt wurden. Sie gelten als „Vertriebene“ und dürfen somit am Auswahlverfahren für die kurzen Familienzusammenführungen teilnehmen, die von den beiden koreanischen Regierungen gemeinsam organisiert werden. Doch weder die nord- noch die südkoreanische Regierung haben viel dafür getan, um die Situation von Hwang Won seit seiner Entführung zu klären.

Die Familienzusammenführungen finden nur selten statt, sie sind stark von der politischen Lage abhängig. Von den mehr als 60.000 Familien, die dafür in Frage kämen, werden pro Treffen nur etwa 100 ausgewählt. Aus dem Flugzeug, mit dem auch Hwang Won entführt worden war, hat nur eine Frau ihre Familie wiedergesehen. Die Chance, dass sich Hwang In-cheol auf einem dieser arrangierten Treffen Gewissheit über den Verbleib seines Vaters verschaffen kann, ist somit äusserst gering.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den folgenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 12. März 2019.
  • Schreiben Sie in gutem Koreanisch, Englisch oder auf Deutsch.

 

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Präsident

Mit grosser Sorge habe ich von Hwang Wons Schicksal erfahren. Der ehemalige Fernsehproduzent kam am 11. Dezember 1969 nach Nordkorea – an Bord eines entführten Flugzeugs. Seitdem verweigern die nordkoreanischen Behörden ihm die Rückkehr in seine Heimat. Seine Familie stellte zahlreiche Anfragen zu seinem Verbleib und seinem Gesundheitszustand, eine Antwort steht jedoch seit 50 Jahren aus.

Ich fordere Sie auf, sich bei Kim Jong-un und den zuständigen nordkoreanischen Behörden dafür einzusetzen, dass die Fälle von Hwang Won und den anderen Entführten, die gegen ihren Willen in Nordkorea festgehalten werden, umgehend untersucht werden. Informationen zu ihrem Verbleib dürfen nicht weiter zurückgehalten werden.

Drängen Sie bitte darauf, dass das Recht der Betroffenen nach Südkorea zurückzukehren, respektiert wird, wenn sie es wünschen.

Ausserdem möchte ich Sie bitten, die Verfahren zu den innerkoreanischen Familienzusammenführungen zeitnah zu überarbeiten. Die Verfahren der Familien, die durch Verschwindenlassen getrennt wurden (wie im Fall von Hwang Won) müssen von den Auswahlverfahren für die anderen Familienzusammenführungen abgetrennt werden. Es müssen wirksame Massnahmen zur Wahrheitsfindung und Wiedergutmachung ergriffen werden.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

Präsident der Republik Korea
President of the Republic of Korea
Moon Jae-in
1 Cheongwadae-ro
Jongno-gu, Seoul 03048
REPUBLIK KOREA

E-Mail: president@president.go.kr ; webmaster@president.go.kr

Anrede: Dear President / Sehr geehrter Herr Präsident

 

 

Kopien an

Ambassade de la République de Corée
Kalcheggweg 38
Case postale 301
3006 Berne

Fax: 031 356 24 50
E-mail: swiss@mofa.go.kr

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