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Israel / Besetzte Gebiete
Abgeschlossen am 3. September 2019

Beduinen-Oberhaupt frei

AI-Index: MDE 15/0934/2019

Der Menschenrechtsverteidiger und Beduinensprecher Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi wurde am 22. Juli aus dem Maasiyahu-Gefängnis in Ramle entlassen. Der israelische Gefängnisdienst gestand ihm eine vorzeitige Freilassung zu. Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi hatte sieben Monate im Gefängnis verbracht, weil er seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hatte. Er ist das Oberhaupt des Beduinendorfes al-Araqib in der Negev-Wüste, das die israelischen Behörden nicht anerkennen.

Am 22. Juli wurde der 70-jährige Menschenrechtsverteidiger und bekannte Beduinenführer Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi vorzeitig aus dem Maasiyahu-Gefängnis in Ramle im Zentrum von Israel freigelassen. Der israelische Gefängnisdienst liess ihn aufgrund von Überbelegung in diesem Gefängnis frei. Er hätte erst nach Verbüssung der zehnmonatigen Gefängnisstrafe im Oktober 2019 entlassen werden sollen.

Nach seiner Freilassung dankte Scheich Sayyah Amnesty International und all denen, die sich für ihn eingesetzt haben: «Ich danke allen, die sich für die Rechte meines Volkes und den Schutz unseres Landes eingesetzt haben. Während ich im Gefängnis sass, fühlte und hörte ich eure Unterstützung laut und deutlich und es hat mir unendlich viel bedeutet.» Er fügte hinzu: «Ich bin nun wieder frei, aber der Kampf geht weiter. Unser Dorf ist mindestens schon 150 Mal niedergerissen worden. Die israelischen Behörden reissen nicht nur unser Eigentum nieder, sie versuchen auch meinen Willen zu zerstören, mein Land weiter zu beschützen. Ich wurde am 19. August 2019 schon wieder von der israelischen Polizei festgenommen, die versuchte, mich von meinem Land zu vertreiben. Doch ein israelisches Gericht wies am 20. August den Antrag der Polizei ab und ordnete meine Freilassung an. Ich hoffe, dass Amnesty International angesichts der Ungerechtigkeit und Diskriminierung, die wir erleben, weiter für meinen Fall und das Dorf al-Araqib eintreten wird. Die Unterstützung und Mobilisierung sollte anhalten, bis die israelischen Behörden jeden Abrissversuch in unserem Dorf einstellen, unser Recht respektieren auf unserem angestammten Land zu leben und al-Araqib und andere «illegale» Dörfer in der Wüste Negev offiziell anerkennen.»

Am 25. Dezember 2018 musste Scheich Sayyah aufgrund seiner Rolle bei der Errichtung von Bauten in seinem Dorf eine zehnmonatige Haftstrafe antreten. Scheich Sayyah ist eine bekannte Führungspersönlichkeit des gewaltlosen Kampfes für die Rechte der BeduinInnen und das Oberhaupt des in der Negev-Wüste liegenden Dorfes al-Araqib, das die israelische Regierung als «illegal» bezeichnet. Am 24. Dezember 2017 sprach ihn ein Gericht in Beerscheba in 19 Fällen des unerlaubten Betretens eines öffentlichen Grundstücks und in einem Fall des Rechtsbruchs für schuldig und verurteilte ihn zu zehn Monaten Haft und weiteren fünf Monaten Bewährung. Zudem erhielt er eine Geldstrafe in Höhe von 36.000 Schekel (etwa 8.500 Euro).

Die Anklagen gegen Scheich Sayyah und seine Inhaftierung sind Teil eines bereits mehrere Jahre andauernden Streits zwischen dem Staat Israel und den BeduinInnen der Negev-Wüste. Al-Araqib gehört zu den mehr als 40 palästinensischen Dörfern in Israel, die von den israelischen Behörden nicht anerkannt werden, obwohl die BewohnerInnen über die israelische Staatsbürgerschaft verfügen und schon seit langem bestehende Besitzansprüche vorweisen können. Viele dieser Dörfer befinden sich in der Negev-Wüste.

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