Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2019 01 Prominent Bedouin leader imprisoned by Israel
UA 004/19
Israel / Besetzte Gebiete
Abgeschlossen am 4. März 2019

Beduinensprecher in Haft

AI-Index: MDE 15/9702/2019

Am 25. Dezember 2018 musste Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi eine zehnmonatige Haftstrafe antreten, zu der er wegen der Wahrnehmung seiner Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verurteilt worden ist. Er wird derzeit im Maasiyahu-Gefängnis in Ramla im Zentrum von Israel festgehalten. Amnesty International betrachtet Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi wurde im Dorf al-Araqib im Süden Israels geboren. Er ist eine bekannte Persönlichkeit sowohl im Kampf für die Rechte der BewohnerInnen von al-Araqib auf angemessenen Wohnraum als auch für die Landrechte der BeduinInnen in der Wüste Negev insgesamt.

Das Dorf al-Araqib liegt im Süden Israels in der Wüste Negev, nördlich von Beerscheba. Es befindet sich mitten in einem 17.200 Hektar grossen Gebiet, in dem ein Aufforstungsprojekt des Jüdischen Nationalfonds, einer halbstaatlichen israelischen Organisation, umgesetzt wird. Laut dem Negev-Koexistenz-Forum (NCF) wurde das Dorf al-Araqib während des Osmanischen Reichs auf einem Gebiet gegründet, das zu der Zeit von den BewohnerInnen des Dorfes gekauft worden war. Das NCF ist eine israelische NGO, die sich ausschliesslich um die Probleme der EinwohnerInnen der Negev-Wüste kümmert. In den frühen 1950er-Jahren wurden BewohnerInnen des Dorfes gewaltsam vertrieben, nachdem das Gebiet zu einer Militärzone erklärt worden war. In den 1970ern beantragten sie mehrfach die Anerkennung ihrer Landrechte bei der israelischen Regierung, die jedoch stets abgelehnt wurden. Anfang der 2000er kehrten sie ohne Genehmigung der israelischen Behörden nach al-Araqib zurück. Das Dorf gilt als nicht anerkannt. Am 27. Juli 2010 zerstörten israelische Streitkräfte das gesamte Dorf al-Araqib. Seitdem kam es noch mindestens 134 weitere Male zu einem Abriss des Dorfes durch die Streitkräfte. Laut NCF lebten mindestens 400 Menschen vor dem Abriss in al-Araqib. Seitdem hat die Anzahl der BewohnerInnen immer weiter abgenommen. Zahlreiche von ihnen wurden durch die wiederholten Abrissarbeiten dazu gezwungen, in ein angrenzendes Gebiet auszuweichen.

In al-Araqib gibt es keinerlei Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen. Daher müssen die BewohnerInnen in das sechs Kilometer entfernte Rahat reisen, um derartige Leistungen in Anspruch zu nehmen. Zudem ist das Dorf nicht an die israelischen Wasser- und Elektrizitätsnetze angebunden, sodass die BewohnerInnen auf private Generatoren und Solaranlagen sowie auf Wasserlieferungen mit Tanklastern angewiesen sind, die weitaus teurer sind.

Seit neun Jahren halten die DorfbewohnerInnen wöchentlich friedliche Demonstrationen ab, bei denen sie die Regierung auffordern, ihre Rechte an dem Land anzuerkennen. Zudem erinnern sie mit den Demonstrationen an den Abriss ihres Dorfes. Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi hat diese Bewegung angeführt. In der Folge wurden Angehörige von ihm mehrfach wegen des Verdachts des unerlaubten Betretens und der rechtswidrigen Nutzung von staatlichem Land inhaftiert und verhört. Auch zwei seiner Söhne, Saif und Aziz, stehen derzeit wegen derartiger Vorwürfe vor Gericht.

Die gegen Scheich Sayyah Abu Mdeighim al-Turi erhobenen Anklagen sind Teil eines bereits mehrere Jahre andauernden Streits zwischen dem Staat Israel und den BeduinInnen der Negev-Wüste. Das Dorf al-Araqib gehört zu den mehr als 40 palästinensischen Dörfern in Israel, die von den israelischen Behörden nicht anerkannt werden, obwohl die BewohnerInnen über die israelische Staatsbürgerschaft verfügen und schon seit langem bestehende Besitzansprüche vorweisen können. Viele davon befinden sich in der Negev-Wüste.

MenschenrechtsverteidigerInnen in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten werden seit langem von israelischer Seite drangsaliert, um ihrem Engagement die Legitimation abzusprechen. Mit ihrem Vorgehen in al-Araqib verstossen die israelischen Behörden systematisch gegen das Recht der DorfbewohnerInnen auf angemessenen Wohnraum. Dieses Menschenrecht wird durch den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte geschützt, zu dessen Vertragsstaaten Israel gehört. Amnesty International hat die Abrissarbeiten – die darauf abzielen, die BewohnerInnen von al-Araqib gewaltsam von dem Land zu vertreiben, auf dem sie bereits seit Generationen leben – bereits mehrfach verurteilt.

8 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 004/19 english
Microsoft Word Document, 30.0 kB
UA 004/19 deutsch
Microsoft Word Document, 29.7 kB
UA 004/19 français
Microsoft Word Document, 30.2 kB
Mehr zum Thema

Menschenrechtsverteidiger

Grundlegende Infos über die Menschenrechte und die verschiedenen internationalen Abkommen. Mehr