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Startseite Urgent Actions 2019 01 Journalist arbitrarily detained incommunicado Journalist charged with criminal offenses
FI 001/19-8
Mosambik
Aktiv seit 13. September 2019 | Noch 2 Tage Laufzeit

Journalist offiziell angeklagt

AI-Index: AFR 41/1029/2019

Am 5. September wurden der Journalist Amade Abubacar und sein Anwalt vom Büro der Staatsanwaltschaft in der Provinz Cabo Delgado über die Anklagepunkte informiert. Am 10. September reichte die Verteidigung ihre Stellungnahme zu den Vorwürfen ein. Nun muss das Provinzgericht von Cabo Delgado entscheiden, ob es die Anklagen gegen Amade Abubacar akzeptiert oder die Vorwürfe zurückweist.

Am 5. September wurden der Journalist des Gemeinderadios Nacedje, Amade Abubacar, und sein Anwalt vom Büro der Staatsanwaltschaft in der Provinz Cabo Delgado über die Anklagepunkte informiert. Die Anklagen lauten auf «öffentliche Aufwiegelung durch den Einsatz elektronischer Medien»,«Aufwiegelung»,«Verunglimpfung von Organen der öffentlichen Ordnung»,«Vereinigung zum Begehen einer Straftat», «Verbrechen gegen die Staatsordnung»,«Aufwiegelung oder Provokation zu öffentlichen Unruhen» und «Handlungen gegen die Ordnung und öffentlichen Frieden» nach Artikel 323, 406, 458, §1, 389, 398, §1 und 401, §2 des mosambikanischen Strafgesetzbuchs. Am 10. September legte die Verteidigung von Amade Abubacar dem Büro der Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme zu den Anklagen vor.

Amade Abubacar wird daran gehindert, auf sein Bankkonto zuzugreifen, da seine Bankkarte und sein Ausweis bei der Festnahme beschlagnahmt wurden. Das strafrechtliche Verfahren gegen ihn zieht sich schon lange hin und seine Bewegungsfreiheit ist nach wie vor eingeschränkt. Dies belastet ihn und seine Familie.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Amade Abubacar arbeitet als Reporter beim kommunalen Radiosender Nacedje im Bezirk Macomia in der Provinz Cabo Delgado und ist darüber hinaus auch freiberuflich als Journalist tätig. Er wurde am 5. Januar im Bezirk Macomia von der Polizei festgenommen und auf die dortige Polizeiwache gebracht. Die Festnahme erfolgte, als er gerade eine Gruppe von Binnenvertriebenen interviewte, die ihre Heimat wegen der zunehmenden gewalttätigen Angriffe durch mutmassliche Angehörige einer extremistischen Gruppierung namens Al-Shabaab verlassen hatte. Noch am selben Tag überstellte die Polizei ihn in Militärgewahrsam, wo er zwölf Tage lang ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten und nach eigenen Angaben auf unterschiedliche Weise misshandelt wurde. Am 17. Januar wurde er wieder der Polizei übergeben.
Als er am 18. Januar endlich einem Gericht vorgeführt wurde, war die gesetzlich vorgeschriebene Höchstdauer einer Inhaftierung ohne gerichtliche Anordnung von 48 Stunden bereits überschritten. Das Bezirksgericht in Macomia ordnete an diesem Tag die Fortsetzung seiner Untersuchungshaft im Polizeipräsidium des Bezirks Macomia an. Am 24. Januar wurde Amade Abubacar von dort in das Mieze-Gefängnis in Pemba in der Provinz Cabo Delgado verlegt.
Zuvor war er mehr als 90 Tage ohne Anklage in Untersuchungshaft. Laut Paragraf 308 der mosambikanischen Strafprozessordnung darf die Untersuchungshaft jedoch nicht länger als 90 Tage andauern.
Nach mehr als 90 Tagen ohne Anklage in Untersuchungshaft wurde am 16. April Anklage gegen ihn erhoben. Am 23. April entschied das Provinzgericht von Cabo Delgado, den Journalisten Amade Abubacar vorläufig aus dem Mieze-Gefängnis in der Stadt Pemba zu entlassen.
Am 18. Februar 2019 wurde auch der Journalist Germano Daniel Adriano des Gemeinderadios Nacedje von Sicherheitskräften festgenommen und ohne Kontakt zur Aussenwelt im Mieze-Gefängnis inhaftiert. Germano Daniel Adriano wird zusammen mit Amade Abubacar angeklagt.
Seit Mai 2019 hat das Provinzgericht in Cabo Delgado Amade Abubacars Fall schon dreimal vertagt. Die erste, für den 17. Mai angesetzte Anhörung wurde wegen eines Terminkonflikts des Richters auf den 23. Mai vertagt. Am 23. Mai vertagte das Provinzgericht von Cabo Delgado die Anhörung auf den 27. Juni, weil die falschen ZeugInnen vor Gericht erschienen waren. Am 27. Juni wurde die Voruntersuchungsverhandlung auf den 25. Juli verlegt, weil es einen Fehler in der Verwaltung gegeben hatte.
Seit Oktober 2017 kommt es in den nördlichen Bezirken der Provinz Cabo Delgado, auch in Macomia, immer wieder zu bewaffneten Angriffen. Bei den AngreiferInnen soll es sich um Mitglieder der bewaffneten Gruppe Al-Shabaab handelt. Sie fallen in Dörfer ein, stecken Häuser in Brand, töten DorfbewohnerInnen mit Macheten und plündern ihre Lebensmittelvorräte. Zahlreiche BewohnerInnen der betroffenen Dörfer sind aus Angst um ihr Leben in andere Bezirke geflohen. Die Provinz Cabo Delgado ist für die Zentralregierung aufgrund ihres Reichtums an Bodenschätzen (u. a. Erdgas und Rubine) von grosser Bedeutung.  Aus diesem Grund hat die Regierung die Militärpräsenz in der Region seit Beginn der Angriffe erhöht.  Seitdem werden JournalistInnen von den Behörden eingeschüchtert, drangsaliert und daran gehindert, über die Lage vor Ort zu berichten. Amade Abubacar hat die Angriffe auf Zivilpersonen durch bewaffnete Gruppierungen in der Provinz Cabo Delgado von Anfang an dokumentiert.

 

Empfohlene Aktionen

  • Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie den untenstehenden Modellbrief.
  • Bitte schreiben Sie vor dem 25. September 2019.
  • Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch.

Modellbrief

Sehr geehrter Herr Minister

Mit Sorge habe ich erfahren, dass nun verschiedene Anklagen gegen Amade Abubacar erhoben worden sind.

Bitte stellen Sie sicher, dass alle Anklagen gegen Amade Abubacar umgehen fallengelassen werden, da er nur aufgrund der friedlichen Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäusserung im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Journalist angeklagt wurde.

Sorgen Sie dafür, dass seine Verfahrensrechte respektiert werden und dass er gemäss den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren innerhalb eines angemessenen Zeitraums vor Gericht gestellt wird, falls die Anklagen nicht fallengelassen werden.

Stellen Sie bitte sicher, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung und die Medienfreiheit uneingeschränkt geachtet werden und dass JournalistInnen ihre Tätigkeit ohne Angst vor Angriffen, Einschüchterungen und Schikane ausüben können.

Mit freundlichen Grüssen

Appelle an

MINISTER FÜR JUSTIZ-, VERFASSUNGS- UND RELIGIONSANGELEGENHEITEN
Joaquím Veríssimo
Av. Julius Nyerere 33
Maputo
MOSAMBIK

E-Mail: mjcr@mjcr.gov.mz ; vilanchic@yahoo.com.br

Anrede: Honorable Minister / Sehr geehrter Herr Minister

 

 

Kopien an

Ambassade de la République du Mozambique
Rue J.-A. Gautier 13
1201 Genève

Fax: 022 901 17 84
E-mail: mission.mozambique@bluewin.ch
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