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Mexico
Abgeschlossen am 6. Dezember 2018

Ein weiterer Umweltschützer getötet, weitere in Gefahr

AI-Index: AMR 41/9299/201

Am 24. Oktober wurde im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua der indigene Landrechtsaktivist Julián Carrillo erschossen, nachdem er bereits mehrere Morddrohungen erhalten hatte. Dies ist die jüngste Tat im Zuge einer Serie solcher Tötungen, denen bereits Familienmitglieder von Julián Carrillo und weitere Indigene zum Opfer gefallen sind. Die indigene Gemeinschaft fürchtet nun noch weitere Anschläge.

Julián Carrillo, der der indigenen Gemeinschaft der Rarámuri angehörte und sich für Umwelt- und Landrechte einsetzte, wurde am Abend des 24. Oktober im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua von Unbekannten erschossen. Seine Familienangehörigen gaben an, Schüsse in den Bergen gehört zu haben, und wenige Stunden später habe man Julián Carrillo tot aufgefunden. Sein Leichnam wies Schussverletzungen von Grosskaliberwaffen auf. Julián Carrillo hatte sich seit dem 23. Oktober in der Sierra Tarahumara versteckt gehalten, da er sich in seinem Heimatdorf Coloradas de la Virgen von Mitgliedern einer Gruppe, die dem organisierten Verbrechen zugerechnet wird, bedroht fühlte.

Bereits im August hatte Julián Carrillo Amnesty International mitgeteilt, dass er seit der Tötung seines Schwiegersohns im Juli Morddrohungen erhalte. Mehrere Angehörige der Gemeinschaft warnten ihn, dass die Mörder seines Schwiegersohns auch ihn verfolgten. Daraufhin entschloss sich Julián Carrillo, sein Heimatdorf einige Wochen lang zu verlassen. In dieser Zeit sagte ein Dorfbewohner seiner Schwiegertochter, dass man ihn suche, um ihm «das Maul zu stopfen», und weil er ein «Querulant» sei und man nicht verstehe, weshalb er die Morde in der Gemeinschaft verurteile. Die Betreffenden wussten ausserdem, dass Julián Carrillo den Behörden Informationen gegeben hatte. Er war in die Ortschaft zurückgekehrt, weil seine Tochter bei der Geburt ihres Kindes gestorben war. Seit 2016 sind bereits fünf Familienangehörige von Julián Carrillo getötet worden. Nur in einem einzigen dieser Fälle wurde der mutmassliche Verantwortliche identifiziert, allerdings nicht von der Polizei festgenommen.

Im Jahr 2014 erhielten Julián Carrillo und drei weitere Angehörige der Gemeinschaft sowie zwei Mitglieder der NGO Alianza Sierra Madre A.C Schutzmassnahmen unter dem staatlichen Schutzmechanismus für MenschenrechtsverteidigerInnen. Diese Schutzmassnahmen hätten 2017 durch die zuständige Behörde neu bewertet werden sollen, um angemessene Massnahmen zu gewährleisten. Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge wurde die letzte Bewertung jedoch 2016 vorgenommen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die indigene Gemeinschaft der Rarámuri in Coloradas de la Virgen verteidigt ihr angestammtes Territorium in der Sierra Tarahumara im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua, nachdem man ihr in den 1990er-Jahren die Landtitel aberkannt hatte. Seither werden auf ihrem Territorium Bäume geschlagen und illegal Nutzpflanzen angebaut. Die Tötung von Julián Carrillo ereignete sich einige Wochen, nachdem Angehörige der Gemeinschaft sich bei verschiedenen Regierungsbehörden über Bergbaulizenzen zum Abbau von Bodenschätzen in ihrem Gebiet beschwert hatten, die an drei Personen vergeben worden waren. Laut Angaben der Gemeinschaft wurden diese Lizenzen ohne die freie und informierte Zustimmung der BewohnerInnen vergeben.
Die Indigenensprecher der Gemeinschaft in Coloradas de la Virgen sowie Angehörige der sie unterstützenden NGO Alianza Sierra Madre A.C (ASMAC) werden seit einiger Zeit wegen ihrer Menschenrechtsarbeit bedroht und angegriffen. In einigen Fällen wurden Personen in unfairen Verfahren vor Gericht gestellt oder sogar getötet. Im Februar 2017 wurde Isidro Baldenegro getötet. Er hatte 2005 den Goldman Environmental Prize erhalten, und Amnesty International hatte sich für ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen eingesetzt. Zwischen 2015 und 2018 wurden mindestens acht weitere GemeindesprecherInnen getötet.
Wie Julián Carrillo zu Lebzeiten sehen sich auch andere Angehörige der Gemeinschaft gezwungen, aufgrund der hohen Gewaltrate – die mit dem organisierten Verbrechen in der Region zusammenhängt – in andere Landesteile umzuziehen. Amnesty International sprach im Oktober 2018 mit einigen Personen, die Coloradas de la Virgen verlassen mussten und die angaben, das organisierte Verbrechen habe ihr Territorium unter seine Kontrolle gebracht und zur Tötung von indigenen MenschenrechtsverteidigerInnen geführt. Laut Angaben des staatlichen Mechanismus zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen (Mecanismo de Protección para Personas Defensoras de Derechos Humanos y Periodistas) wurden von Januar bis Oktober 2018 in ganz Mexiko 16 MenschenrechtlerInnen getötet.
Julián Carrillo, einige IndigenensprecherInnen und MitarbeiterInnen von ASMAC erhielten daher im Jahr 2014 Schutzmassnahmen unter dem staatlichen Schutzmechanismus für MenschenrechtsverteidigerInnen. Allerdings waren diese Massnahmen nicht auf ihre spezielle Situation und die Abgelegenheit der Ortschaft zugeschnitten. Darüber hinaus wird mit den staatlichen Schutzmassnahmen nichts gegen die Ursachen dieser gewaltsamen Situation unternommen – z. B. der landwirtschaftliche Konflikt, die Präsenz des organisierten Verbrechens in der Gegend sowie die Diskriminierung, unter der die indigene Gemeinschaft der Rarámuri seit langer Zeit zu leiden hat.

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