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Startseite Urgent Actions 2018 07 Seven people killed in Cauca
UA 128/18
Kolumbien
Abgeschlossen am 17. August 2018

Sieben Männer in Cauca getötet

AI-Index: AMR 23/8744/2018

Sieben männliche Leichen wurden übereinander liegend auf einer Strasse in der Gemeinde Argelia im Departamento Cauca aufgefunden. Zurzeit werden die Männer von den Behörden identifiziert, da sie wahrscheinlich nicht aus der Gemeinde stammen. In den vergangenen Wochen hatten paramilitärische Gruppen Flugblätter verteilt, in denen sie drohten, bestimmte Gruppen von Menschen zu töten.

In den frühen Morgenstunden des 3. Juli fanden EinwohnerInnen der ländlichen Gemeinde Argelia im Südwesten Kolumbiens die Leichen von sieben Männern auf einer Verbindungsstrasse zwischen den Dörfern La Belleza und Sinaí. Die Getöteten sollen aus nächster Nähe erschossen worden sein und deutliche Spuren von Folter und anderen Misshandlungen aufgewiesen haben. Am 5. Juli konnten die Behörden fünf der sieben Leichen identifizieren, zwei von ihnen waren registrierte ehemalige Kämpfer der demobilisierten Guerrilagruppe FARC (Revolutionäre Streitkräfte von Kolumbien).

Amnesty International hat von der Organisation AFRODES, die sich für vertriebene AfrokolumbianerInnen einsetzt, Berichte erhalten, dass die als Comando Popular de Limpieza und Autodefensas Gaitanistas de Colombia (ACG) bekannten paramilitärischen Gruppen in den vergangenen Wochen Flugblätter verteilt haben, in denen beide Gruppen ankündigen, dass sie Diebe, Vergewaltiger und geschwätzige Personen „eliminieren“ werden und Menschen von ausserhalb der Gemeinde zu „militärischen Zielen“ erklären.

Die Menschen in Argelia sind verängstigt, da dies eine Ankündigung weiterer Gewaltakte sein könnte. Die Bevölkerung von Argelia berichtete über die Anwesenheit verschiedener bewaffneter Gruppen in der Gegend, darunter die Nationale Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional – ELN), die FARC, DissidentInnengruppen, die nicht Teil des Friedensabkommens sind, paramilitärische Gruppen und kriminelle Banden, die vermutlich am Drogenschmuggel beteiligt sind. Die Gemeinde Argelia liegt auf einer Drogenschmuggelroute.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Verhandlungen zwischen der Guerillagruppe FARC und der kolumbianischen Regierung begannen formell im Oktober 2012 und hatten zum Ziel, den seit über 50 Jahren währenden internen bewaffneten Konflikt zu beenden. Die erste Fassung des Friedensabkommens wurde am 26. September 2016 von den beteiligten Parteien unterzeichnet und am 2. Oktober 2016 gab es dazu ein Referendum. Im Referendum wurde das Abkommen abgelehnt. Dies zog die Fortführung der Friedensgespräche in Zweifel und warf Fragen darüber auf, wie ein Gleichgewicht zwischen dem notwendigen Friedensabkommen und Kolumbiens internationalen Verpflichtungen hinsichtlich Gerechtigkeit und Rechte der Opfer gefunden werden könnte. Am 24. November 2016 wurde eine Neufassung des Friedensabkommens unterzeichnet, die am 1. Dezember 2016 im Kongress von einer Mehrheit akzeptiert wurde.
Amnesty International hat bei mehreren Gelegenheiten darauf hingewiesen, dass eine wirksame Umsetzung des Friedensabkommens in historisch von Gewalt betroffenen Territorien zur Vermeidung einer Wiederholung solcher Verbrechen beitragen könnte. In einigen Departamentos, darunter Chocó, Cauca, Antioquia und Norte de Santander, kommt es nach wie vor zu Völkerrechtsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, darunter die Ermordung von Angehörigen afrokolumbianischer und indigener Gemeinschaften, die Vertreibung ganzer Kollektive, die unfreiwillige Begrenzung von Gemeinschaften auf bestimmte Bereiche des Landes, die Zwangsrekrutierung von Kindern für bewaffnete Gruppen sowie sexualisierte Gewalt und der Einsatz von Antipersonenminen.
Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens hat sich der bewaffnete Konflikt aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen Guerillakräften der Nationalen Befreiungsarmee ELN, paramilitärischen Gruppen und Sicherheitskräften in einigen Gegenden verstärkt. Alle diese Gruppen versuchen, das von der FARC hinterlassene Machtvakuum zu füllen.
Die Gemeinde Argelia in Cauca war während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien Schauplatz vieler Gewaltakte. 2015, einen Tag nachdem die Menschen von Argelia Zusammenstösse mit der Armee hatten – die mit einem Toten und drei Verletzten endeten – wurden drei PolizistInnen durch eine Bombe der FARC getötet. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde und Sicherheitskräften, bei denen es in der Regel um Operationen zur Vernichtung von Kokablättern geht; in der Gemeinde wird sehr viel Koka angebaut. Seit 2015 gibt es Berichte über die Anwesenheit paramilitärischer Gruppen im Departamento de Cauca, die die EinwohnerInnen in Angst versetzen und die SprecherInnen der Gemeinschaften bedrohen. Die Ombudsperson hat bei zahlreichen Gelegenheiten warnend darauf hingewiesen, dass diese Gemeinschaft sehr angreifbar ist. Trotz der Warnungen reagiert der kolumbianische Staat bislang weder umfassend noch zeitgerecht und die BewohnerInnen fühlen sich von den vielen bewaffneten Gruppen, die nun um die Vorherrschaft in diesem Territorium kämpfen, bedroht.
Vor nur einem Jahr wurden in der Gemeinde Bolivar, ebenfalls in Cauca, sechs Leichen unter ähnlichen Umständen aufgefunden, deren Ermordung vermeintlich mit dem Drogenschmuggel in Verbindung stand. Die Leichen lagen ebenfalls übereinander und wiesen Wunden durch aus nächster Nähe abgefeuerte Schüsse auf. Die Ermittlungen haben bislang noch nicht dazu geführt, dass die Täter zur Verantwortung gezogen wurden. Ein solches Zeugnis der Straffreiheit bei dieser Art von Verbrechen in der Region Cauca spricht für sich.
In den vergangenen zwei Monaten sind mindestens zehn MenschenrechtsverteidigerInnen, die augenscheinlich den Wahlkampf des Präsidentschaftskandidaten Gustavo Petro unterstützten, getötet worden. Die paramilitärische Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) hat ein Flugblatt in Umlauf gebracht, in dem sie droht, UnterstützerInnen von Gustavo Petro, den eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung von Argelia bei den letzten Präsidentschaftswahlen unterstützte, zu töten.

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