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Startseite Urgent Actions 2018 03 Threats against environmental defenders
UA 051/18
Peru
Abgeschlossen am 17. April 2018

Mitglieder von Umweltschutzorganisation bedroht

AI-Index: AMR 46/7998/2018

Im peruanischen Naturschutzgebiet Chaparrí werden Mitglieder der Frente de Defensa Salvemos Chaparrí  schikaniert und bedroht. Die Mitglieder der Umweltschutzorganisation fürchten um ihre Sicherheit. Hinter den Angriffen sollen Personen stehen, die in illegale Grundstücksverkäufe verwickelt sind.

Im Januar und Februar haben Mitglieder der Umweltschutzorganisation Frente de Defensa Salvemos Chaparrí aus der Gemeinde Santa Catalina de Chongoyape Amnesty International berichtet, dass sie Drohungen erhielten, angegriffen zu werden oder ihr Land zu verlieren. Sie stünden ausserdem unter Beobachtung. Die Gemeinde liegt im Naturschutzgebiet Chaparrí und hinter den Drohungen werden Personen vermutet, die in illegale Grundstücksverkäufe verwickelt sind. Die Umweltschutzorganisation besteht aus EinwohnerInnen von Santa Catalina de Chongoyape und Mitgliedern des Verbands für Naturschutz und nachhaltigen Tourismus ACOTURCH (Asociación para la Conservación de la Naturaleza y Turismo Sostenible Chaparrí). Sie setzt sich für die Erhaltung und die Verteidigung des Naturschutzgebietes ein.

Mitglieder der Organisation haben öffentlich angeprangert, dass sie in den vergangenen drei Jahre schikaniert, bedroht, beschattet und tätlich angegriffen wurden. Sie seien willkürlich von ihrer Gemeinde getrennt worden und hätten Morddrohungen von Personen erhalten, die nicht zu dieser gehörten. Am 30. Dezember 2017 verschlimmerte sich die Situation, als vier Unbekannte Vize-Gouverneur José Napoleón Tarrillo Astonitas in seinem Haus töteten; in Anwesenheit seiner Frau Flor Vallejos schlugen sie auf ihn ein und würgten ihn, bis er starb. José Napoleón Tarrillo Astonitas setzte sich gegen den Zuzug von gemeindefremden Personen in das Gebiet ein und hatte deshalb schon zuvor Morddrohungen erhalten. Das strafrechtliche Ermittlungsverfahren zu seinem Tod ergab bisher noch keine Ergebnisse. Flor Vallejos war gezwungen, die Gemeinde im Januar zu verlassen, da die Drohungen gegen sie als einzige Augenzeugin der Tat nicht nachliessen. Nach dem Tod von José Napoleón Tarrillo Astonitas nahmen die Schikanen und Drohungen gegen die Mitglieder der Umweltschutzorganisation  weiter zu. Öffentlichen Informationen zufolge forderte das Innenministerium die regionale Verwaltungsbehörde (prefecto) dazu auf, Schutzmassnahmen für mehrere Personen, u. a. für Mitglieder der Umweltschutzorganisation, zu ergreifen. Bis heute wissen die Betroffenen jedoch nicht, um welche Massnahmen es sich dabei handeln soll, da diese nie umgesetzt wurden.

Mitglieder der Organisation Frente de Defensa Salvemos Chaparrí haben Amnesty International berichtet, dass seit 2015 Drittparteien, die nicht zur Gemeinde Santa Catalina de Chongoyape gehören, dort Grundstücke gekauft und verkauft hätten. Ziel sei der Weiterverkauf an Unternehmen, die das Land für andere Zwecke als dessen Schutz nutzen wollten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Von den Drangsalierungen und Drohungen sind jedoch nicht nur die Gemeindemitglieder von Santa Catalina de Chongoyape betroffen. Am 27. Januar 2018 machte der Präsident des Obersten Gerichts von Peru, Duberlí Rodríguez, öffentlich, dass er nach einem Besuch in Chaparrí über seinen Bruder eine Morddrohung erhalten hatte. Er war nach Chaparrí gereist, um sich ein eigenes Bild vom Grundstückshandel in dem Naturschutzgebiet zu machen. Für die Untersuchung dieser Drohungen ist die Staatsanwaltschaft für Umweltschutzfragen (Fiscalía Especializada en Materia Ambiental) von Lambayeque zuständig. Allerdings fürchten die JuristInnen nach eigenen Angaben bei der Arbeit um ihre Sicherheit.
Das Naturschutzgebiet Chaparrí ist ein privates Naturschutzgebiet in der Provinz Chiclayo im Departamento Lambayeque, welches 2001 staatlich anerkannt wurde. Von der 34.412 ha grossen Fläche des Naturschutzgebietes gehören mehr als 80 % der Gemeinde Santa Catalina de Chongoyape. Am 1. März 2018 hat die zivilgesellschaftliche Organisation Coordinadora Nacional de Derechos Humanos (Nationale Koordinierungsstelle für Menschenrechte) den Schutz der UmweltaktivistInnen in Chaparrí vom Innenministerium gefordert. Bisher erhielten sie jedoch keine Antwort.

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