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Startseite Urgent Actions 2018 02 Bombing near indigenous territory in Chocó
UA 022/18
Kolumbien
Abgeschlossen am 14. März 2018

Bombardierungen im Departamento Chocó

AI-Index: AMR 23/7820/2018

Im Zuge ihres Vorgehens gegen die Nationale Befreiungsarmee ELN bombardierten die kolumbianischen Sicherheitskräfte ein Gebiet in der Nähe der Schutzzone von Chagpien Tordó, die in der Gemeinde Litoral de San Juán im Departamento Chocó liegt. Dabei verletzten sie eine Minderjährige. Die Militärmassnahmen vertreiben die BewohnerInnen aus den angrenzenden Gemeinden. Sie haben Angst vor weiteren Übergriffen.

Am 30. Januar ging eine Einheit der kolumbianischen Streitkräfte, die Fuerza de Tarea Conjunta Titán, im Departamento Chocó gegen die Nationale Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN) vor. Dabei bombardierte sie ein Gebiet in der Nähe der Schutzzone (Comunidad de resguardo) von Chagpien Tordó, in der die indigene Bevölkerungsgruppe der Wounaan lebt. Ein 16-jähriges Mädchen wurde dabei so schwer verletzt, dass sie zur Behandlung in die Stadt Buenaventura gebracht werden musste. Laut Angaben aus dem Ombudsbüro in Chocó, kann davon ausgegangen werden, dass noch weitere Personen verletzt oder getötet wurden, doch liegen noch keine offiziellen Zahlen vor. Die BewohnerInnen der indigenen Gemeinden Santa María Pangala und Estrella Pangala sehen sich gezwungen, ihre Wohnorte in grosser Zahl zu verlassen, sind jedoch aus Furcht vor anhaltenden Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen und Sicherheitskräften zwischen den nahegelegenen Landstrassen eingeschlossen.

Bereits 2017 erhielt Amnesty International Berichte darüber, dass als Folge zweier Zusammenstösse zwischen der Armee, der ELN und paramilitärischen Gruppen zahlreiche BewohnerInnen der Schutzzone von Chagpien Tordó vertrieben worden waren. Beide Vertreibungen waren vom Dachverband indigener Gemeinschaften in Kolumbien (Organización Nacional Indígena de Colombia, ONIC) scharf kritisiert worden. Bis heute hat die kolumbianische Regierung noch keine Massnahmen ergriffen, um das Recht auf Leben, Integrität und Sicherheit der betroffenen Gemeinde zu schützen.

Auch der erneute Angriff auf die Zivilbevölkerung verstösst auf eklatante Weise gegen die Prinzipien des humanitären Völkerrechts, wie beispielsweise die Unterscheidung zwischen der Zivilbevölkerung und KämpferInnen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Amnesty International macht immer wieder auf die ernste Menschenrechts- und Sicherheitslage im Departamento Chocó aufmerksam und fordert Kolumbien dazu auf, das jüngste Friedensabkommen auch in der Praxis wirksam umzusetzen und seinen internationalen Menschenrechtsverpflichtungen nachzukommen.

Das Ausbleiben einer umfassenden und wirkungsvollen Reaktion seitens der staatlichen Stellen in den Konfliktgebieten ist eine Ursache für die aktuellen Menschenrechtsverletzungen an den indigenen und afro-kolumbianischen BewohnerInnen in dieser Region. Nach wie vor werden die Rechte auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Bewegungsfreiheit sowie auf Land und kulturelle Identität verletzt. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einem stabilen und anhaltenden Frieden, der die individuellen und kollektiven Menschenrechte respektiert.

Das Ende des beidseitigen Waffenstillstands zwischen der illegalen bewaffneten Gruppe ELN und der kolumbianischen Regierung Anfang Januar und die Aussetzung der Friedensverhandlungen am 29. Januar hat erneut zu einer Welle von Gewalttaten der ELN geführt, sodass die Regierung wieder verstärkt militärisch gegen sie vorgeht.

Es ist besorgniserregend, dass die betroffenen Gemeinden in dieser Phase des Friedensprozesses sowohl von Menschenrechtsverletzungen seitens der Sicherheitskräfte als auch über Verbindungen zwischen ihnen und paramilitärischen Gruppen berichten. Den Gemeinden und nationalen NGOs zufolge sind seit November 2016 mehrere paramilitärische Gruppen in verschiedenen Gegenden des Departamentos aktiv. Die Untätigkeit seitens der Regierung führt dazu, dass sich die Berichte über Drohungen und Einschüchterungen aus den betroffenen Gemeinden häufen. Die Bewegungsfreiheit der dortigen Bevölkerung ist stark eingegrenzt.

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