Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2018 01 At least 14 people killed during a party
UA 020/18
Brasilien
Abgeschlossen am 14. März 2018

Mindestens 14 Partygäste getötet

AI-Index: AMR 19/7815/2018

Auf einer Party im Viertel Cajazeiras der Stadt Fortaleza im Bundesstaat Ceará sind am 27. Januar 2018 mindestens 14 Menschen erschossen und neun weitere verletzt worden. Die meisten Opfer waren zwischen 15 und 24 Jahre alt. Es muss umgehend eine unabhängige Untersuchung dieses Vorfalls erfolgen, die die Ermittlung einer möglichen Beteiligung von Angehörigen der Staatsgewalt einschliesst.

Am 27. Januar 2018 wurden gegen Mitternacht mindestens 14 Menschen erschossen und weitere neun verletzt, während sie auf einer Party im Stadtviertel Cajazeiras in der im nordöstlichen brasilianischen Bundesstaat Ceará gelegenen Stadt Fortaleza feierten. Die meisten Opfer waren zwischen 15 und 24 Jahre alt. Unter den Todesopfern waren acht Frauen und sechs Männer.

Am Tag nach der Schiesserei veröffentlichten die Behörden des Bundesstaates Ceará eine Liste mit den Namen der Todesopfer. Laut Angaben von AnwohnerInnen des Viertels könnte die Zahl der Opfer aber durchaus höher liegen. Die neun Verletzten wurden in das nahe gelegene Krankenhaus Instituto Dr. José Frota (IJF) gebracht. Fünf der Verletzten konnten bereits wieder entlassen werden, während sich die restlichen vier noch zur Beobachtung im Krankenhaus befinden. Dieses Ereignis, in Brasilien bereits als «Chacina das Cajazeiras» (Blutbad von Cajazeiras) bekannt, war Medienberichten zufolge die opferreichste Massentötung in der Geschichte des Bundesstaates Ceará. Dies wurde später vom Minister für Öffentliche Sicherheit bestätigt.

Die Behörden in Ceará haben öffentlich erklärt, dass das Motiv für die Tötungen gegenwärtig noch untersucht wird. Angesichts der weit verbreiteten Gewalt in Ceará und der Dynamik vorangegangener Massentötungen sollte auch eine mögliche Beteiligung von Angehörigen der Staatsgewalt Gegenstand einer umgehenden, gründlichen und unabhängigen Untersuchung der Tötungen sein. Der Gouverneur von Ceará, Camilo Santana, kündigte die Bildung einer Arbeitsgruppe an, um die TäterInnen zu fassen. Der Minister für Öffentliche Sicherheit des Bundesstaates Ceará, André Costa, beschrieb den Vorfall als einen «isolierten Einzelfall» und sagte, dass es «keinen Anlass zur Panik» gäbe. Mindestens ein Mann wurde aufgrund einer möglichen Beteiligung an der Tat festgenommen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Mit 61.283 Morden im Jahr 2016, was einer Tötungsrate von 29,7 pro 100.000 EinwohnerInnen entspricht, ist Brasilien das Land mit der weltweit höchsten Anzahl an Tötungsdelikten. Allerdings sind nicht alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermassen von dieser Gewalt betroffen. Die grösste Opfergruppe dieser Tötungsdelikte sind die jungen schwarzen BewohnerInnen der Favelas und des Umlands der Grossstädte.

In den letzten Jahrzehnten haben es die staatlichen Institutionen – sowohl auf Bundesstaats- als auch auf Landesebene – versäumt, angemessen auf die steigende tödliche Gewalt im Land zu reagieren und wirksame öffentliche Sicherheitsstrategien sowie Massnahmen zur Senkung der Tötungsdelikte an schwarzen Jugendlichen und zum Schutz ihres Rechts auf Leben zu implementieren.

Der Bundestaat Ceará liegt im Nordosten Brasiliens und damit in der Region mit der höchsten Tötungsrate im ganzen Land. Laut offiziellen, vom Minister für Öffentliche Sicherheit des Bundesstaates Ceará bereitgestellten Daten wurden im Jahr 2017 in Ceará 5.134 Tötungsdelikte registriert. Innerhalb Brasiliens weist Ceará ausserdem die höchste Zahl an Tötungsdelikten an jungen Menschen zwischen 12 und 18 Jahren auf. In Bezug auf diese Tötungsdelikte lässt sich ein Muster erkennen, bei dem nicht erfolgte Ermittlungen und mangelnde Rechenschaftspflicht eine zentrale Rolle spielen und die Gewaltspirale weiter nach oben drehen.

Vor dem «Chacina das Cajazeiras» (Blutbad von Cajazeiras) hatte bereits eine andere Massentötung den Bundesstaat erschüttert, als am 11. November 2015 in der Messejana-Region ausserhalb Fortalezas elf Menschen erschossen worden waren. Aufgrund des damaligen Medienechos und dank des Drucks der Zivilgesellschaft auf die Behörden wurde der Fall umfassend untersucht. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnten überzeugende Beweise gesammelt werden, die auf eine Beteiligung von zum Tatzeitpunkt dienstfreien PolizistInnen an den Tötungen hindeuten. Der Fall ist auch als «Chacina de Messejana» (Blutbad von Messejana) bekannt.

7 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 020/18 english
Microsoft Word Document, 27.4 kB
UA 020/18 français
Microsoft Word Document, 28.3 kB
UA 020/18 deutsch
Microsoft Word Document, 29.1 kB