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UA 008/18
Ecuador
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Morddrohungen gegen indigene Menschenrechtsverteidigerin

AI-Index: AMR 28/7714/2018

Patricia Gualinga, eine Menschenrechtsverteidigerin, die sich für die Rechte Indigener einsetzt, hat angegeben, dass ein Unbekannter am 5. Januar Steine gegen die Fenster ihres Hauses geworfen und Morddrohungen gerufen habe.

Am frühen Morgen des 5. Januar hat ein Unbekannter Steine auf das Haus von Patricia Gualinga in Puyo in der Provinz Pastaza geschleudert und dabei gedroht, die Menschenrechtlerin zu töten. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielt sich Patricia Gualinga zusammen mit ihren Eltern und ihrem Kind in dem Haus auf. Noch am selben Tag meldete sie den Vorfall der Polizei und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft der Provinz Pastaza. Bislang haben Patricia Gualinga und ihre Familie weder Schutzmassnahmen der Behörden erhalten noch hat es sichtbare Fortschritte bei den Ermittlungen gegeben.

Patricia Gualinga ist eine Indigenensprecherin der Kichwa innerhalb der indigenen Gemeinschaft der Sarayaku. Deren angestammtes Land liegt im Osten Ecuadors. Patricia Gualinga setzt sich für Landrechte und den Umweltschutz im Kontext von Projekten der Rohstoffförderung im ecuadorianischen Amazonasgebiet ein. Konkret geht es um Konzessionen für die Erdölförderung auf dem angestammten Land der Kichwa und Sarayaku, der Sápara, Achuar Shuar, Shiwiar, der Gemeinden Santa Clara und San Jacinto und der Städte Puyo und Shell-Mera.

Viele SprecherInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen der zuvor genannten Gemeinschaften haben ihre Sorge bezüglich der Auswirkungen der Erdölförderung auf ihr Land und ihre Wasserressourcen – zum Beispiel auf die Flüsse Villano und Curaray – zum Ausdruck gebracht. Aufgrund ihres menschenrechtlichen Engagements haben sie Drohungen erhalten und sind drangsaliert worden. Nach tagelangen Protesten und einem Treffen mit der grössten Indigenenorganisation Ecuadors La Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (CONAIE) sagte Präsident Lenin Moreno zu, die Konzessionen für die Erdölförderung und andere Rohstoffe, die ohne vorherige Konsultation vergeben wurden, auszusetzen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Im Juni 2012 erliess der Interamerikanischer Gerichtshof für Menschenrechte ein Urteil gegen den Staat Ecuador, nachdem ein ausländisches Ölunternehmen Anfang der 2000er-Jahre die Erlaubnis erhalten hatte, auf dem angestammten Land der Sarayaku Aktivitäten durchzuführen, ohne dass eine vorherige Konsultation mit den Sarayaku stattgefunden hatte. Der Internationale Gerichtshof für Menschenrechte befand, dass der ecuadorianische Staat die Rechte der Gemeinschaft auf vorherige Konsultation sowie ihre Eigentumsrechte und ihr Recht auf kulturelle Identität verletzt habe. Der Gerichtshof kam ausserdem zu dem Schluss, dass der Staat Ecuador das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Sarayaku einer grossen Gefahr ausgesetzt habe, nachdem das Ölunternehmen über 1.400 kg Sprengstoff auf dem Siedlungsgebiet der indigenen Gemeinschaft platziert hatte. Ecuador hat das Urteil noch nicht vollständig umgesetzt. Patricia Gualinga hat in diesem gesamten Prozess eine massgebliche Rolle gespielt.

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