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Startseite Urgent Actions 2017 12 Killings of land claimant leaders
UA 268/17
Kolumbien
Abgeschlossen am 23. Januar 2018

Zwei Gemeindesprecher in Landkonflikt getötet

AI-Index: AMR 23/7588/2017

Zwei Gemeindesprecher der afro-kolumbianischen Gebiete Curvaradó, Jiguamiandó, Piedeguita und Mancilla im Departamento Chocó wurden von Mitgliedern der paramilitärischen Gruppen Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) getötet. Die BewohnerInnen der Schutzzonen sehen sich weiterhin Gefahren ausgesetzt.

Am 9. Dezember berichtete die Nichtregierungsorganisation Interkirchliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (Comisión Intereclesial de Justicia y Paz – CIJP) über den Tod von Hernán Bedoya, einem Sprecher der humanitären Schutzgebiete Piedeguita und Mancilla. Zuvor hatte er über unrechtmässige Übereinkünfte, betrügerische Verträge und das Eindringen von paramilitärischen Gruppierungen in die Region berichtet. Er wurde gegen 13:15 Uhr von Paramilitärs der AGC getötet. Im Dorf Playa Roja, der Ort wird auch El Acopio genannt, schossen sie 14 Mal auf ihn. Am 26. November war der Sprecher der Gemeinde Curvaradó, Mario Castaño Bravo, auf seiner eigenen Farm in der Region Florida im Schutzgebiet La Larga Tumaradó getötet worden. Unbekannte drangen in sein Zuhause ein und schossen mehrfach auf ihn. Mario Castaño Bravo betreute die Erarbeitung eines gemeinsamen Reparationskonzepts, das unter anderem die Anerkennung des Landes als gesetzliches Eigentum der Gemeinden beinhaltete. Darüber hinaus sollten die Aktivitäten von Firmen eingeschränkt werden, die durch ihr Handeln ohne Rücksprache mit den Gemeinden das Leben, das Land und die Würde der BewohnerInnen bedrohen.

Beide Gemeindesprecher standen unter dem Schutz der Nationalen Schutzeinheit des kolumbianischen Innenministeriums (Unidad Nacional de Protección – UNP), was lediglich bedeutet, dass sie mit kugelsicheren Westen und Mobiltelefonen ausgestattet worden waren. Die Tötungen der beiden beweisen, dass die Schutzmassnahmen, welche die kolumbianische Regierung und die UNP zur Verfügung stellen, unzureichend sind.

Laut Angaben der CIJP stellen die Tötungen einen Versuch dar, den Kampfgeist der Gemeinden zu schwächen, die sich für die gemeinschaftlichen Landrechte in den 13 humanitären und Umweltschutzzonen einsetzen. Die CIJP unterstützt die Gemeinden dabei, ihre Landrechte zurückzufordern, die in den 13 Schutzzonen des Departamento Chocó eingerichtet wurden, um die Rückgabeansprüche derjenigen Familien zu sichern, die in den 1990er-Jahren vertrieben worden waren. Die BewohnerInnen der Gebiete fürchten, dass sie erneut vertrieben werden könnten. Das kolumbianische Verfassungsgericht bewilligte Schutzmassnahmen für die Humanitären Zonen. Darüber hinaus wurden fünf SprecherInnen Schutzmassnahmen durch die Interamerikanische Menschenrechtskommission zuerkannt. Sie sind, wie viele Andere auch, jedoch weiterhin in Gefahr aufgrund der Aktivitäten der AGC in dem Gebiet.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Interkirchlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (Comisión Intereclesial de Justicia y Paz – CIJP) unterstützt die afro-kolumbianischen und indigenen Gemeinschaften, die in den Flussbecken des Curvaradó und des Jiguamiandó leben, bei ihren Bemühungen um die Rückgabe ihrer Grundstücke. Paramilitärische Gruppen haben dort Land, das den Gemeinschaften gehört, seit 2005 illegal besetzt.
In den vergangenen Jahren sind viele von den Menschen, die in den späten 1990er-Jahren von Paramilitärs und Sicherheitskräften gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden waren, in die Gemeinden der Regionen Curvaradó und Jiguamiandó zurückgekehrt. Die Gemeinden versuchen, ihre Landrechte zu schützen und weitere illegale Aktivitäten auf ihrem Land, wie beispielsweise die Errichtung von Palmölplantagen, zu verhindern. Viele Angehörige der Gemeinschaften sind in der Folge bedroht und getötet worden. Trotz der wiederholten Anordnungen durch das Verfassungsgericht wurden die gemeinschaftlichen Landrechte noch nicht zurückgegeben.
Im April 2006 wurde die erste Humanitäre Zone eingerichtet. Dabei handelt es sich um deutlich markierte Gebiete in denen Menschen wohnen, die sich nicht am Konflikt beteiligen und von den Konfliktparteien fordern, ihre Entscheidung zu respektieren. Diese Zonen sind eine Schutzmassnahme und zeigen allen Konfliktparteien auf, dass das Recht der Zivilbevölkerung, sich nicht an einem Konflikt zu beteiligen, respektiert werden muss.
Seit 2015 gibt es immer wieder Berichte über das Eindringen paramilitärischer Gruppierungen in die humanitären und Umweltschutzzonen in der Gemeinde Riosucio. Sie bedrohen die SprecherInnen der Gemeinden und verbreiten Angst unter den BewohnerInnen. Das Büro des Ombudsmanns hat wiederholt vor der Gefahr weiterer Vertreibung gewarnt und auf den fehlenden Schutz der Gemeinden aufmerksam gemacht. Dennoch hat die kolumbianische Regierung noch nicht unmittelbar und umfassend reagiert. Die BewohnerInnen sehen sich weiterhin Bedrohungen durch paramilitärische Gruppierungen ausgesetzt.

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