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Startseite Urgent Actions 2017 12 Papuan worker disappeared since 7 November
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Indonesien
Aktiv seit 5. Dezember 2017 | Noch 31 Tage Laufzeit

Arbeiter verschwunden

AI-Index: ASA 21/7544/2017

Martinus Beanal, ein Arbeiter aus Papua, wird seit dem 7. November vermisst. Sein „Verschwinden“ steht offenbar mit der mutmasslichen Eskalation bewaffneter Konflikte im Dorf Utikini des Bezirks Tembagapura in Mimika Regency in der Provinz Papua in Zusammenhang. Nach Angaben der Polizei ist er nicht mehr am Leben und wurde von seiner Familie bestattet. Seine Familienangehörigen widersprechen dieser Aussage jedoch. Somit ist nach wie vor nicht bekannt, wo sich Martinus Beanal befindet.

Martinus Beanal ist Mitarbeiter des Nahrungsmittelunternehmens Pangan Sari Utama, das den Konzern Freeport McMoran beliefert. Er war am 7. November morgens auf dem Weg nach Hause, kam aber nicht dort an. Er verliess die Niederlassung des Nahrungsmittelzulieferers im Bezirk Tembagapura um 5 Uhr und machte sich auf den Weg in sein Dorf Opitawak in Mimika Regency. Laut Angaben seiner Familie wurde er von Angehörigen der Streitkräfte angehalten, die ihn wegen der Militär- und Polizeioperationen in dem Gebiet nicht passieren liessen. Aufgrund dieser Sperrung musste Martinus Beanal einen anderen Weg zu seinem Dorf nehmen, der etwa zwei bis drei Stunden dauern sollte. Gegen 6:30 Uhr rief er seine Familie an und sagte, er mache gerade eine Pause an einem Funkturm. Ausserdem teilte er seiner Familie mit, dass er nicht sicher sei, welchen Weg er nehmen solle, weil die Strasse mehrere Abzweigungen habe und Abdrücke von Militärstiefeln dort zu sehen seien. Dann hörten die Verwandten mehrere Schüsse am Telefon und die Verbindung wurde unterbrochen.

Daraufhin rief die Ehefrau von Martinus Beanal einige BewohnerInnen des Dorfes Opitawak an, die sie bat, nach ihrem Mann zu suchen und ihn zurück in ihr Dorf zu bringen. Einige DorfbewohnerInnen gelangten in die Nähe des Ortes, von dem aus sich Martinus Beanal zuletzt gemeldet hatte, liefen aber gegen 7 Uhr wieder in ihr Dorf zurück, als sie Schüsse hörten. Nachdem die DorfbewohnerInnen der Ehefrau und anderen Verwandten von Martinus Beanal Bescheid gesagt hatten, entschieden sie um 8 Uhr, noch einmal in die Gegend des Funkturms zu gehen. Dort wurden sie jedoch von Soldaten gestoppt und aufgefordert, umzukehren.

Nach Angaben der Polizei und des Mlitärs kommt es im Bezirk Tembagapura, Mimika, in der Umgebung des Unternehmens Freeport McMoran seit August 2017 immer wieder zu bewaffenten Auseinandersetzungen. Die Polizei- und Militäreinheiten geben an, in der Region gegen die bewaffnete Gruppe Free Papua Movement – (OPM), die sich für die Unabhängigkeit Papuas einsetzt, zu kämpfen. Am 21. Oktober wurden ein Polizist getötet und mehrere Zivilpersonen verwundet. Menschenrechtsgruppen in Papua konnten jedoch nicht bestätigen, dass es in der Region Tembagapura bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und der bewaffneten Unabhängigkeitsgruppe gegeben habe. Am 10. November gab ein Polizeisprecher in den Medien bekannt, dass Martinus Beanal am 9. November in einem von der bewaffneten Unabhängigkeitsgruppe besetzten Gebiet tot aufgefunden worden sei und die Familie ihn bestattet habe. Die Familie widerspricht dieser Angabe jedoch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Verschwindenlassen ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und ein Verbrechen unter dem Völkerrecht, womit die Rechte der Betroffenen und ihnen nahe stehenden Personen verletzt werden. Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1992 angenommene Erklärung über den Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen führt aus, dass eine Untersuchung „fortzuführen ist, solange das Schicksal der verschwundenen Person nicht aufgeklärt ist“ (Artikel 13, Abs. 6). Ebenso heisst es darin in Artikel 17, Abs. 1, dass das Verschwindenlassen als Verbrechen anzusehen ist, solange die TäterInnen das Schicksal und den Verbleib der Personen, die verschwunden sind, geheim halten und die entsprechenden Fakten nicht geklärt sind.
Das indonesische Militär weist eine lange Geschichte des Verschwindenlassens auf. Doch die indonesische Regierung hat wenig unternommen, um den Verbleib und das Schicksal derjenigen aufzuklären, die während der Herrschaft von Suharto oder der darauffolgenden Phase der politischen Reform ab 1998 – einschliesslich der Konflikte in Timor-Leste (Osttimor) und der indonesischen Provinz Aceh – dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind bzw. seither vermisst werden. Laut Angaben in ihrem Jahresbericht hat die UN-Arbeitsgruppe über Verschwindenlassen (United Nations Working Group on Enforced or Involuntary Disappearances – WGEID) Informationen über 162 ungelöste Fälle von Verschwindenlassen in Indonesien und darüber hinaus 428 ungeklärte Fälle in Timor-Leste, die überwiegend aus der Zeit der indonesischen Besatzung (1975-1999) herrühren. Von Seiten der indonesischen Regierung steht auch noch eine Antwort auf die seit 2006 ausstehende Anfrage der WGEID aus, ob sie das Land besuchen kann.
Die Familien von „Verschwundenen“ und Vermissten fordern die indonesische Regierung seit Jahren auf, das Schicksal und den Verbleib ihrer Angehörigen aufzuklären. Doch bislang ist wenig dabei herausgekommen und das Leid der Angehörigen dauert an. Eine nationale Wahrheitskommission könnte eine solche Rolle übernehmen, doch der indonesischen Regierung fehlt es an politischem Willen, eine neue Kommission einzurichten, seit das Verfassungsgericht die frühere nationale Wahrheitskommission 2006 auflöste.
Nach einer Anfrage der indonesischen Menschenrechtskommission (Komnas HAM) im Jahr 2009 empfahl das indonesische Repräsentantenhaus Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen zu ratifizieren. Im September 2010 unterzeichnete die indonesische Regierung das Übereinkommen. Derzeit diskutiert der Ausschuss I des indonesischen Repräsentantenhauses einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen.
Im Oktober 2014 wurden sechs Militärangehörige von einem Militärgericht in Medan in der Provinz Nordsumatra der Entführung und Misshandlung von Dedek Khairudin schuldig befunden und zu Haftstrafen zwischen 14 und 17 Monaten verurteilt. Dedek Khairudin fiel im November 2013 dem Verschwindenlassen zum Opfer, nachdem er von einem Angehörigen des Militärgeheimdienstes vom Militärstützpunkt Korem 011/LW und mindestens acht Marinesoldaten aus der Region Pangkalan Brandan in Nordsumatra festgenommen worden war. Bis zum heutigen Tag ist sein Schicksal ungeklärt.

 

Empfohlene Aktionen

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Hiermit bitte ich Sie, das Schicksal und den Verbleib von Martinus Beanal zu klären und seine Sicherheit zu gewährleisten.
  • Bitte leiten Sie eine Untersuchung der Umstände des Verschwindens von Martinus Beanal ein und stellen Sie sicher, dass seine Familie umfassend und genau über die Ergebnisse der Ermittlungen informiert wird.

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Bahasa Indonesia oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Januar 2018 keine Appelle mehr zu verschicken.

 

Appelle an


POLIZEICHEF
General Pol. H.M. Tito Karnavian
National Police Headquarters
Jl. Trunojoyo No.3
Kebayoran Baru
Jakarta Selatan 12110
INDONESIEN
Fax: (00 62) 217 200 669 / (00 62) 217 218 741
E-Mail: mabes@polri.go.id
Twitter: @DivHumasPolri
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr General)

LEITER DER POLIZEI VON PAPUA
Inspector General Boy Rafli Amar, M.H
Papua Police Headquarter
Jl.  Dr. Sam Ratulangi No. 8
Jayapura 9912
INDONESIEN
Twitter: @hmspoldapapua
Fax: (00 62) (0)967 531014
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr General)




Kopien an


VORSITZENDER DER NATIONALEN MENSCHENRECHTSKOMMISSION (Komnas HAM)
Mr. Ahmad Taufan Damanik          
Jl. Latuharhary No. 4B Menteng
Jakarta Pusat 10310
INDONESIEN
Fax: (00 62) 21 39 25 227
E-Mail: pengaduan@komnasham.go.id

Ambassade de la République d'Indonésie
Elfenauweg 51
3006 Berne
Fax: 031 351 67 65
E-mail: bern.kbri@kemlu.go.id

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