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UA 252/17
Bangladesch
Aktiv seit 13. November 2017 | Noch 31 Tage Laufzeit

Akademiker verschwunden

AI-Index: ASA 13/7439/2017

Seit dem 7. November fehlt von dem bangladeschischen Akademiker Mubashar Hasan jede Spur. Amnesty International befürchtet, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist.

Mubashar Hasan wird seit dem 7. November vermisst. Man befürchtet, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist. Er ist Dozent an der North South University in Dhaka und ein angesehener Experte zu religiösen Gruppen in Bangladesch, der auf internationaler Ebene mit UN-Agenturen und Universitäten zusammenarbeitet.

Im Bekanntenkreis von Mubashar Hasan wird befürchtet, dass er aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sein könnte. Mubashar Hasan wurde zuletzt auf einem Treffen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Dhaka gesehen, das im Rahmen eines Projekts unter der Schirmherrschaft des Büros der Premierministerin stattgefunden hatte. Mubashar Hasan verliess das Treffen um ca. 18.30 Uhr. Laut Angaben eines Journalisten, der Mubashar Hasans Mobilfunkdaten einsehen konnte, funktionierte sein Mobiltelefon kurz darauf nicht mehr.

Um 19.00 Uhr begann sich die Familie von Mubashar Hasan Sorgen zu machen, weil er nicht nach Hause gekommen war, obwohl er seinem Vater zuvor gesagt hatte, dass er direkt nach der Veranstaltung nach Hause gehen würde. Um 22.00 Uhr gab seine Familie auf der Polizeiwache des Stadtbezirks (Thana) Khilgaon eine Vermisstenanzeige auf. Die Familienangehörigen wandten sich zudem mit einer Anzeige an das Rapid Action Batallion 3, eine Eliteeinheit der bangladeschischen Polizei.

In den vergangenen drei Jahren sind in Bangladesch Hunderte Menschen – hauptsächlich OppositionsanhängerInnen – auf rechtswidrige Weise festgenommen und in geheimer Haft gehalten worden. Doch in den vergangenen 14 Tagen gab es vermehrt Berichte über das „Verschwinden“ noch weiterer AktivistInnen, was ein gezieltes Vorgehen der Behörden befürchten lässt. Opfer des Verschwindenlassens in Bangladesch sind in grosser Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Anzahl der Fälle des Verschwindenlassens in Bangladesch ist weiterhin alarmierend hoch. Opfer werden häufig UnterstützerInnen der Oppositionsparteien Bangladesh Nationalist Party und Jamaat-e-Islami. Laut Human Rights Watch sind Hunderte Menschen von den bangladeschischen Behörden rechtswidrig festgenommen und in geheimer Haft gehalten worden. Angaben der Menschenrechtsorganisation Odhikar zufolge nahmen die Sicherheitskräfte im Jahr 2016 mindestens 90 Personen fest, von denen anschliessend jede Spur fehlte. Die Behörden weisen jegliche Beteiligung am „Verschwinden“ dieser Personen von sich, und die Familien der Opfer haben bisher keine Informationen über deren Verbleib erhalten.

Oft sind Angehörige der Polizeisondereinheit Rapid Action Battalion oder der Kriminalpolizei für diese Fälle von Verschwindenlassen verantwortlich. Gelegentlich liegt die Verantwortung auch bei anderen, nicht näher bestimmten Sicherheitskräften. Das Rapid Action Batallion ist eine polizeiliche Eliteeinheit, die insbesondere mit dem „Kampf gegen den Terrorismus“ betraut ist. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben seit Gründung dieser Einheit im Jahr 2004 eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, wie z. B. Verschwindenlassen, rechtswidrige Inhaftierung, aussergerichtliche Hinrichtungen und Folter. Das Rapid Action Batallion weist alle Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen von sich und die Regierung weigert sich grösstenteils, entsprechende Vorwürfe zu untersuchen, selbst wenn offiziell Anzeige bei der Polizei erstattet wurde. Daher agiert das Rapid Action Batallion in einem annährend straffreien Raum.

Im Februar 2017 drückte die UN-Arbeitsgruppe zur Frage des Verschwindenlassens von Personen ihre Sorge über die zunehmende Anzahl an Fällen des Verschwindenlassens in Bangladesch aus.

Die amtierende Regierungspartei Awami-Liga kam 2009 an die Macht und versprach damals eine „Nulltoleranzpolitik“ gegenüber Menschenrechtsverletzungen. Allerdings sind seither zahlreiche Menschen dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, darunter Personen, denen kriminelle Aktivitäten, Verbindungen zu bewaffneten Gruppen oder Mitgliedschaft in politischen Oppositionsparteien vorgeworfen wird.

Artikel 2 des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen definiert Verschwindenlassen als „die Festnahme, den Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird“.

 

Empfohlene Aktionen

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE, FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Leiten Sie bitte unverzüglich eine Untersuchung des Schicksals und Verbleibs von Mubashar Hasan ein und geben Sie alle Informationen und Erkenntnisse umgehend an seine Familie weiter.
  • Zudem bitte ich Sie, umgehend eine unparteiische, unabhängige und zielführende Untersuchung aller Fälle des Verschwindenlassens einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und alle mutmasslich Strafverdächtigen in fairen Verfahren und ohne Rückgriff auf die Todesstrafe vor Gericht zu stellen.
  • Schieben Sie der Praxis des Verschwindenlassens bitte einen Riegel vor und ratifizieren Sie das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen.
  • Bitte sorgen Sie dafür, dass AktivistInnen, MenschenrechtlerInnen, JournalistInnen, AkademikerInnen und Oppositionsmitglieder in der Lage sind, friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit wahrzunehmen.

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Bengalisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Dezember 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

 

Appelle an


PREMIERMINISTERIN
Sheikh Hasina
Prime Minister’s Office
Old Sangshad Bhaban
Teigaon
Dhaka 1215
BANGLADESCH
Fax: (00 880) 2 913 3722
E-Mail: info@pmo.gov.bd
(Anrede: Honourable Prime Minister / Sehr geehrte Frau Premierministerin)

GENERALINSPEKTEUR DER POLIZEI
AKM Shahidul Hoque
6 Phoenix Road
Fulbaria
Office of the Inspector General
1000 Dhaka
BANGLADESCH
Fax: (00 880) 2 712 5840
E-Mail: ig@police.gov.bd
(Anrede: Dear Inspector General / Sehr geehrter Herr Generalinspekteur)




Kopien an


AUSSENMINISTER
H.E Mr Abul Hassan Mahmood Ali, M.P.
Ministry of Foreign Affairs
Segunbagicha
Dhaka 1000
BANGLADESCH
Fax: (00 880) 2 956 2188

Ambassade de la République populaire du Bangladesh
Rue de Lausanne 65
1202 Genève
Fax: 022 738 46 16
E-mail: mission.bangladesh@ties.itu.int

12 Briefe verschickt  
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