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Startseite Urgent Actions 2017 05 Priest harassed over memorial to war dead
UA 116/17
Sri Lanka
Abgeschlossen am 6. Juli 2017

Priester schikaniert wegen Gedenken der Kriegsopfer

AI-Index: ASA 37/6341/2017

Der katholische Geistliche Elil Rajendram aus Sri Lanka wird von der Polizei schikaniert, weil er sich für Familien einsetzt, die ihrer bei dem bewaffneten Konflikt getöteten Angehörigen gedenken möchten.

Pater Elil Rajendram war wegen seines Einsatzes für Familien, die ihrer bei dem bewaffneten Konflikt ums Leben gekommenen Angehörigen gedenken möchten, bereits wiederholt Gegenstand polizeilicher Ermittlungen und Opfer von Schikanen. Für den 18. Mai war eine Gedenkveranstaltung zum achten Jahrestag des Endes des bewaffneten Konflikts in Sri Lanka neben einem Denkmal geplant, dass zivilgesellschaftlich engagierte AktivistInnen in der Nähe der Kirche St. Paul‘s in Mullivaikkal East errichtet hatten, einer Gegend in der Nordprovinz, die bei dem Konflikt verwüstet wurde. Einheimische hatten die Namen, das Alter und die Todesdaten ihrer Angehörigen auf Steine gravieren lassen, die auf einem Feld bei dem Denkmal niedergelegt werden sollten.

Am Abend des 16. Mai wurde Pater Elil Rajendram zu einem Verhör durch die Polizei von Mullaitivu geladen. Die Polizei forderte ein Verbot der geplanten Versammlung, mit der Begründung, auf den Steinen könnten sich auch die Namen von Mitgliedern der Befreiungstiger von Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam – LTTE) befinden, so dass eine Gefahr für die nationale Sicherheit bestehe. Am 17. Mai ordnete ein zuständiger Richter in Mullaitivu ein für zwei Wochen geltendes Verbot von Gedenkaktivitäten an dem Denkmal an, da diese eine Gefahr für „die Integrität des Landes, die nationale Sicherheit und den Frieden der Nation“ darstellen würden. Am 18. Mai stimmte der Richter einer Veranstaltung im kleineren Rahmen in der Kirche St. Paul’s zu, untersagte jedoch den öffentlichen Zugang zu den Steinen. Am 19. Mai wurde der Tamilisch sprechende Geistliche Elil Rajendram auf die Polizeiwache in Vavuniya bestellt, das etwa 75 Kilometer von Mullaitivu entfernt liegt, wo er eine Aussage in Singhalesisch unterschreiben musste, einer Sprache, die er nicht lesen kann. Die Polizei setzte ihn unter Druck, um eine Liste mit den Namen der Toten zu erhalten, die an die für Terrorermittlungen zuständige Abteilung geschickt werden sollte, um auszuschliessen, dass darunter Mitglieder der LTTE waren. Auch er selbst wurde gefragt, ob er Terrorismus unterstütze.

In einer dritten Vorladung vom 20. Mai wurde Pater Elil Rajendram aufgefordert, sich am 22. Mai um 9:30 Uhr bei der Sonderermittlungsabteilung der Polizei von Mullaitivu zu melden, um hinsichtlich des Denkmals und der gravierten Steine „an einer Untersuchung teilzunehmen und eine Erklärung vorzulegen“. Die Polizei nahm die Vorladung nach der Intervention eines Regierungsministers zwar zurück, doch wurde Elil Rajendram vom stellvertretenden Generalinspektor der Polizei einbestellt und erneut aufgefordert, eine Liste der Namen zu übergeben. Sollten die Behörden zu der Feststellung gelangen, dass sich auf den Steinen Namen von LTTE-Mitgliedern befinden, droht Pater Elil Rajendram die Festnahme unter dem drakonischen Antiterrorgesetz von Sri Lanka und damit die noch immer weit verbreitete Folter in Polizeigewahrsam. Amnesty International ist besorgt um die Sicherheit von Pater Elil Rajendram und kritisiert unzulässigen Einschränkungen der Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit für Familien, die ihrer bei dem Konflikt in Sri Lanka gestorbenen Angehörigen gedenken möchten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die LTTE hat in der Nordprovinz im grossen Rahmen und häufig unter Zwang Mitglieder rekrutiert, und viele Familien haben Angehörige an die bewaffnete Gruppe verloren. Familien, MenschenrechtsverteidigerInnen und zivilgesellschaftliche Organisationen waren massgeblich an der Förderung der Rechte auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigungen beteiligt. Die jeweiligen politischen Verbindungen der Menschen, die bei dem Konflikt ihr Leben verloren, sollte keinen Grund darstellen, um den Einsatz von Familien und MenschenrechtsverteidigerInnen, die das Gedenken an diese Personen wahren wollen, zu behindern.
Das fragliche Denkmal zeigt eine Familie, die durch die Kämpfe vertrieben wurde: Ein Mann trägt eine verletzte Frau, neben ihm geht ein Kind. Zum achtjährigen Jahrestag der Beendigung des bewaffneten Konflikts in Sri Lanka hatten Familien die Namen, das Alter und das Todesdatum ihrer Angehörigen in Steine gravieren lassen, um sie auf einem Feld neben der Statue zu platzieren.
Berichten zufolge haben Pater Elil Rajendra, der Steinmetz und andere DorfbewohnerInnen ab Anfang Mai, als die Steine graviert wurden, Drohanrufe von GeheimdienstmitarbeiterInnen erhalten, die Informationen zu der geplanten Gedenkfeier haben wollten. Mindestens eine zivilgesellschaftlich engagierte Person wurde zum Verhör mitgenommen, und Angehörige der Polizei wurden in der Nähe des Monuments postiert. Ausserdem verhörte die Polizei die Eltern von Elil Rajendram in Jaffna.

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