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FI 051/16-3
Malawi
Abgeschlossen am 15. Juni 2016

Menschen mit Albinismus nach Tötungen weiter in grosser Gefahr

AI-Index: AFR 36/3949/2016

Der 15-jährige Junge mit Albinismus, der am 24. April in Malawi als vermisst gemeldet worden war, ist in Mosambik tot aufgefunden worden. Dem Leichnam waren Hände und Füsse abgetrennt worden. Tausende Menschen mit Albinismus und ihre Angehörigen leben in Malawi in ständiger Angst, verschleppt und getötet zu werden, weil man ihre Körperteile für die Nutzung zur „Hexerei“ verkaufen will.

Der 15-jährige David Fletcher hatte sich am 24. April aufgemacht, um im Dorf Nambirikira (Kachere im Distrikt Dedza) ein Fussballspiel anzuschauen. Seitdem fehlte jede Spur von ihm. Er war zuletzt mit einem Kollegen gesehen worden, der ebenfalls seitdem vermisst wird. Der Leichnam von David Fletcher wurde in Mosambik gefunden. Hände und Füsse waren abgetrennt worden. Der Junge soll an einen traditionellen Heiler in Mosambik verkauft worden sein. Im Zusammenhang mit seiner Ermordung sind zwei Männer festgenommen worden und befinden sich in Polizeigewahrsam.

Tausende Menschen mit Albinismus sind in Malawi in Gefahr, verschleppt und getötet zu werden, weil man ihre Körperteile für die Nutzung zur „Hexerei“ verkaufen will. Seit Dezember 2014 sind bereits mindestens 14 Betroffene getötet worden. Fünf weitere wurden verschleppt und werden seither vermisst. Zwischen Dezember 2014 und Mai 2016 wurden darüber hinaus mindestens 69 anderweitige Straftaten gegen Menschen mit Albinismus angezeigt, darunter versuchte Entführungen und das Öffnen von Gräbern auf der Suche nach Knochen von verstorbenen Betroffenen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die meisten Menschen mit Albinismus in Malawi leben in ländlichen Gebieten in extremer Armut. Irr- und Aberglaube gefährden die Sicherheit und das Leben der Betroffenen, die sich in Gefahr befinden, verschleppt, verstümmelt und getötet zu werden. Rituelle Tötungen von Menschen mit Albinismus gehen auf den Aberglauben und Mythos zurück, ihre Knochen oder Körperteile würden Reichtum bringen. Den meisten Fällen von versuchten und tatsächlichen Entführungen und anderweitigen Gewalttaten gegen Menschen mit Albinismus in Malawi liegt eben dieser Irrglaube zugrunde. Die wenigen Täter_innen, die in der Vergangenheit festgenommen wurden, sind entweder freigesprochen oder nur sehr milde bestraft worden. Die Regierung hat bislang keine wirksamen Massnahmen ergriffen oder Programme umgesetzt, um die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Albinismus zu ändern, somit befinden sich Betroffene noch immer in grosser Gefahr. Es kommt sogar zu Fällen, in denen Kinder von ihren Angehörigen verschleppt und verkauft werden. Aus Angst vor solchen Übergriffen nehmen Eltern ihre Kinder häufig aus der Schule, und manche Personen mit Albinismus ziehen in die Stadt, wo es sicherer ist.
Albinismus bezeichnet eine Gruppe seltener, nicht-ansteckender, angeborener Stoffwechselerkrankungen. Nur wenn beide Eltern ein entsprechendes Gen aufweisen, kommt ein Kind mit Albinismus zur Welt, die Eltern selbst müssen dabei jedoch nicht betroffen sein. Albinismus tritt geschlechterübergreifend, in allen ethnischen Gruppen und Regionen der Welt auf. Bei den Betroffenen ist die Pigmentbildung (Melanin) in den Haaren, der Haut und den Augen gestört, sodass sie in der Folge sehr empfindlich auf Sonne und Licht reagieren. Fast alle Menschen mit Albinismus leiden daher an Sehstörungen und erkranken zudem häufig an Hautkrebs. Es gibt keine Möglichkeit, die fehlende Pigmentbildung zu heilen.
Malawis Präsident Arthur Peter Mutharika hat am 19. März 2015 eine Erklärung herausgegeben, in der er die Angriffe gegen Menschen mit Albinismus verurteilte und die Polizei dazu aufforderte, die TäterInnen festzunehmen und die Betroffenen zu schützen. Obwohl einige Festnahmen vorgenommen wurden, gibt es noch immer Zweifel an der Angemessenheit der polizeilichen Ermittlungen und der verhängten Strafen.
Ein Kollege von David Fletcher, der zuletzt mit ihm gesehen wurde, wird ebenfalls vermisst. Er hat keinen Albinismus.
Am 14. April fanden Bauern in einem flachen Grab den Leichnam der 21-jährigen Enelesi Nkhata, einer Frau mit Albinismus. Sie hatte eine Stichwunde in der Brust und ihr waren Arme und Beine abtrennt worden. Enelesi Nkhata hatte ihre Grossmutter im Dorf Kumtumba Village im Distrikt Dedza von Kaphula besucht. Offenbar hatte Gerald Phiri, ein Verwandter von ihr, sie glauben lassen, er habe in Madisi im Distrikt Dowa einen Job für sie gefunden. Enelesi Nkhata „verschwand“ einige Tage vor dem 14. April. Mindestens zehn Männer, darunter einige Geschäftsleute, wurden unter dem Verdacht, an der Ermordung von Enelesi Nkhata beteiligt gewesen zu sein, festgenommen. Gerald Phiri bekannte sich schuldig, an der Planung des Mordes und der Entführung mit dem Ziel, sie zu ermorden, beteiligt gewesen zu sein. Er wurde auf der Grundlage der Paragrafen 404 und 261 des Strafgesetzbuchs schuldig befunden und wegen beider Straftaten zu fünf bzw. zwölf Jahren Haft verurteilt.
In der Nacht zum 4. April drangen Unbekannte in dem Dorf Chiziya im Distrikt Kasungu in das Haus ein, in dem die zweijährige Whitney Chilumpha neben ihrer Mutter schlief, und entführten das Kind. Der Fall wurde der Polizei gemeldet. Am 13. April wurden der Teil eines Schädels, einige Zähne und Kleidung gefunden. Die Mutter bestätigte, dass es sich bei den Kleidungsstücken um die Sachen handelte, die ihre Tochter in jener Nacht getragen hatte.
In der Nacht des 26. Februar 2016 wurde Harry Mokoshini, ein neunjähriger Junge mit Albinismus aus dem Dorf Moto im Distrikt Machinga, von einer Gruppe unbekannter Männer verschleppt, die in das Haus seiner Familie eindrangen. Die Männer bedrohten die Mutter von Harry Mokoshini und verletzten sie, als sie ihn mitnahmen. Am 3. März wurde der abgetrennte Kopf des Jungen in einem benachbarten Dorf gefunden. Im Zusammenhang mit der Ermordung von Harry Mokoshini wurden mehrere Personen festgenommen, darunter auch ein Onkel des Jungen und ein Mann, der im Jahr 2015 bereits wegen des Besitzes von Knochen von einer Person mit Albinismus festgenommen und zu einer Geldstrafe von 20.000 Malawi-Kwacha (ca. 27 Euro) verurteilt worden war.
Die 53-jährige Eunice Phiri wurde am 23. Januar von drei Männern, unter denen sich auch ihr Bruder befand, überredet, sie auf eine Reise nach Sambia zu begleiten. Ihr Leichnam wurde am 28. Januar von einem Viehhirten im Kasungu-Nationalpark gefunden. Man hatte ihre Arme abgetrennt.

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