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Startseite Urgent Actions 2016 01 Authorities must disclose missing man’s fate
UA 017/16
Ukraine
Abgeschlossen am 4. März 2016

Verbleib unbekannt

AI-Index: EUR 50/3275/2016

Kostyantyn Beskorovaynyi wurde am 27. November 2014 in der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka von Sicherheitskräften festgenommen. Die ukrainischen Behörden weigern sich nach wie vor, Informationen zu seinem Verbleib bekanntzugeben. Es besteht Sorge um seine Sicherheit und Gesundheit.

Augenzeugenberichten zufolge verschafften sich am 27. November 2014 um etwa 14.00 Uhr vier vermummte Männer mit Maschinengewehren Zutritt zum Haus von Kostyantyn Beskorovaynyi in der Stadt Kostjantyniwka in der ostukrainischen Region Donezk. Kurz darauf fuhren sie mit Kostyantyn Beskorovaynyi in einem weissen VW-Transporter ohne Nummernschild davon. Einige NachbarInnen von Kostyantyn Beskorovaynyi beobachteten den Vorfall und teilten seiner Frau mit, was geschehen war. Tags darauf nahm Kostyantyn Beskorovaynyi telefonisch Kontakt mit seiner Frau auf und sagte, er sei festgenommen worden, weil er im Mai 2014 auf einer öffentlichen Kundgebung eine Rede gehalten hatte. Daraufhin wurde er von einem anderen Mann unterbrochen, der seiner Frau mitteilte, Kostyantyn Beskorovaynyi werde «zur weiteren Befragung» festgehalten, und das Gespräch dann ohne weitere Erklärung beendete. Seitdem hat seine Frau nichts mehr von ihm gehört. Sie hat eine Vermisstenanzeige bei der örtlichen Polizei aufgegeben, woraufhin eine Untersuchung seiner Entführung eingeleitet wurde, die jedoch bisher ergebnislos verlaufen ist.

Der damalige Sprecher des Inlandsgeheimdienstes der Ukraine (Sluschba Bespeky Ukrajiny – SBU) Markiyan Lubkivskyi sagte am 19. Dezember 2014 in einer Pressekonferenz, dass ein Mann festgenommen worden sei, den er als „geisteskranken Kommunisten“ und Mitglied des Gemeinderats von Kostjantyniwka bezeichnete. Gemeinsam mit anderen Personen habe dieser Mann vorgehabt, die lokalen Wasservorräte mit Zyanid zu vergiften. Markiyan Lubkivskyi nannte Kostyantyn Beskorovaynyi zwar nicht beim Namen, allerdings war dieser zum damaligen Zeitpunkt der einzige männliche Vertreter der Kommunistischen Partei im Gemeinderat.

Am 29. Oktober 2015 nahm ein ehemaliger Insasse der SBU-Hafteinrichtung SIZO in Charkiw im Osten der Ukraine Kontakt mit der Frau von Kostyantyn Beskorovaynyi auf. Er gab an, mit Kostyantyn Beskorovaynyi eine Zelle geteilt zu haben und sie auf seinen Wunsch hin zu kontaktieren. Der Frau von Kostyantyn Beskorovaynyi zufolge gab die Kontaktperson persönliche Informationen über ihren Mann preis, die er nur von ihm persönlich erfahren haben konnte.

Die Familienangehörigen von Kostyantyn Beskorovaynyi haben bisher keine offizielle Auskunft über sein Schicksal und seinen Aufenthaltsort erhalten. Im Januar 2015 beantragte seine Frau diese Auskünfte sowohl bei der Generalstaatsanwaltschaft als auch bei anderen Regierungsbehörden und dem SBU. Alle Stellen stritten ab, Kostyantyn Beskorovaynyi in Gewahrsam zu halten, und gaben an, dass kein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Die Frau von Kostyantyn Beskorovaynyi sorgt sich um die Sicherheit und die Gesundheit ihres Ehemanns.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Haft ohne Kontakt zur Aussenwelt bedeutet, dass ein Gefangener keinen Zugang zu Personen ausserhalb der Hafteinrichtung, wie zu Rechtsbeiständen, Ärztepersonal, Familienangehörigen und Freunden, hat. Personen, die ohne Kontakt zur Aussenwelt in Haft gehalten werden, sind besonders stark von Folter, Misshandlung und Verschwindenlassen bedroht, denn häufig sind es die Besuche von Rechtsbeiständen, unabhängigen ÄrztInnen und Familienangehörigen, die eine Art Kontrolle darstellen und solchen Menschenrechtsverletzungen vorbeugen. Regierungsbehörden haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass alle Gefangenen umgehend nach ihrer Inhaftierung vor eine unabhängige Justizautorität gebracht werden. Personen in Gewahrsam muss unverzüglich regelmässigen Zugang zu Familienangehörigen, ÄrztInnen und Rechtsbeiständen erhalten.
Es liegen triftige Beweise für regelmässige und verbreitete Folter und anderweitige Misshandlung von Gefangenen auf beiden Seiten des Konflikts in der Ostukraine vor. Im März und im April 2015 befragte Amnesty International 33 ehemalige Gefangene, von denen 17 von separatistischen Kräften und 16 von Kiewer Militär- und Polizeiangehörigen gefangen genommen worden waren. Bis auf einen berichteten alle von Schlägen oder anderen schweren Misshandlungen, insbesondere in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft. Den englischsprachigen Bericht Breaking Bodies: Torture and Summary Killings in Eastern Ukraine finden Sie unter https://www.amnesty.org/en/documents/eur50/1683/2015/en/.

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