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FI 012/16-7
Israel / Besetzte Palästinensische Gebiete
Abgeschlossen am 8. September 2017

Palästinensischer Zirkuskünstler nach fast zwei Jahren wieder frei

AI-Index: MDE 15/7061/2017

Am 30. August wurde Mohammad Faisal Abu Sakha aus dem Gefängnis Ktziot in Israel entlassen. Der palästinensische Zirkuskünstler und -lehrer hatte beinahe zwei Jahre ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft verbracht. Er befindet sich nun wieder bei seiner Familie in Dschenin im besetzten Westjordanland.

Am 30. August wurde Mohammad Faisal Abu Sakha aus dem Gefängnis Ktziot in Israel entlassen. Der palästinensische Zirkuskünstler und -lehrer hatte dort 625 Tage ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Verwaltungshaft zugebracht. Seiner Entlassung ging die Entscheidung eines militärischen Berufungsgerichts vom 12. Juli voraus, ihn noch vor dem muslimischen Opferfest (Eid al-Adha) am 1. September freizulassen. Zuvor hatte der Rechtsbeistand von Mohammad Faisal Abu Sakha, Mahmoud Hassan, der für die palästinensische Gefangenenhilfsorganisation Addameer arbeitet, Rechtsmittel gegen die erneute Verlängerung der Verwaltungshaftanordnung eingelegt. Mohammad Faisal Abu Sakha befindet sich nun wieder bei seiner Familie in Dschenin im besetzten Westjordanland.

Mohammad Faisal Abu Sakha war am 14. Dezember 2015 auf dem Weg zur Zirkusschule am Kontrollpunkt Za’atara im besetzten Westjordanland von israelischen SoldatInnen festgenommen worden. Die israelischen Militärbehörden stellten am 25. Dezember 2015 eine sechsmonatige Verwaltungshaftanordnung aus, die zweimal verlängert wurde. Am 12. Juni 2017 wurde seine Verwaltungshaftanordnung um weitere drei Monate verlängert, dann aber im Berufungsverfahren verkürzt. Die Militärstaatsanwaltschaft warf Mohammad Faisal Abu Sakha vor, an illegalen Aktivitäten der in Israel verbotenen Volksfront zur Befreiung Palästinas (Popular Front for the Liberation of Palestine – PFLP) beteiligt gewesen zu sein. Nachweise zu diesen Aktivitäten legte sie jedoch nicht vor. Mohammad Faisal Abu Sakha hat diese Anschuldigung stets von sich gewiesen. Er wurde in Israel festgehalten, was gegen das Vierte Genfer Abkommen verstösst, welches vorschreibt, dass Gefangene aus besetzten Gebieten auch in diesen festgehalten werden müssen und nicht auf dem Territorium der Besatzungsmacht.

Mohammad Faisal Abu Sakha sprach am 6. September mit VertreterInnen von Amnesty International und dankte all denen, die sich für ihn eingesetzt haben: «Ich liebe euch alle. Ich fühle mich als Teil von euch, nach all dem Beistand, den ihr mir geleistet habt [...] Ich möchte gerne jedem einzelnen von euch danken. Tagelang sass ich vor Facebook und wusste nicht, was ich schreiben sollte. Dafür gibt es einfach keine Worte.»

Auf seiner Facebook-Seite wandte sich Mohammad Faisal Abu Sakha folgendermassen an alle seine UnterstützerInnen: «Von ganzem Herzen möchte ich allen danken, die mir beigestanden sind: sei es durch das Teilen eines Wortes, eines Fotos, einer Idee, einer Nachricht oder eines Gefühls während meiner Haft in den Gefängnissen Israels. Danke für all die Kampagnen und Bemühungen zur Beendigung der Verwaltungshaft.»

Er sagte Amnesty International, dass er sich darauf freut, seine Arbeit als Lehrer an der palästinensischen Zirkusschule wieder aufzunehmen und dort Kinder mit Lernschwächen zu unterrichten. Für ihn bedeute das die Rückkehr in sein normales Leben. So schreibt er auf Facebook: «Die Zirkusschule ist ein Ort, an dem wir unsere Menschlichkeit spüren können. Die palästinensische Zirkusschule, an der ich arbeite, spielt eine wichtige Rolle darin, unseren Kindern Hoffnung für die Zukunft und auf Freiheit zu geben.»

Weitere Appelle des Eilaktionsnetzes sind nach der Freilassung von Mohamed Faisal Abu Sakha nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die sich für den Zirkuskünstler eingesetzt haben.